Keine Kohlenhydrate, kein Kaffee: Ein Selbstversuch mit Low-Carb

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Wie es sich anfühlt, wenn man drei Tage auf Brot, Nudeln und auch Koffein verzichten will. Und wie es geendet hat.

Du fühlst dich toll und munter. Ohne Kohlenhydrate, viel Gemüse, kein Kaffee, kein Schwarztee. Heilsversprechungen wie diese geistern zu tausenden durch das Internet und durch Lifestyle-Magazine. Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis sind demnach das pure Gift. Es ist geradezu zum Schämen, was man in mittlerweile 36 Herbsten seinem Körper so angetan hat. Geradezu den Organismus vernichtet!

Heilung verspricht  Low-Carb. Nicht das Zauberwort der Stunde, sondern der vergangenen Jahre. Kohlenhydrate weglassen. Und tada! Schon soll alles toll sein. Die Menschen sollen gar nicht mehr wissen, wohin mit ihrer ganzen Vitalität. Heißt es.

„Wollen wir das nicht mal ausprobieren? Ein paar Tage keine Kohlenhydrate?“, schlägt die Dame des Herzens vor. „Und auch kein Koffein und kein Schwarztee“, packt sie in ihrer Euphorie obendrauf. Drei Tage Diät gibt sie aus. Dann soll man ein neuer Mensch sein, hat sie gelesen.

Schwäche zeigen

Warum eigentlich nicht? Ist mal eine neue Erfahrung. So lang hört sich das auch nicht an. Und wenn es gut tut, ist schon gar nichts verloren. Und überhaupt: Wer nichts riskiert, kommt nicht nach Garsten, sagt man in Oberösterreich. Wer es nicht weiß, Garsten liegt im Bezirk Steyr-Land. Und beherbergt ein Gefängnis für Schwerverbrecher. So viel sei jetzt schon verraten: dort würden die aber niemals Low-Carb servieren. Weil das gäbe einen fürchterlichen Aufstand (wenn die Insassen nicht schon vorher nach der Reihe umfallen würden).

Am Abend: Suppe. Gibt es auch immer wieder mal. Keine große Sache. Aber Gebäck oder Brot dazu fehlen. Pfoah, das werden zache drei Tage.

Um in den Tag Nummer 1 zu starten, heißt es am Vorabend: Frühstück vorbereiten. Smoothie mit Chia-Pudding soll es geben. Dafür eben am Vortag schon Chia-Samen mit Mandelmilch und Honig verrühren. Und quellen lassen.

Guten Morgen! Über Nacht hat sich weißer Glibber gebildet. Das kommt auf einen Obst-Smoothie. Stand in einer Lifestyle-Zeitschrift. Schaut bunt und schön aus. Und hm, ja, eigentlich eh ganz okay. Und so gesund.

Kaffee gibt es nicht, dafür einen Käsefuß-Gesund-Tee. Dieser Tag wird wahrlich hervorragend. Zu Mittag: Ofengemüse. Gibt es immer wieder mal. Keine große Sache. Nach dem Essen ein Kaffee. Das wäre schon sehr toll. Gibt es nicht. Das Nachmittagstief schlägt zu. Noch hat die Diät nicht ihre belebende Wirkung entfaltet. Noch fühlt es sich nicht an, als hätte Low-Carb alles Gift, das sich durch unverantwortliche Ernährung im Köper angesammelt haben soll, verdrängt.

Am Abend: Suppe. Gibt es auch immer wieder mal. Keine große Sache. Aber Gebäck oder Brot dazu fehlen. Pfoah, das werden zache drei Tage.

Eine große Sache ist mittlerweile aber die Müdigkeit, die ganz laut anklopft. Und sie wird von Stunde zu Stunde größer, klopft lauter und lauter. Sie treibt einen früh ins Bett.

Guten Morgen! Erst der zweite Tag. Und eigentlich nervt das schon. Können die drei Tage nicht vorbei sein?

©Getty Images/iStockphoto/sveta_zarzamora/iStockphoto

Zu Mittag gibt es ein Süßkartoffel-Curry. Das soll erlaubt sein. Um das Ganze kommt Mandelmus rein. Auch das ist erlaubt. Dass es fettig ist, ist egal. Wahrscheinlich so ein gesundes Fett. Eh ganz passabel. Aber ein Reis oder ein Naan-Brot dazu hätte sich nicht falsch angefühlt.

Bleierne Müdigkeit

Zumindest ein Kaffee nach dem Essen? Nein, verboten. Was an Kaffee zu wenig ist, wird an Kopfschmerzen immer mehr. Und die bleierne Müdigkeit hängt sich jetzt wirklich an. An gewissenhafte Arbeit ist nicht mehr zu denken. Dann drehen wir heute den Computer früher ab und gehen hinaus in die frische Luft. „Mah, hab ich Schädelweh“, tönt es zur Dame des Herzens. „Ja, ich auch“, sagt sie. „Weißt du was?“, kommt ein Versuch, sich aus der Deckung zu wagen. „Wir pfeifen drauf.“ Kaufen wir Weckerl, ich kann nicht mehr.“ Im Gesicht des Gegenübers ist mehr als nur eine kleine freudige Regung zu erkennen. "Hervorragende Idee."

Wissen Sie was? Das war eines der besten Weckerl des Lebens. Und es war, also ob es mit Aufputschmitteln versetzt war. Das Kopfweh ist dahin, die Müdigkeit auch.

So ein Blödsinn, dieser Low Carb. Hier geht es nur in die Niederungen des Nichtwohlfühlens. Übrigens: das Hirn braucht sogar eine gewisse Menge Kohlenhydrate, weil sonst funktioniert es nicht. Wissenschaftlich bewiesen.

 

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Daniel Voglhuber werkt seit Dezember 2020 für die KURIER Freizeit und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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