Studie zeigt, narzisstische Tendenzen können am Esstisch erkennbar sein

Ob man anhand des Essverhaltens Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erkennt, haben amerikanische Wissenschaftler untersucht.

Der Umgang mit Narzissten ist kein leichter. Oftmals zeigt sich die Persönlichkeitsstörung allerdings erst im Verlauf der Zeit. Für die eigene psychische Gesundheit ist es daher förderlich, Menschen mit narzisstischen Tendenzen zu identifizieren und sich gegebenenfalls vor ihrem Verhalten zu schützen. 

Laut neuesten Untersuchungen kann man diese Tendenzen allerdings schon früher erkennen. Es soll sich bereits am Esstisch zeigen, ob ein Narzisst in der Runde sitzt. Was amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben.

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Die narzisstische Persönlichkeitsstörung – Ein Überblick

Leiden Personen an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, zeigt sich das auf verschiedenen Wegen. So findet sich nicht nur ein tiefgreifendes Muster von Großartigkeit, auch ein durchgehendes Bedürfnis nach Bewunderung und der Mangel an Einfühlungsvermögen gehen damit einher. Menschen mit dieser Störung legen ein übertriebenes Selbstwertgefühl an den Tag. Sie überbetonen und überbewerten ihre eigenen Leistungen sowie Fähigkeiten und nehmen sich auch ohne entsprechende Leistung als überlegen und einzigartig wahr.

Dabei ist ihr Denken nicht selten von Fantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht, Brillanz, Schönheit und vollkommene Liebe beherrscht. Das führt dazu, dass sie der Überzeugung sind, nur von Leuten verstanden zu werden, die ebenfalls besonders sind oder eine hohe Position innehaben, über die sie sich definieren. 

Der übersteigerte Wunsch nach Bewunderung zeigt sich in ihren Verhaltensweisen. Sie sind stets darauf ausgerichtet, Bestätigung und Bewunderung zu erhalten. Auch ein hohes Anspruchsdenken geht damit einher. Sie erwarten, bevorzugt behandelt zu werden. Oftmals zeigt sich dieses Denken auch durch einen Mangel an Sensibilität gegenüber anderen. Narzissten haben Schwierigkeiten, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen, Wünsche zu akzeptieren und Gefühle wahrzunehmen. Sie können Erfolge anderer nur schwer ertragen und unterstellen anderen, neidisch auf sie zu sein. 

Zusammengefasst ist die frühzeitige Identifizierung eines Narzissten der Schlüssel zum Schutz vor schädlichem Verhalten. 

Der Studienablauf

Menschen passen sich in Gesellschaft an ihr Umfeld an. Das sorgt für ein harmonisches Miteinander. So auch bei Ernährungsgewohnheiten. Wer allein isst, isst anders als in einer geselligen Runde mit Freunden. Neueste Forschungsergebnisse deuten nun daraufhin, dass bei Narzissten diese Verhaltensänderungen wesentlich stärker ausgeprägt sind. 

Drei amerikanische Studien, die in Psychology & Marketing veröffentlicht wurden, beleuchten die Entscheidungen von Erwachsenen in Stichprobengruppen, darunter Personen mit narzisstischen Tendenzen, und bringen unterschiedliche Essgewohnheiten mit der Persönlichkeitsstörung in Verbindung. 

Der Fokus lag bei allen drei Studien auf Lebensmitteln, die angeblich gesundheitsfördernde Eigenschaften aufwiesen, jedoch in hohen Dosen schädlich waren. Bevor die Probanden die Lebensmittel sahen, wurden ihnen Fragebögen zum Ausfüllen überreicht, die den Wissenschaftlern einen Hinweis darauf gaben, welche Person narzisstische Tendenzen aufwies. 

Die erste Studie wurde mit 644 Erwachsenen durchgeführt. Ihnen wurde Wein angeboten, der trotz seines hohen Alkoholgehalts auch reich an gesundheitsfördernden Polyphenolen ist. Bei der zweiten Studie wurde den zufällig ausgewählten Probanden Schokolade gereicht, die für ihre antioxidativen Eigenschaften gelobt wird. In der dritten Studie wurden die Teilnehmer einem hypothetischen Szenario unterzogen und gebeten, den Verzehr von Durian, auch als Stinkfrucht bekannt, sowohl im sozialen Umfeld als auch allein zu Hause in Betracht zu ziehen. 

Bevor die Studienteilnehmenden allerdings ihre Antwort gaben, mussten sie eine kurze Zusammenfassung über die gesundheitlichen Vor- und Nachteile der stark riechenden Frucht lesen. 

Die wissenschaftliche Erkenntnisse der Studien

Wie oben bereits ausgeführt, haben Narzissten eine verzerrte Wahrnehmung, die sich auch in ihrem Urteilsvermögen widerspiegelt. Sie verfügen über einen einzigartigen Ansatz zur Abwägung von Vorteilen und Risiken – stets zum eigenen Besten. Auch das Ergebnis der Studie untermalt diese Annahme. So zeigte sich, dass Personen mit narzisstischen Tendenzen ihre Essgewohnheiten in einem sozialen Umfeld drastisch ändern. 

Etwa bei der Studie mit Wein und Schokolade: Personen mit der berüchtigten Persönlichkeitsstörung tendierten dazu, mehr zu konsumieren. Grund dafür ist die Fokussierung auf die vermeintlich gesundheitsfördernden Vorteile der Lebensmittel und das Außerachtlassen des Alkohol- und Zuckergehalts. 

Die Forscher fanden heraus, dass dieses Ergebnis mit dem "Optimism Bias“, der Optimismusverzerrung, zusammenhängt. Ein Narzisst konzentriert sich demnach nur auf die positiven Aspekte und glaubt wahrscheinlich, dass ihm Negatives nichts anhaben kann. Unterstützt wird diese Annahme durch die dritte Studie mit der Durian-Frucht.

Hier stellten die Wissenschaftler fest, dass Teilnehmer mit narzisstischen Tendenzen in einer Gruppe eher dazu neigten, sich auf die gesundheitsbezogenen Nachteile der Frucht zu konzentrieren. Sie entschieden sich dementsprechend dafür, weniger davon zu essen. Isolierte man sie allerdings vom sozialen Umfeld, fokussierten sie sich stärker auf den gesundheitsfördernden Aspekt. 

Über die Studie

Nun sollen die Ergebnisse der drei Studien nicht vermitteln, dass Menschen, die gerne Schokolade essen und Wein trinken, eher dazu neigen, Narzissten zu sein. Vielmehr wurde bei diesen Untersuchungen festgestellt, dass narzisstische Essgewohnheiten nicht über bestimmte Lebensmittel definiert werden, sondern durch die Bereitschaft, die Meinung aufgrund des sozialen Umfelds drastisch zu ändern. 

"Da Narzissten bestrebt sind, sowohl in sozialen Interaktionen ihre beste Selbstdarstellung zu bieten, neigen sie möglicherweise dazu, ihre Antworten bei der Beantwortung von Umfragen aus Gründen des Eindrucksmanagements (um bei anderen besser auszusehen) zu ändern“, heißt es in der veröffentlichten Studie. "Indem sie Antworten geben, die von ihren tatsächlichen Einstellungen, Werten oder Verhaltensweisen abweichen, können sie Studien mit sozialer Erwünschtheit beeinflussen.“ 

So bedarf es weitere Untersuchungen zum Narzissmus, um die Rolle der sozialen Erwünschtheit aufzuschlüsseln und um sicherzustellen, dass die während der Studien beobachteten Auswirkungen tatsächlich auftreten. 

Janet Teplik

Über Janet Teplik

Digital Producer bei freizeit.at. Nach dem Studium der Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte zog die gebürtige Deutsche nach Wien und studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Zuletzt war sie stellvertretende Chefredakteurin bei der MG Mediengruppe.

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