Wie die Anzahl der Geschwister sich auf die mentale Gesundheit auswirkt

Haben Einzelkinder seltener das Risiko psychischer Erkrankungen oder halten viele Geschwister fit? Wie sich die Anzahl von Bruder und Schwester auswirkt, haben Forscher untersucht.

Mit Geschwistern aufzuwachsen ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist man seltener allein, andererseits muss man um jedes Stück Privatsphäre kämpfen. Neueste Forschungen aus den USA und China rücken einen weiteren Punkt ins Licht, warum Geschwister nicht zuträglich sein können.

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"Wir haben herausgefunden, dass, wenn man alle Beweise zusammenzählt, die Auswirkungen von Geschwistern auf die psychische Gesundheit eher negativ als positiv sind“, so Doug Downey, Hauptautor der Studie. Das Forschungsteam aus den USA und China haben im Rahmen der Untersuchung Daten von tausenden Achtklässlern analysiert. Sie bewerteten die psychische Gesundheit der Teenager, um den Einfluss von Geschwistern auf das Wohlbefinden festzustellen.

Keine Kinder oder nur eines

In China berichteten Einzelkinder über die beste psychische Gesundheit. In den Vereinigten Staaten all jene, die entweder gar keins oder nur ein Geschwisterteil hatten. Die schlechteste mentale Gesundheit hatten die amerikanischen Kinder, die mit älteren oder gleichaltrigen Geschwistern aufwachsen. 

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass nicht nur alltägliche Reibereien Grund für das Ergebnis sind, sondern die schlechte psychische Gesundheit auf eine Ressourcenverwässerung zurückzuführen ist. "Wenn man sich die Ressourcen der Eltern wie einen Kuchen vorstellt, bedeutet ein Kind, dass es den ganzen Kuchen bekommt – die ganze Aufmerksamkeit und Ressourcen der Eltern“, erklärt Downey. "Aber wenn man mehr Geschwister hinzufügt, erhält jedes Kind weniger Ressourcen und Aufmerksamkeit von den Eltern, und das kann sich auf seine psychische Gesundheit auswirken.“

Auch Finanzen und Bildung spielen eine Rolle

Die Studie hat außerdem gezeigt, dass Kinder aus Familien mit dem größten sozioökonomischen Vorteil die beste psychische Gesundheit hatten.

Begründet werden könnte es unter anderem durch die Chancenungleichheit, die Kinder aus finanzschwachen Familien vermehrt erleben. Laut Untersuchungen des ifo Instituts und des Vereins Ein Herz für Kinder beeinflussen Einkommen und Bildung der Eltern die Chancen ihrer Kinder. Demnach hat der Nachwuchs von Eltern mit hohem Einkommen deutlich höhere Bildungschancen. 

Bildung scheint dabei allerdings einen höheren Stellenwert zu haben als Finanzen. 75 Prozent der Kinder, deren Eltern beide die Matura haben, besuchten ebenfalls das Gymnasium – ungeachtet des Einkommens. 

Vorteile von Geschwistern

Andere Studien zeichnen allerdings ein anderes Bild vom Zusammenleben mit Geschwistern. So sollen Kinder mit Brüdern und Schwestern bessere soziale Fähigkeiten haben und mit Klassenkameraden sowie im Kindergarten besser zurechtkommen als Einzelkinder. Durchgeführt wurde diese Studie mit 20.000 Kindern. 

Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass Eltern mit mehreren Kindern ein geringeres Scheidungsrisiko haben. Hier gilt "je mehr Geschwister, desto besser“, denn jedes weitere Geschwisterkind – bis zu etwa sieben Jahre – verringert die Scheidungswahrscheinlichkeit um zwei Prozent

"Diese Kombination von Ergebnissen ist nicht leicht zu erklären. Wir müssen noch mehr über die Auswirkungen von Geschwistern lernen“, so Downey abschließend. "Dies ist jetzt besonders wichtig, da die Geburtenraten in den USA und anderen Ländern niedriger sind. Das Verständnis der Folgen eines Aufwachsens mit weniger oder keinen Geschwistern ist ein immer wichtigeres gesellschaftliches Thema.“

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