#30dayworkoutchallenge: Ein Selbstversuch

30 Tage am Stück Sport machen? Um zurück zu alten Formen zu finden ist es psychologisch wichtig, seine Routinen zu stärken.

Alles fing damit an, dass der Lift ausfiel. Hat man sein Büro im 4. Stock, ist das eine Misere. Man merkt, wie fit man ist - oder eben nicht. Die bittere Erkenntnis: Meine Fitness ist miserabel - und das, obwohl ich immer schon sportlich war, meine Fitness-Routinen in den letzten Jahren aber schleifen lassen habe. 

Wie kann ich also meine Fitnessroutine wieder in Gang bringen? Eine kurze Suche im Netz, und schnell stößt man auf den Hashtag #30dayworkoutchallenge. Das Ziel? 30 Tage hintereinander jeden Tag Sport zu machen, um sein Gehirn auf eine Routine einzustellen. Und das scheint sogar wissenschaftlich bewiesen zu sein (aber dazu mehr später).

Gesagt. Getan.

Gegen 7.30 Uhr morgens ist mein Fitness-Studio so gut wie leer: angenehm

©Sandra Keplinger

30 Tage im Schnelldurchlauf

Mein Fitness-Studio ist glücklicherweise nur drei Gehminuten entfernt, was die Sache sehr viel einfacher macht: Kein Schweinehund muss für die Anfahrt besiegt werden, geduscht wird Zuhause. Ich starte mit 40 Minuten Crosstrainer und vertreibe mir die Langeweile mit Youtube.

Tag 2: Spinning, mit mir alleine. Glücklicherweise habe ich noch passende Playlists von früher auf dem Handy. 40 Minuten habe ich mir vorgenommen, und es könnte nicht schlechter laufen: Mein Puls ist hoch, meine Watt-Zahl niedrig und zu allem Überfluss spinnt meine Fitness-Uhr. Ich muss mir zähneknirschend eingestehen: Ich bin komplett aus der Form und habe Mühe, mich auf dem Rad zu halten. Die nächste Spinning-Einheit mache ich frühestens in einer Woche, bis dahin sollten sich die ersten Kondi-Unterschiede für einen einst fitten Menschen bemerkbar machen.

Den Rest der Woche gehe ich abwechslungsreich an: Nach harten Workouts wie Spinning oder Krafttraining folgt ein gemäßigter Tag, z. B. 20 Minuten locker auf dem Crosstrainer. So strapaziere ich meinen ungeübten Körper nicht übermäßig und gönne ihm Regenerationsphasen, ohne mein postivies "Brainwashing" zu unterbrechen.

Nicht immer nur Fitness-Studio: Zwischendurch gibt's auch eine Wanderung

©Screenshot

Schnelle Erfolge

In Woche zwei habe ich mich bereits an die neue Routine gewöhnt. Kurz vor 7.00 Uhr werfe ich mich automatisch ins Traingsgewand und latsche ins Studio. Ist mir einmal nicht danach, werfe ich mich vor Youtube, und lasse mich von der wunderbaren Adriane durch Yoga-Routinen führen. An Erholungstagen sind es nur kurze Sessions wie diese: 

Zählen 11 Minuten Morgenyoga wirklich für meine #30dayworkoutchallenge? Ja, denn man kann und soll nicht ständig hohe Leistung bringen. Auch Adriane sagt: "The most important thing is to show up." Und da bin ich!

In Woche 3 fange ich an, eine richtige Veränderung in meiner Kondition zu bemerken. Das Stiegensteigen in der Arbeit ist um einiges leichter geworden (ja, der Aufzug ist noch immer kaputt). Doch der Zeitaufwand macht mir oft zu schaffen, daher entschließe ich mich, das Fahrrad in die Arbeit zu nehmen. Das sind täglich 40 Minuten in Bewegung und erspart mir den Gang ins Fitness-Studio. Aber da liegt auch die Krux ... 

21 Tage, um eine Gewohnheit zu formen?

Nicht ins Studio zu müssen ist in Woche vier insgeheim mein Ziel geworden - das muss ich mir eingestehen. Ich gehe zwar weiterhin 4 x die Woche, aber von der anfänglichen Begeisterung, jeden Tag ins Studio zu gehen, ist nichts mehr zu spüren. Sollte ich mich nicht mittlerweile an die morgendliche Routine gewöhnt haben ...? Wieso geht es meiner Motivation jetzt schlechter als in Woche 2?

Der herbstliche Aufstieg auf den Plombergstein im Salzkammergut macht mehr Spaß als der Cross-Trainer im Fitness-Studio

©Sandra Keplinger

Man sagt, dass es 21 Tage dauert, um sich etwas an- oder abzugewöhnen. Dabei scheint es sich aber um eine urbane Legende zu handeln. Ich spüre davon noch nichts. Bei der Recherche stoße ich auf eine englische Studie aus dem Jahr 2009, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Von den 96 Probanden gewöhnten sich einige innerhalb von 18 Tagen eine tägliche Routine an, für andere dauerte es allerdings bis zu 254 (!) Tage. Die Aussicht auf 254 Tage ohne Pause demotiviert mich zusehends.

Trotzdem bleibe ich dran. Und nach 32 Tagen (ja, 2 Tage habe ich geschummelt) ist meine #30dayworkoutchallenge beendet. 

Das Fazit der #30dayworkoutchallenge

Ich fühle mich äußerst fit, meine schlechten Knie schmerzen trotzdem täglich - auch wenn ich jeden zweiten Tag sanft trainiert habe. Die Regenerationszeiten fehlen definitiv. Abgenommen habe ich übrigens kein einziges Gramm - was wahrscheinlich daran liegt, dass ich ordentlich an Muskelmasse zugenommen habe. 

Würde ich es nochmal machen? Nein. Zumindest nicht täglich. Vier mal die Woche Sport zu machen sollte definitiv ausreichen, um einen gesunden und fitten Lebensstil aufrecht zu erhalten.

Ich muss aber gestehen: Seit dem neuerlichen Lockdown-Beginn schaffe ich es nicht einmal, mich für diese 4 Einheiten aufzuraffen. Da sieht man wieder, wie wir Menschen ticken: Wir wollen immer das, was wir nicht haben können. Seit das Fitness-Studio zugesperrt hat, vermisse ich es nämlich unheimlich. 

Sandra Keplinger

Über Sandra Keplinger

Digital Producer bei freizeit.at. Die gelernte Fotografin liebt alle Themen rund um Ästhetik. Sie arbeitete als Foto- und Modechefin beim WIENER, schrieb über das Mode-Business in der DIVA und war zuletzt CvD bei Falstaff LIVING.

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