Was uns das Tanzen über uns selbst lehren kann

Conny Kreuter erklärt, wie Tanzen unsere Balance fördert und wie man durch gemeinsames Tanzen lernt, was Vertrauen bedeutet.

Was lernt man durchs Tanzen?

Moderatorin Conny Kreuter zeigt dir in 10 Lessons auf, was uns das Tanzen über uns selbst lehrt. Sie erklärt, wie du in jeder Lebenslage einen guten ersten Eindruck hinterlässt, welche Atemübungen uns die Nervosität nehmen und wie wir unser Selbstbewusstsein aufpolieren. Hier geht's zu Conny Kreuters freizeit Academy.

"Tanzen ist so viel mehr als Bewegung zur Musik", beginnt Conny Kreuter, Moderatorin und Profitänzerin, ihre freizeit.academy. Was bedeutet es, in Balance mit dir selbst zu sein? Wie kann man durch Tanzen lernen, anderen Personen wirklich zu vertrauen? Die Expertin verrät uns, wie wir es schaffen, Grenzen zu überwinden und dorthin zu kommen, wo wir es niemals für möglich gehalten hätten. 

Tore der Seele

"Eines der wichtigsten Dinge, die mich Tanzen gelehrt hat, war es, Blickkontakt zu halten", sagt Kreuter. Wieso fällt das so vielen von uns so schwer? Angst spiele dabei eine wichtige Rolle, klärt die Expertin auf. "Halte ich mit meinem Gegenüber Blickkontakt, ist es weniger die Angst, was ich im anderen sehen könnte, als viel mehr die Sorge, was der andere in mir erkennt." Deshalb sei es unumgänglich, sich regelmäßig mit der Frage zu beschäftigen: Was sind meine Ängste? Woher kommen sie? Trau ich mich, mich so zu zeigen, wie ich bin? "Je mehr ich mich traue, mich selber zu akzeptieren wie ich bin, desto selbstbewusster bin ich und desto leichter fällt es mir dann auch, anderen Menschen in die Augen zu blicken."

Wie gelingt Blickkontakt?

Hast du Probleme damit, anderen länger als ein, zwei Sekunden in die Augen zu schauen? Dann fang damit am besten langsam an: Schau deinem Gegenüber zuerst zwei Sekunden in die Augen, dann zwei Sekunden auf die Nase, zwei Sekunden auf den Mund und abschließend zwei Sekunden auf das ganze Gesicht. Fang danach wieder bei den Augen an und wiederhole das Prozedere. Du wirst sehen, dein Gegenüber wird überrascht sein, wie gut ihr Blickkontakt haltet.

"In Stresssituationen, in denen ich am liebsten den Blick abwenden würde, rufe ich mir außerdem immer wieder in Erinnerung, wer ich bin. Was meine Stärken und Schwächen sind. Und versuche, mich als großes Ganzes zu akzeptieren. Und den Leuten zu kommunizieren "Das bin ich. Mehr kann ich euch nicht geben", betont Kreuter. 

Überrasche dich selbst

Auch Vertrauen sei eine Sache, die sie durchs Tanzen gelernt habe, schildert Kreuter. "Im Wort Vertrauen steckt bereits der Begriff 'trauen'. Vertrauen hat nämlich immer etwas mit Mut zu tun. Dem Mut, die eigenen Grenzen immer wieder aufs Neue auszuloten und zu übertreffen", so Kreuter. Der einzige Weg, aus einer Angst herauszukommen bestehe darin, sich der Situation bewusst zu stellen. Wenn man bei einer Tanzchoreografie etwa Angst vor einer bestimmten Figur hat, sollte man genau diese forcieren. 

"Tanzen lehrt uns vor allem Vertrauen zu entwickeln, in uns selbst und unseren Tanzpartner", sagt Kreuter.

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Lerne, dich fallen zu lassen

Hat man erst einmal Vertrauen zu sich selbst gewonnen, gilt es im nächsten Schritt, auch auf den Partner einzugehen. "Du musst lernen, dich fallen zu lassen. Denn was ist das Schlimmste, das dir passieren kann? Genau, er lässt dich fallen", sagt Kreuter. Aber genau daraus lässt sich dann auch eine wichtige Erkenntnis fürs Leben ableiten. "Auch wenn man vielleicht verletzt ist, das wichtigste ist, dann wieder aufzustehen und weiterzumachen", bringt es die Profitänzerin auf den Punkt. 

Eine wichtige Lernerfahrung sei auch gewesen, Blickkontakt zu halten.

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Wie halte ich den Fokus?

Eine weitere Lernerfahrung: Den Fokus halten. "Bei Drehungen und Hebefiguren habe ich zum Beispiel gelernt, den Fokus zu halten. Mich ganz klar zu entscheiden, da will ich hin, an diesem Punkt will ich wieder landen." Dafür entscheide sich die Profitänzerin für einen fixen Punkt, der ihr Sicherheit gibt - etwa etwas Auffälliges an der Wand, die Augen ihres Partners oder ähnliches.

Durch das Tanzen erfuhr Kreuter auch, wie sie ihre Grenzen ausloten konnte und diese sogar überwinden.

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Grenzen überwinden

Auch das eigene Selbstvertrauen spielt eine wichtige Rolle, wenn es um das Thema Grenzen überwinden geht. "Bei fast jedem Training habe ich mir gedacht, ich schaffe das nicht. Ich habe zehn Jahre zu spät mit dem Tanzen angefangen, wieso sollte mir das gelingen? Ich messe mich mit Menschen, die schon zehn Jahre länger in diesem Business sind, das ist aussichtslos", erzählt die Moderatorin aus ihrer Vergangenheit.

Hör auf deine innere Stimme

Doch dann sei da diese innere Stimme gewesen, die fragte, was wenn doch? Was, wenn du es doch schaffst? Versuch es einfach! "Drei Wochen vor einem meiner wichtigsten Turniere habe ich mich verletzt. Ich war überzeugt, das kann niemals gutgehen. Aber dann habe ich mir ein Herz gefasst und auf meine innere Stimme gehört. Ich habe es versucht. Mit einbandagiertem Bein tanzte ich vor der Jury und gab mein Bestes," schildert Kreuter.

"Wenn du beim Tanzen hinfällst, ist das wichtigste, wieder aufzustehen", rät die Expertin.

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Ohne Tief keine Lernerfahrung

Ihr Fuß sei wegen des enormen Drucks dann zwar angeschwollen und habe extrem geschmerzt, aber Kreuter und ihr Tanzpartner erreichten ihr Ziel: "Wir flogen dann wirklich zu den Weltmeisterschaften nach China", sagt Kreuter. Was sie daraus gelernt hat? Ein tiefes Tal sei notwendig, um zu wachsen. "Man kann nicht wachsen, wenn man vorher nicht gefallen ist."

Stephanie Angerer

Über Stephanie Angerer

Social Media-Redakteurin bei der freizeit. Stephanie Angerer ist 23 Jahre alt und stammt ursprünglich aus Tirol. Nach einer Zwischenstation in der Lokalredaktion bei der Kronenzeitung Salzburg übersiedelte sie nach Wien zur freizeit-Redaktion. Dort ist sie nun seit August für die Social Media Kanäle zuständig und schreibt Texte für freizeit.at.

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