Frau kann nicht schlafen

Laut Studie: Warum blaues Licht vermutlich doch nicht wachhält

Der Blaulichtfilter hat nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen weniger Nutzen als bisher angenommen. Warum Farbe und Helligkeit dabei differenziert betrachtet werden müssen.

Die moderne Welt nutzt uns nicht nur, sie stellt uns auch vor neue Herausforderungen. Diese werden erst nach und nach durch die Wissenschaft aufgegriffen und untersucht. So wie in diesem Fall. 

Diesmal geht es um das blaue Licht, das unter anderem bei Displays, LEDs oder Energiesparlampen verwendet wird. Bislang wurde angenommen, dass die Blaufilter-Funktion, besser bekannt als Nachtmodus, auf den modernen Geräten dabei helfen soll, abends zur Ruhe zu kommen. So gibt es Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass die Einwirkung von blauem Licht die Schlafqualität negativ beeinflusst, in dem die innere Uhr, die unseren Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, gestört wird.

Doch Forscher wollen nun herausgefunden haben, dass nicht die Farbe des Lichts allein Einfluss auf den Schläfrigkeitsgrad hat. Viel mehr soll die Ruhelosigkeit durch einen anderen Faktor bestimmt werden. 

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Was wir über blaues Licht wissen

Blaues Licht stammt nicht aus dem Labor, sondern kommt viel mehr den ganzen Tag über vor. Früher wurde es sogar zur Behandlung von Depressionen benutzt, weil es als natürlicher Stimmungsaufheller gilt. Am Abend, vor dem Schlafengehen, soll dieses Licht allerdings zum Problem werden. Grund dafür ist die Lichtabhängigkeit des menschlichen Körpers. Geht die Sonne unter, schüttet dieser das Hormon Melatonin aus und wir schlafen ein. 

Allerdings steht das blaue Licht des Displays unter Verdacht, dem Körper falsche Signale zu geben – nämlich, dass er noch wach bleiben muss. 

Ainsley Hawthorn ist Expertin für sensorische Studien in Neufundland. In ihrem Artikel auf psychologytoday.com hat sie sich mit den Studienergebnissen zum Thema "blaues Licht“ beschäftigt. Sie verweist auf eine neue Studie der Universität Basel und der Technischen Universität München. Diese hat gezeigt, dass die Farbe des Lichts möglicherweise keinen so großen Einfluss auf den Schlaf hat, wie bislang angenommen.

Der Einfluss der Lichtfarbe

Im menschlichen Augen sind drei Arten von Zellen (Photorezeptoren) vertreten, die Licht erkennen: Stäbchen, Zapfen und Ganglienzellen. Stäbchen und Zapfen tragen zum Sehvermögen bei, indem sie Licht in elektronische Impulse verwandeln, die ins Gehirn weitergeleitet werden. 

Zapfenzellen werden bei hellem Licht aktiviert. Sie reagieren auf unterschiedliche Lichtwellenlängen: kurz, mittel oder lang. Das menschliche Gehirn wandelt diese Signale schlussendlich um. Kurzwellige Zapfe werden so in die Farbe Blau, mittelwellige Zapfen in Grün und langwellige Zapfen Rot umgewandelt. 

Stäbchenzellen hingegen werden erst bei schlechten Lichtverhältnissen aktiviert. Sie reagieren nicht auf unterschiedliche Lichtwellenlängen, sodass das Gehirn diese Signale in Grautöne übersetzt. Darum ist es nicht möglich, bei schwachem Licht Farben zu erkennen.

Die Ganglienzellen wiederum liefern dem Gehirn Informationen über die Lichtintensität und spielen somit bei der visuellen Wahrnehmung keine Rolle. Sie helfen dabei, die Pupillenerweiterung an die Umgebungslichtverhältnisse anzupassen und synchronisieren zudem den Tagesrhythmus, indem sie dem Gehirn anzeigen, wann es Tag ist. Doch sie erkennen nicht nur das Licht, sondern erhalten auch Informationen von den Zapfenzellen. "Was bedeutet, dass sie von der wahrgenommenen Lichtfarbe beeinflusst werden können", erklärt Hawthorn.

Schläfrigkeit und Schlafqualität im Test

Um nun die Auswirkung von blauen Licht auf die Schlafqualität zu testen, haben die Forschenden 16 gesunde Probanden eine Stunde lang vor dem Schlafengehen drei verschiedenen Lichtbedingungen ausgesetzt: blau getönt, gelb getönt und weißes Licht als Kontrolle. Die wurden Lichter so entworfen, dass sie sowohl die verschiedenen Zapfen- als auch die Ganglienzellen gleichermaßen stimulierten. 

Um diese physiologischen Bedingungen zu erreichen, manipulierten die Wissenschaftler die Intensität jedes Lichttons. "Lichtempfindliche Ganglienzellen reagieren am stärksten auf kurzwelliges Licht. Um die Reaktionen der Zellen auszugleichen, war das gelb getönte Licht heller (123,5 Lux, ähnlich dem durchschnittlichen Familienzimmer) und das blau getönte Licht dunkler (67,0 Lux, so etwas wie Schlafzimmer-Stimmungsbeleuchtung)“, so Hawthorn. 

Im Anschluss wurden die Schläfrigkeit und Schlafqualität der Teilnehmenden gemessen. Dafür fragten die Forscher jeden Probanden, wie schläfrig er sich aus subjektiver Sicht fühle. Die Studienautoren testeten die Reaktionszeiten der Teilnehmer und verfolgten, wie lange sie zum Einschlafen brauchten. Auch die Tiefe des Schlafs zu Beginn der Nacht wurde bewertet. 

So fanden sie heraus, dass die drei unterschiedlichen Lichtverhältnisse keinen Einfluss auf den Schlaf der Teilnehmer hatten. 

Die Bedeutung der Lichtverhältnisse

"Wir haben keine Hinweise darauf gefunden, dass die Variation der Lichtfarbe entlang einer Blau-Gelb-Dimension eine relevante Rolle für die innere Uhr oder den Schlaf des Menschen spielt“, erklärt Christine Blume, Erstautorin der Studie und Postdoktorandin am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel. "Vielmehr stützen unsere Ergebnisse die Erkenntnisse vieler anderer Studien, dass die lichtempfindlichen Ganglienzellen für die innere Uhr des Menschen am wichtigsten sind.“

Somit legen die Ergebnisse der Studie nah, dass es auf die Helligkeit des Lichts im Verhältnis zu seiner Wellenlänge ankommt und die Farbe, die wir wahrnehmen, irrelevanter ist als angenommen. 

Was bedeutet das für den Nachtmodus?

Christine Blume ist davon überzeugt, dass der Nachtmodus dennoch nützlich sein kann. "Die meisten Nachtfunktionen elektronischer Geräte verändern nicht nur die Farbtemperatur des von ihnen ausgestrahlten Lichts, sondern auch dessen Intensität, was sich durchaus auf den Schlaf auswirkt.“

So sei es laut Blume technisch möglich, die kurzweiligen Anteile auch ohne Farbanpassung des Displays zu reduzieren, allerdings sei das beim kommerziellen Handy-Display noch nicht umgesetzt. Daher raten die Experten, für eine optimale Schlafqualität, das Telefon vor dem Schlafen rechtzeitig aus der Hand zu legen. 

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