Anna Netrebko bis Tiger King: (Fast) 30 Kulturtipps für den Lockdown

Georg Leyrer

von Georg Leyrer

Museen zu, Bühnen zu, Lockdown da: Die Kultur kommt also wieder aus den Lautsprechern und dem Computer. Ein Wegweiser der Kulturredaktion.

Vor wenigen Wochen noch dachte man: Bevor ich mir noch eine gestreamte Theateraufführung anschaue, zähle ich lieber die Staubbälle unter dem Sofa. Nun ja: Es ist wieder soweit. Die Kultur muss sich erneut auf elektronischem Wege ihr Publikum suchen.

Der KURIER bietet daher für die kommenden Tage Hörens- und Sehenswertes für gepflegte (oder auch zornige) Kulturstunden Zuhause.

Und das gibt es ja derzeit zuhauf – von Adele bis Anna Netrebko, vom Checker Tobi zum Tiger King. Hier unsere Tipps aus Klassik, Pop, Streaming, Fernsehen, Buch und Podcast.

Acht Klassik-Alben für einsame Stunden

Anna Netrebko, „Amata dalle tenebre“
Es ist ein programmatisch teils absurdes, aber dennoch   wunderbares Album, das Anna Netrebko  hier zusammengestellt hat. Ihre „Lieblingslieder“  aus dem Bereich der Oper umfassen ein Spektrum von Henry Purcell („Dido und Aeneas“, nicht ihr Metier) über Verdi  („Don Carlo“, total ihr Metier), Puccini („Manon Lescaut“, auch ihr Metier), Cilea („Adriana Lecouvreur“, eine bessere Diva gibt es nicht) bis zu Richard Strauss („Es gibt ein Reich“ aus der „Ariadne auf Naxos“) und Richard Wagner („Dich, teure Halle“ aus „Tannhäuser“) – Balsam für die Ohren und auch ein Ausblick auf zukünftige Rollen.

©Universal Music Group

Cecilia Bartoli, „Unreleased“

Ein Lockdown-Album für den nächsten Lockdown. Cecilia Bartoli hat während der  letzten Pandemie-Zeit in ihr Archiv geschaut und einige bis dato unveröffentlichte Arien gefunden.  Mozart, Beethoven, Haydn und Josef Myslivecek – diese grandiose Mezzosopranistin zeigte sich (und zeigt sich) auf der Höhe ihrer Kunst.  Da ist ein Feuerwerk an Koloraturen zu hören, gepaart mit Ausdruck und Intensität.  Und man will nach dem Anhören der CD diese Künstlerin – wie auch alle anderen –  ganz dringend wieder live erleben dürfen.

©Universal Music Group

Christian Thielemann, „Bruckner Nr. 4“

Was für ein Zyklus, teils entstanden in Zeiten des vorherigen Lockdowns! Alle  neun Symphonien (inklusive der sogenannten „Nullten“) von Anton Bruckner  haben  die Wiener Philharmoniker mit Christian Thielemann  eingespielt, und spielen sie teilweise  noch ein.  Etwa die vierte Symphonie, die „Romantische“, für die es keinen  geeigneteren  Dirigenten gibt. So traumhaft schön,  so unfassbar verklärt klingen wirklich nur Salzburger Festspieldokumente. Und wer bei den noch nicht veröffentlichten Aufnahmen anderer Symphonien  im Wiener Musikverein dabei sein durfte, weiß, welche  kulturellen  Schätze da noch kommen.

Rameau: „Platée“

Eine wundervolle Erinnerung an Zeiten, in denen die Theater  vor Publikum spielen durften. Mit Jean-Philippe Rameaus  „Platée“ gelang dem Theater an der Wien ein Sensationserfolg. Szenisch (Robert Carsen)  wie auch musikalisch. Das Label Harmonia Mundi hat dieses Ereignis dokumentiert. Und wer jemals eine Aufführung vor Ort gesehen hat, muss jetzt beim Nachhören noch lachen über diesen vokalen und  melodischen Witz, den William Christie und „seine“ Les Arts Florissants“  da hinzaubern. Und mit dem phänomenalen Countertenor Matcel Beekman in der Titelpartie der ehrgeizigen, düpierten, titelgebenden Nymphe kommen auch die Bilder in den Kopf zurück.  Großes Kino!

Richard Wagner: „Siegfried“

Aus der Deutschen Oper am Rhein: Wagners „Siegfried“ (es gibt auch den gesamten „Ring“) als Neuerscheinung, die vor allem dank Dirigent Axel Kober und den fabelhaften Duisburger Symphonikern aufhorchen lässt. Die Besetzung ist sehr gut, und Wagner geht in schwierigen Zeiten bekanntlich immer. Wer will, kann  sich ja auch den Solti-„Ring“ mit einer Jahrhundertbesetzung aus den Wiener Sofiensälen auflegen. Beides lohnt sehr.

Alan J. Lerner/Frederick Loewe: „Brigadoon“

Einer der größten  Musicalhits aus der Wiener Volksoper.  Ben Connor, Rebecca Nelsen, Jessica Aszodi, Juliette Khalil, Dirigent Lorenz C. Aichner und viele andere bringen den Broadway ins Wohnzimmer.  Oder wie der Autor dieser Zeilen anlässlich der Premiere schrieb: Dieses „Brigadoon“ lädt zum Träumen ein. Auch im neuen Lockdown.  Das ist musikalischer  Zauber pur.

Franz Welser-Möst: „Schnittke, Prokofjew“

Die neue Aufnahme des Cleveland Orchestra unter Musikdirektor Franz Welser-Möst bietet das „Konzert für Klavier und Streicher“ von Alfred Schnittke  mit dem fabelhaften  Solisten Yefim Bronfman sowie die zweite Symphonie von Sergej Prokofjew.  Ist zwar nicht allzu fröhlich, aber unfassbar  gut.

Andris Nelsons: „Sofia Gubaidulina“

Eine der Gigantinnen der zeitgenössischen Musik, perfekt gewürdigt von Dirigent Andris Nelsons und dem Gewandhausorchester Leipzig.  Die 90-jährige Sofia Gubaidulina wird in drei Werken porträtiert. Solist ist der Geiger Vadim Repin.  Das ist absolut hörenswert.

Maria Callas: Alles

Und da ein Lockdown immer etwas Depressives hat, gibt es nur ein Mittel. Alle Aufnahmen der Primadonna assoluta, Maria Callas, aus dem CD-Regal nehmen und eine Reise in und durch die Operngeschichte antreten.  Das ist Emotion pur, spendet Trost  und geht nicht besser.

Die Alben der Stunde aus dem Pop

Damon Albarn: „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“

Der Brit-Pop-Star,  der mit Blur und den Gorillaz berühmt wurde,  hat neben Platten mit diesen Pop-Bands immer auch ungewöhnliche Projekte wie eine  Oper   mit Instrumenten  aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hervorgebracht. Hier verbindet er beide Enden  seines Schaffensspektrums und lässt  den Hörer  durch eine  verträumte, exotische Klangwelt gleiten, die   – beeinflusst durch den Tod seines Freundes, des Drummers Tony Allen –  an vielen Stellen Melancholie transportiert. Dazwischen gibt es Songs, die leicht und verspielt oder hysterisch und rebellisch sind. Immer aber liegen markante Melodien über   einer spannenden  Fusion aus traditionellen Instrumenten und zu sphärischen Klangflächen verwobenen  Geräuschen.

©REUTERS/DYLAN MARTINEZ

Silk Sonic (Anderson .Paak und Bruno Mars): „An Evening With Silk Sonic“

Als „Schummelpartie“ bezeichnet R&B-Sänger, Rapper und Drummer Anderson .Paak  dieses Album. Denn  er hat es mit Bruno Mars  aufgenommen. Und wenn  man mit Mars und dessen Band an seiner Seite  musiziert, sagt Paak, kann ein Album nur exzellent werden. Tatsächlich liefern die beiden damit den idealen Sound für die dunklen Lockdown-Tage: Eine ungeniert nostalgische Hommage an  den Soul und Funk der 70er-Jahre, die  soviel Lebensfreude ausstrahlt, dass auch der schlimmste Corona-Blues dahinschmilzt.

Adele: „30“
Ähnlich  funktionieren auch einige Songs von Adeles neuem Album. Denn dabei hat die Power-Balladen-Königin auch ein paar andere Register gezogen und  – obwohl sie damit ihre Scheidung verarbeitet – auch viele soulige und jazzige Elemente eingebaut. Mit  Songs wie „Oh My God“  und „Can I Get It“ lädt Adele sogar auf die Tanzfläche.

Robert Plant & Alison Krauss: „Raise The Roof“

Schon 2007 haben die beiden ein Album mit Coverversionen von  Folk-Songs herausgebracht.   Auf diesem Nachfolger haben Plant und Krauss die Palette der Lieder von   den Everly Brothers bis  zu Calexico gespannt und zeigen, dass es nicht mehr als gute Melodien, schlichte Instrumentierung und einfühlsamen Gesang braucht, um berühren zu können.
Brigitte Schokarth

 

Schöner streamen mit dem Tiger King und Vampiren im Lockdown

„What We Do In The Shadows“ (Disney+)

Daheim bleiben nervt?  Immerhin müssen Sie nicht mit Vampiren zusammen wohnen. Nach der Mockumentary „What We Do In The Shadows“ (2014) hat Regisseur Taika Waititi gleich eine ganze Serie rund um eine schrullige Blutsauger-WG gemacht.  Die ersten beiden Staffeln der herrlich bescheuerten Comedy sind seit Kurzem bei Disney+ abrufbar.  Unter den Mitbewohnern ist  übrigens auch ein besonders fieses Exemplar – ein Energievampir. Sein Jagdgebiet: das Großraumbüro, wo er seinen Kollegen mit langweiligen Geschichten und nervtötenden Geräuschen das letzte Fünkchen Kraft raubt. Davor ist man im Homeoffice wenigstens sicher.  
 
„The White Lotus“ (Sky)

Urlaub auf einer paradiesischen Insel, im Liegestuhl chillen und Cocktails schlürfen – das klingt verlockend. In der großartigen Satire „The White Lotus“ (Sky) wird  die vermeintliche Idylle  für eine Gruppe schnöseliger US-Touristen jedoch zur Belastungsprobe. Während man den Konflikten im Luxusresort beim Eskalieren zusieht, kann man übrigens auch auf der eigenen Couch genüsslich einen Cocktail trinken .
 
 

©HBO

„Arcane“ (Netflix)

Wer sich am liebsten in eine Fantasiewelt flüchten möchte, ist bei „Arcane“ (zu sehen bei Netflix) gut aufgehoben. Die Animationsserie beruht auf dem Onlinespiel „League of Legends“, ist aber auch für all jene, die die Vorlage nicht kennen, verständlich. Im Zentrum steht der Streit zwischen zwei Städten, dem reichen Piltower und dem von  Kriminalität geplagten Zaun. Die Story ist nach bekannten Mustern gestrickt, aber das mit Liebe zum Detail dargestellte Steampunk-Universum hat einen unverkennbaren Charme.
 
„Tiger King“ (Netflix)

Die Doku-Serie rund um die exzentrischen Großkatzen-Besitzer Joe Exotic, Carole Baskin & Co hat uns schon gut durch den ersten Lockdown gebracht – denn diese Geschichte ist sogar noch unglaublicher als die Tatsache, dass wir wegen eines Virus zu Hause sitzen müssen. Nun gibt es pünktlich zum nächsten Lockdown Nachschub bei Netflix. Die neuen Folgen sind leider nicht mehr so fesselnd wie die ersten, an Skurrilität mangelt es ihnen aber nicht.
 

Was der Fernsehapparat die nächsten Tage zu bieten hat

Bjarne-Mädel-Festspiele (3sat)

Seit dem  „Tatortreiniger“ (zu streamen bei Netflix, Sky und Amazon) wissen wir: Bjarne Mädel ist Meister des schrägen Humors. Er kann aber auch Ernst – wie in dem berührenden Sozialdrama „Geliefert“ (heute, Dienstag, 20.15 Uhr, 3sat), in dem er einen Paketboten spielt. Direkt danach (21.45 Uhr) ist der deutsche Schauspieler im ROMY-prämierten Krimi „Sörensen hat Angst“ zu sehen, der zunächst zum Schmunzeln verleitet, aber einen düsteren Kern hat.

„Dancing Stars“ (ORF)

Die Tanzshow nähert sich dem Ende: Am Freitag (20.15 Uhr, ORF2) geht das Finale der „Dancing Stars“ über die Bühne. Antreten dürfen dieses Mal sogar vier Paare – im Semifinale musste wegen allgemeinem Lockdown-Trübsal niemand ausscheiden und es gab sogar einen Heiratsantrag.  Wird das im Finale getoppt werden? Und werden vielleicht sogar alle vier Paare gewinnen? Vermutlich nicht. Aber sicherheitshalber könnte man doch einschalten und nachschauen.

„Geh aufs Ganze!“ (Sat.1)

„Wetten, dass..?“ feierte vor Kurzem sein Comeback, ProSieben reaktivierte „TV total“ (immer mittwochs, 20.15 Uhr) und nun ist auch die Gameshow „Geh aufs Ganze!“  wiederauferstanden. In der Neuauflage treten Kandidaten gegen den Moderator des Originals, Jörg Draeger, an und spielen um Geld- oder Sachpreise. Wer verliert, geht mit Stoffratte  „Zonk“ nach Hause. Ob das Format 18 Jahre nach seiner letzten Ausstrahlung noch funktioniert, kann am Freitag (20.15 Uhr) auf Sat.1 überprüft werden.

„Tatort“ (ORF/ARD)

Aus österreichischer Sicht ist nicht nur der Wiener „Tatort“ spannend: In Norddeutschland ermittelt  Franziska Weisz, seit Kurzem ist Stefanie Reinsperger Teil des Dortmunder Teams. Dieses ist am Sonntag (20.15 Uhr,  ORF2/ARD) wieder im Einsatz: Polizeihauptmeister Nicolas Schlüter wird beim Joggen von einem Auto überfahren. Er stand vor einer Beförderung – was die Ermittlungen in die eigenen Reihen führt. Wer schon vor dem Wochenende große „Tatort“-Sehnsucht verspürt: Der BR wiederholt heute (20.15 Uhr) den Fall „Schock“ aus dem Jahr 2016 mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser. 

©ORF/WDR/Zeitsprung pictures/Thomas Kost

Podcasts für Checker und Historiker

The Rest is History

Die  britischen Historiker  Tom Holland und Dominic Sandbrook führen einen weiteren Beweis, dass sich die angelsächsische Wissenschaft einfach besser anhört: Bestsellerautor Holland und der in Oxford und Cambridge (auch rhetorisch) ausgebildete Sandbrook gehen mit ihren Hörerinnen und Hörern auf eine Tour d’Horizon zu historischen Ereignissen. Das ist von trockenem Humor geprägt, in schönstem Englisch vorgetragen und auch für Nichthistoriker interessant. Allein die Intros sind die Hörzeit wert. Die jüngste Folge zu Alexander dem Großen führt  vor Augen, was historische „Größe“ tatsächlich bedeuten kann und ruft in Erinnerung, wie schnell sich die Verhältnisse wandeln können. (Zum Anhören auf Spotify)

CheckPod – Checker Tobi zum Hören
Der Held der derzeitigen Volksschulgeneration: „Checker Tobi“ Tobi Krell (Bild), der auf ARD seine Wissenschaftssendung für Kinder betreibt, ist auch regelmäßig im Hörformat erhältlich. Der thematische Bogen reicht von „Kitzligen Tieren“ bis zu Halloween. Die etwa halbstündigen Folgen werden vom BR produziert. Wer den Nachwuchs für kurze Zeit hochwertig und pädagogisch wertvoll bespaßen will, ist hier sehr gut aufgehoben. „Checker Tobi“ ist in der Zielgruppe der Volksschulkinder  ein echter Promi, insofern fällt das Angebot auf fruchtbaren Boden. (Zum Anhören auf Spotify)

©Kika

GEOlino Spezial

Auch die Zeitschrift Geo hat eine Kinderschiene entwickelt. „GEOlino Spezial“ heißt die Podcast-Variante davon. Sie dreht sich  ähnlich wie „Checker Tobi“  um kindgerechte Wissensvermittlung auf wissenschaftliche  Bereiche von Schwerkraft bis Mammut, moderiert von Yvi Haase. Äußerst kompetent und lehrreich. (Zum Anhören auf Spotify)

Dunkle Spuren

Der True-Crime-Podcast des KURIER präsentiert  Folge 20. Der Titel lautet: „Lauf ums Leben – der Fall Aeryn Gillern“. Im Jahr 2007 verschwindet ein junger Mann mitten in der Wiener City. Er läuft panisch und splitternackt aus einer Männersauna, rennt durch die schmalen Gassen der Innenstadt in Richtung Donaukanal, bevor er verschwindet. Seither will ihn niemand mehr gesehen haben.  
Bei diesem Cold Case rund um den US-Amerikaner Aeryn Gillern handelt es sich um einen der rätselhaftesten Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte. Reporterin Yvonne Widler ist den Spuren nachgegangen. Ein Besuch bei der Feuerwehr sowie eine neue Information lassen den Tag des Verschwindens nun in anderem Licht erscheinen. (Zum Anhören auf Spotify)
 

Lieber lesen im Lockdown

Dagmar Truxa: „Energie – Präsenz – Charisma in 52 Wochen!“

Und jetzt setzen wir uns in eine Ecke, schließen die Augen und loben uns eine Minute lang selbst. Das ist hawaiianischer Schamanismus und tut gut. Schauspielerin Dagmar Truxa lehrt Sehen, Hören, Fühlen ... und wie man schlechte Energie – nach Begegnung mit unangenehmen Menschen – in gute verwandelt. WIR sind unser Guru. Interessante Überlebensstrategien. (MyMorawa Verlag. 162 Seiten. 26,95 Euro)

Marc Elsberg: „Blackout – Morgen ist es zu spät“

Der Weltbestseller des Wieners Rafelsberger, der sich Marc Elsberg nennt:  In Europa geht nach einem Angriff auf die Stromnetze das Licht aus. Sein realistischer 800 Seiten-Thriller aus 2012 macht ihn  zum Experten. Die TV-Serie läuft zurzeit auf Joyn Plus+. Für die „Premiumausgabe“ hat Elsberg eine kurze Fortsetzung über einen „Blackout“-Profiteur geschrieben. (Premiumausgabe. Blanvalet Verlag. 896 Seiten. 25,70 Euro)

Joji Hattori und Alois Traint:  „The Art of Shiki“

Nur auf dem WC ist klassische Musik zu hören, und zwar CDs vom Besitzer des Restaurants „Shiki“ in Wien, Joji Hattori. Er ist Musiker, Dirigent, und weil ihm das zu europäisch war, widmet er sich als Ausgleich dem japanischen Essen. Das ist das Kochbuch des „Shiki“.  Haubenkoch Traint zeigt, wie man Sashimi, Sushi, Mochis, Lotuschips ... zubereitet. Da spielt bereits die Musik (Pichler Verlag. 208 Seiten. 40 Euro)

Olaf Salié: „Chanson“

Sie sind kleine Lektionen über das Leben – manche mehr oder weniger oder gar nicht schmalzig: Chansons. Der Autor, der schon als Kind die Piaf hörte und nicht Madonna, möchte mit seiner Liebe anstecken. Das Buch mit dem großen Fotoschatz ist ein Treffen mit Trenet, Chevalier, Aznavour, Barbara,  Ferré, Brel ... und mit der Leidenschaft, Melancholie und Lebensfreude. (Prestel Verlag. 240 Seiten. (Zwei Kilo) 51,40 Euro)

Georges Desrues und Erich Bernard:  „Triest für Fortgeschrittene“

Wenn man das so sagen kann: So tief  in Triest war man noch nie. Spaziergänge führen in die Ruinen des Alten Hafen, ins nach Geschlecht geteiltem Strandbad (wo es für Frauen einfacher ist, Bier zu holen – Männer müssen auf die Straße), rund um die Sacchetta, nach San Vito ... Ist sogar Vergnügen, die Stadt zu entdecken, wenn man – sagen wir ... in Maria Anzbach versumpert. (Styria Verlag. 192 Seiten. 28 Euro)

Sabrina Schmatz: „München 1945“

Mit Tusche ist sie nicht so gut. Sagt sie. Mit Tusche bestehe die Gefahr, die Dynamik zu töten. Aber mit Bleistift erzählt die Münchnerin Sabrina Schmatz  beeindruckend: München wird 1945 befreit, trotzdem ist der Hass auf die US-Soldaten groß, trotzdem kommen eine deutsche Krankenschwester und ein US-Sanitäter einander näher. Der abschließende Band zwei folgt 2022. (Erster von zwei Bänden. Carlsen Verlag. 184 Seiten. 24,95 Euro)

Texte von Georg Leyrer, Peter Jarolin, Brigitte Schokarth, Nina Oberbucher, Philipp Wilhelmer, Peter Pisa

Georg Leyrer

Über Georg Leyrer

Seit 2015 Ressortleiter Kultur und Medien, seit 2010 beim KURIER, seit 2001 Kulturjournalist. Zuständig für alles, nichts und die Themen dazwischen: von Kunst über Musik bis hin zur Kulturpolitik. Motto: Das Interessanteste an Kultur ist, wie sie sich verändert.

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