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Josef Hader über Hader

Foto: KURIER/Juerg Christandl

Josef Hader über Hader

Seit 17 Jahren ist Österreichs erfolgreichster Kabarettist mit „Hader spielt Hader“ auf Tour. Warum hat ein Programm so lange Erfolg? Weshalb schreibt er kein neues? Und was macht er, wenn keiner lacht? Ein Gespräch über Lampenfieber, Kurzsichtigkeit & Scheißtrümmerl.

freizeit: Herr Hader, Sie haben 1982 Ihr erstes Kabarettprogramm geschrieben. Wurde bei einem Ihrer Auftritte schon einmal nicht gelacht?
Josef Hader: Ja, vor vielen Jahren in Hall in Tirol, beim „Lions Club“.  Die waren eher Unterhaltungskabarett gewöhnt, im Jahr vor mir hatten „Die Hektiker“ dort gespielt, und ich war damals sehr jung und radikal. Und gut spielen konnte ich das Programm auch nicht, weil es neu war. Es gab keinen einzigen Lacher und ich hatte das Gefühl, russisches Nationalkabarett zu spielen, vor lauter Österreichern im Publikum.

 

Das klingt nicht nach Spaß.

Kann man so sagen. Aber ich war auch selber dran schuld, nicht nur das Publikum. Das war aber nur die zweitschlimmste Vorstellung meines Lebens. Die schlimmste war in Deutschland, beim Grimme-Preis. Da bin ich von einem Teil der Zuschauer ausgebuht worden. Weil ich die Bildungsbürger dort so provoziert habe. Da war ich dann allerdings richtig stolz drauf.  

 

Ihren größten Auftritt vor 4.000 Zuschauern  hatten Sie in Tirol aber auch...  
Da muss man aber dazu sagen, dass der Eintritt frei war. So groß spiel’ ich normalerweise nicht,  so was stresst mich sehr. Das Ärgste für mich war der Jubiläumsabend von Lukas Resetarits in der Wiener Stadthalle. Zwei Wochen vor dem Auftritt hab’ ich mich davor gefürchtet, zwei Wochen lang musste ich mich davon erholen.

 

Wovor hatten Sie Angst?
Das Hauptproblem war wahrscheinlich, dass niemand für mich Eintritt bezahlt hat, sondern für ein Gesamtpaket an Kabarettisten – eine Art Familienpackung. Das ist auch das schlimme, wenn man in gemischten Fernsehshows auftritt.  Ich mache mir dann immer Sorgen, ob die Leute mit meinem Humor was anfangen können.

"Wenn ich einen Text schreibe, weiß ich, dass er auf die Bühne kommt. Das kann keiner verhindern, außer ich sterbe davor."

Foto: KURIER/Juerg Christandl

 

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Was machen Sie heute, wenn Leute auf Ihren Humor nicht sofort anspringen?
 Man darf den Spielstil nicht zu sehr verändern, nur weil das Publikum so oder so reagiert. Mit der Zeit lernt man, in Ruhe einen Eingang für die zu finden, die noch keinen haben. Wichtig ist: Nur nicht hudeln. Aus Nervosität zu schnell zu werden ist das Schlechteste. Heute sehe ich es als Herausforderung, wenn ein Abend anfangs nicht läuft. Man muss ums Publikum kämpfen. Das ist auch der Grund, warum man es überhaupt aushält, ein Programm so oft zu spielen: Man versucht, jede Vorstellung als besonders wahrzunehmen.  

 

Gibt es auch den umgekehrten Fall? Zuschauer, die zu viel applaudieren?
Gibt es auch. Dann mache ich, was eine gute Fußballmannschaft macht: Ich zwinge dem Gegner meinen Rhythmus auf.

 

Als Gast der Talkshow „Willkommen Österreich“ wurden Sie 2010 mit einem Riesen-Applaus begrüßt. Moderator Christoph Grissemann sprach vom „größten Applaus ever“. Sie haben  damals so unbeeindruckt gewirkt. Warum?
Ich war nicht unbeeindruckt, sondern nervös. Talk- und Kurz-Auftritte sind nicht mein Bewerb, sie stressen mich. Wenn ich am Telefon gut aufgelegt bin, nehme ich so eine Einladung an. Meistens dauert es noch ein halbes Jahr, bis es soweit ist. Eine Woche vorher denke ich mir dann: „Da hast dir wieder was eintreten.“

 

Wie gehen Sie mit Lampenfieber um, wenn Sie auf der Bühne stehen?
Ich trage meine Brille nicht. Wenn ich sie abnehme, habe ich ein bissl eine Weichzeichnung. Das mache ich auch, wenn ich drehe. Ich habe drei Dioptrien und sehe gerade noch den Partner, mit dem ich spiele. Das Filmteam rundherum verschwimmt. Das ist ein großer Vorteil, weil ich mich besser konzentrieren kann. James Dean hatte übrigens acht Dioptrien, dementsprechend besser hat er auch gespielt.

 

Sie haben nie eine Schauspielschule besucht. Warum spielen Sie so gut?
Ich mach’ einfach wenig. Weil ich ja Kabarett spiele und nicht nur von der Schauspielerei leben muss. Dadurch kann ich mir Rollen genau aussuchen und oft am Drehbuch mitschreiben. Das ist ein  Privileg. Und es ist fürs Filmen gut, wenn man eine innere Konzentration aufbauen kann. Ich habe schon immer, auch als Kind, viel Zeit alleine verbracht. Dadurch ist es für mich auf einem Set leichter, die Umgebung auszublenden. Das ist in der Kunst von Vorteil. Im Leben eher nicht.

 

Was bewirkt das im Leben?
Dass man sich zu viel abschottet, zu wenig Dinge bespricht, zu viel in sich reinfrisst. Da gibt’s dann einen Punkt, wo ich zu bestimmten Menschen einfach die Türen zumache. Ich bin leider sehr nachtragend.

Foto: KURIER/Juerg Christandl

 

Foto: KURIER/Juerg Christandl

 

Foto: KURIER/Juerg Christandl

 

Sie sind auf einem Bauernhof aufgewachsen und hatten dort viel Kontakt zu Erwachsenen. Dadurch hatten Sie später im Internat Probleme mit Mitschülern...

 

Schrecklich, wenn jemand einem die eigene Biografie erzählt. Aber ich höre es mir ganz tapfer an.

 

 

So müssen Sie Ihre Geschichte nicht noch einmal erzählen. Das haben Sie doch schon sehr oft gemacht.
Da haben Sie recht. Erzählen Sie ruhig weiter, bevor ich es machen muss.

 

Ich wollte nur noch einmal auf das Alleinsein kommen, und dass Sie viel gelesen haben. Hat Sie das so stark geprägt, dass Sie einen Beruf gewählt haben, bei dem Sprache so wichtig ist?
Wäre ich ein richtig guter Schriftsteller, könnte man sagen, dass das vom vielen Lesen kommt. Bei mir als Kabarettisten spielt die Sprache gar nicht so eine Rolle. Es geht um eine emotionale Grundhaltung, oder um Menschen und ihre Charaktere, die im Mittelpunkt stehen. Wenn ich beginne, ein Drehbuch oder Kabarett zu schreiben, ist das eine hässliche Sprache. Da bin ich froh, dass das außer mir niemand liest. Bei Drehbüchern bemühe ich mich mehr um Stil, aber das Ergebnis ist recht bescheiden.

 

Wie oft überarbeiten Sie Drehbücher?
Bei Romanen von Wolf Haas komme ich regelmäßig auf zehn Fassungen. Dazwischen vergeht Zeit, damit ich Distanz bekomme und später mit klarem Blick drübergehen kann. Ich dampfe Drehbücher von Fassung zu Fassung ein. Szenen sollen ohne viele Worte klar werden. Der Grund dafür ist vielleicht, dass ich genau das nicht kann, was ein guter Schriftsteller kann: mit Sprache etwas beschreiben. Sonst wäre ich sicher Romanautor, das wäre ein Traumberuf.

 

Ab März 2015 werden Sie wieder als Privatdetektiv Brenner in der Wolf-Haas-Verfilmung „Das ewige Leben“ zu sehen sein. Ist der Brenner Ihre Lieblingsrolle?
Ich spiele so wenig, dass ich kaum von Lieblingsrollen reden kann. Ich bin ja kein richtiger Schauspieler, der von Rollen lebt. Ich hatte beim Einstieg in die Filmbranche einfach Glück. Der Fredi Dorfer und ich waren Kabarettisten und sind mit „Indien“ aufgetreten. Plötzlich hat Regisseur Paul Harather gesagt: „Wir verfilmen das.“ Nach dem Film waren wir auf einmal Drehbuchautoren und Schauspieler, ohne dass wir es jemals gelernt haben. So ein Glück haben nur wenige, obwohl sie Talent hätten.

 

Sie sind einer der wenigen österreichischen Kabarettisten, der auch in Deutschland bekannt ist. Ihr Programm „Hader spielt Hader“ spielen Sie seit 1997.  So viel Erfolg kann nicht nur Glück sein.
Mein Programm hält sich deshalb so lange, weil ich im gesamten deutschsprachigen Raum spiele. Der Preis ist viel Lebenszeit, die ich auf deutschen Autobahnen liegen gelassen habe, weil ich so viel herumgetingelt bin. Wenn ich zwei Mal pro Jahr nach Linz komme, sammelt sich das Publikum. Wäre ich öfter da, würde sich das Interesse schneller legen. So einfach ist das.

Foto: KURIER/Juerg Christandl

 


Foto: KURIER/Juerg Christandl

 


Foto: KURIER/Juerg Christandl

 

Haben Sie nicht trotzdem Lust auf ein neues Programm?
Das schon. Ich kann aber meine Schreibpause, die ich immer von Mai bis September habe, grad nicht fürs Kabarett nutzen. Es kommen dauernd Filmprojekte dazwischen, die aber noch nicht spruchreif sind.

 

Ist der Kabarettist Josef Hader ein Auslaufmodell?
Sicher nicht. Ich weiß, dass ich das Kabarett nie aufgeben werde. Die Selbstbestimmung ist eine ganz andere. Wenn ich einen Kabarett-Text schreibe, weiß ich, dass er auf die Bühne kommt. Das kann keiner verhindern, außer ich sterbe davor. Das ist eine große Unabhängigkeit. Beim Film muss man immer darauf warten, was einem angeboten wird oder dass jemand ein Projekt finanziert.

 

Im Programm „Privat“ haben Sie einmal ein Gespräch mit einem, pardon, Scheißhaufen geführt ...
Nein, nein, es waren Scheißtrümmerl. Scheißhaufen ist mir zu ordinär, Trümmerl hat dagegen was Zärtliches.

 

Da ist was Wahres dran. Wie kommt man auf  so skurrile Szenarien?
Das war  eine literarische Vorlage. Satire hat einst so begonnen, wie Jonathan Swift geschrieben hat. Kritik  offen zu üben war damals wegen der Zensur schwierig. Deswegen haben Satire-Autoren fantastische Geschichten erfunden. In „Gullivers Reisen“ ist es  so, dass Gulliver den Brand vom Königspalast löscht, indem er einfach draufschifft. So hat man Respektlosigkeit durch Tabubrüche gezeigt.

 

Kennen Sie ein Beispiel für Satire, die zum Skandal geführt hat?
Swift hat im 18. Jahrhundert einen satirischen Aufsatz überdie Hungersnot in Irland veröffentlicht und vorgeschlagen, die vielen Waisenkinder, die allen  zur Last fallen, aufzuessen. Dann hat er beschrieben wie man sie am besten zubereitet.  Der große Peter O’Toole  hat den Text 1984 bei einer Theater-Wiedereröffnung vorgelesen, worauf ein Drittel des Publikums empört den Saal verlassen hat. Sie fanden das geschmacklos. Nach 300 Jahren!  Tabubrüche sind Stilmittel, um an gewissen Fundamenten zu rütteln. Ein bissl Geschmacklosigkeit ist auch wichtig, um nicht zu viel Applaus von einer Seite zu erhalten, die man gar nicht haben will.

 

Gehen Sie eigentlich ins Kabarett, wenn Sie lachen wollen?
Zu Premieren weniger. Das finde ich anstrengend, egal ob Film oder Kabarett. Bei einigen Kollegen schaue ich aber manchmal vorbei. Wenn ich unterwegs bin, spiele ich an vier Tagen pro Woche. Da mag ich an meinem freien Tag nicht auch noch weggehen. Ich bin kein großer Gesellschaftslöwe, was sich herumgesprochen haben dürfte. Nachdem ich Einladungen nie beantworte, kriege ich in der Zwischenzeit auch nur noch wenige.

 

Haben Sie auf Tour Gesellschaft, obwohl Sie gerne alleine sind?
Mein Techniker Gerhard Pimperl, der auch im Kabarett mitspielt, begleitet mich. Wir sind ein bissl wie ein Komiker-Duo. Sonst wäre es nicht auszuhalten. In den ersten Jahren bin ich mit einem Akkordeon und einem Koffer quer durch Österreich gefahren. Das geht nicht ewig. Irgendwann würde man depressiv werden – oder Alkoholiker. Oder beides.

 

Sie haben zwei Söhne. Wären Sie erfreut, wenn einer Kabarettist werden würde?

Ich bin wie mein Vater. Er hat mir geraten, nie Bauer zu werden wie er, und er hatte ziemlich recht damit. Deshalb trete ich auch dafür ein, dass meine Kinder meinen Beruf nicht ergreifen. Obwohl es auch immer die andere Seite gibt. Mein Bruder ist nämlich Bauer geworden – ein erstklassiger noch dazu.

Der Dauer-Brenner

"Heute darf ich machen, woran ich glaube. Aber ich kann mir auch vorstellen, irgendwann ohne Haustiere glücklich zu sein, weil ich mir selbst genüge."

Josef Hader, 52, wächst auf einem Bauernhof im Waldviertel auf. Erste kabarettistische Versuche absolviert er im Stiftsygymnasium Melk, wo er zur Schule geht. Nach der Matura tritt er ab 1982 mit seinem ersten Kabarettprogramm „Fort geschritten“ in Gaststätten und der Wiener Fußgängerzone auf. Der Durchbruch bahnt sich 1991 an, als er mit Alfred Dorfer das Theaterstück „Indien“ auf die Bühne bringt. Es wird 1993 verfilmt und zum Riesenerfolg. Das ist auch Haders Einstieg in die Schauspielerei. Ab 5. März 2015 wird er wieder als Privatdetektiv Brenner im Kino zu sehen sein. Für die Wolf Haas’ Roman-Verfilmungen schreibt er auch die Drehbücher.

 

Ab sofort ist der Tausendsassa mit „Hader spielt Hader“ auf Tour. Nächste Termine: 30. 9. Schutzhaus Zukunft Wien, 2. 10. Stadtsaal Steyr und 3. 10. Congress Saalfelden.

Karten-Info und Tour-Daten  für „Hader spielt Hader“: www.hader.at

Foto: KURIER/Juerg Christandl

 

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