Do you like Piña Colada? Die Geschichte des cremig-süßen Drinks

Der Cocktail ist wieder beliebt. Mit der Pandemie wuchs der Wunsch nach Sonne, Strand und Meer. Die Piña Colada passte gut dazu.

Ausgetrunken

In diesem Format beleuchtet die freizeit die Historie diverser Drinks und wirft einen Blick auf deren kulturelle Bedeutung.

Ein Gefühl von Karibik - selbst wenn man daheim hocken muss. Das schafft offenbar der Piña Colada bei vielen Menschen. Der Drink, der auf immer weniger Bar-Karten zu finden war, erlebte während der Pandemie ein neues Hoch. Wie englische Medien wie der Guardian zuletzt schrieben, brachte das Nippen am sämig-weißen Drink eine Form von Eskapismus aus dem tristen Alltag. Der Drink aus Rum, Ananassaft und Kokosnusscreme war auf der Insel - wie auch seine fancy,  aber lange Zeit verrufenen Verwandten Swimming Pool oder Mai Tai - auf einmal wieder gefragt. Ob in Bars oder fertig gemixt aus dem Supermarkt, das Getränk brachte ein Gefühl von Sonne, Stränden und warmes Meer.

Und auch bei uns in Österreich ist ein "... aber am liebsten ist mir immer noch der Piña Colada" aufzuschnappen. Da kann man, wie es Barflys oder auf Coolness bedachte Bartender tun, auf Manhattan oder Martini-Cocktail setzen und den Mund verziehen. Das ist schon sehr legitim. Aber man kann sich auch mit der Geschichte des Getränks beschäftigen. Denn die hat es in sich. Oder wusstest du, dass schon Piraten eine Piña Colada bekommen haben sollen, um auf ihren Raubzügen bei Laune zu bleiben?

Ananas ist gut gegen Skorbut

So soll schon der Pirat Roberto Cofresi aus Cabo Rojo (Puerto Rico) zu Beginn des 19. Jahrhunderts seinen Leuten zur Stärkung der Moral Rum, gemischt mit Ananassaft und Kokoswasser, vorgesetzt haben. Was an sich nicht unklug war. Ananas enthält immerhin viel Vitamin C und ist somit gut gegen Skorbut. Zähnefletschende Piraten ohne viel Beißer sind eher nicht furchterregend, sondern bemitleidenswert. Und auch Wasser trinken war in der Karibik mitunter problematisch, weil unhygienisch. Kokoswasser war ungleich gesünder. Allein: Das schöne Gschichterl ist zu schön, um wahr zu sein und wurde von Forschern ins Reich der Mythen verwiesen. 

Eine Statue vom Piraten Roberto Cofresi in Cabo Rojo, Puerto Rico

©Jerjes Medina Albino, CC0, via Wikimedia Commons

Wobei, ganz auszuschließen ist die Anekdote doch nicht, denn die Kombination  Rum, Ananas, Kokos  lag auf der Hand und war im karibischen Raum schon lange verbreitet. Der Schnaps war oft fuselig, da konnte es nicht schaden, ihn mit fruchtigem Saft zu verdünnen oder den schlechten Geschmack zu übertünchen. Oder wie das Mixology-Magazin schrieb: "Man brauchte dafür damals noch keinen gesonderten Namen, man trank eben, was gerade da war. Ab dem frühen 20. Jahrhundert kommen dann schriftliche Quellen auf, die entsprechende Mischungen z.B. als 'Piña fria' bezeichnen, also als 'gekühlte Ananas'. Denn mittlerweile gab es natürlich auch Eis als meist verfügbaren Bestandteil." Dazu kam dann die Bezeichnung "Colada", die nichts anderes als "gesiebt" bedeutet. Reisejournalisten berichteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts über solche gekühlte und gesiebte Coladas, die aus Rum und Ananas, manchmal auch Kokos, Zucker und Limette bestanden.

Bevor die Piña Colada so wie wir sie kennen, die Barwelt revolutionieren sollte, mussten aber noch zwei essenzielle Sachen erfunden werden. Der Elektromixer Blender und in Konserven abgefülltes Kokosmark. So viel ist gesichert. Und dass er in Puerto Rico erfunden wurde. Dann aber beginnen die Streitereien. Ganz klar ist nämlich nicht, wer genau das mollige Getränk erfunden hat. Aber so ist das nun mal bei berühmten Drinks. Die einen meinen, es war Bartender Ramon Perez in den 1950ern, der laut Mixology die als "Piña Colada bezeichnete Mischung aus Rum, Kokosmark und Ananasfruchtfleisch" im Caribe Hilton in Puerto Rico ausgeschenkt hat. Er habe das mit Eis im Blender zu einem viskosen, eiskalten Drink vermixt. Das Hilton in San Juan beansprucht bis heute „the birthplace of the Piña Colada“ zu sein".

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Rezeptwettbewerb gewonnen

Dem widerspricht man im La Barrachina in Old San Juan vehement. „Es war 1963“, erzählte Barkeeper George einmal Travelbook, „die Firma Lopez hatte eine neuartige, cremige Kokosnussmilch in der Dose auf den Markt gebracht und schrieb einen Rezeptwettbewerb aus“. Der damalige Barkeeper, der Spanier Don Ramon Portas Mingot habe einfach nur Ananassaft und Rum dazugegeben. Tadaaa! Ein neuer Drink war geboren. So steht es auch auf einer Steintafel vor dem Restaurant.

Im Lokal La Barrachina soll die Piña Colada erfunden worden sein. So zumindest eine Theorie.

©Getty Images/wdstock/istockphoto

Im Jahr 1979 wurde dem Drink noch ein Denkmal gesetzt. Mit einem Lied. Von Rupert Holmes, einem Mann, der jetzt nicht unbedingt aussah, als würde er entspannt am Strand Piña Coladas trinken. Und dabei heißt dieses Lied gar nicht Piña Colada, sondern einfach nur Escape. Während die Melodie beschwingt dudelt, singt der biedere Typ mit Brille und Vollbart aber eher traurig davon, wie frustriert er als Langverheirateter ist und per Annonce ein amouröses Abenteuer sucht. Als ob das Lied nicht schon Lobhudelei genug war, schon ein Jahr davor, 1978, hat Gouverneur Rafael Hernández Colón die Piña Colada zum Nationalgetränk Puerto Ricos gekürt.

Der Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten - gemeinsam mit anderen sämigen Fancy-Drinks mit Schirmchen- und Obst-Schmuck dominierte das Getränk das Barleben der 1970er und 80er. Barlegende Charles Schumann kredenzte es gerne in München neben Eigenkreationen wie den blauen Swimming Pool.

Rezept der Piña Colada

Wie das so ist mit dem Geschmack - über die Piña Colada lässt sich immer noch vortrefflich streiten. Aber unbestritten ist, eine Zutat, die gerne hinzugefügt wird, gehört aber auf keinen Fall hinein: Schlagobers. Und so schreibt die International Bartenders Association den Drink vor:

Rezept Piña Colada

Zutaten

50 ml Weißer Rum
30 ml Kokosnusscreme
50 ml frischer Ananassaft

 

Zubereitung

Alle Zutaten mit Eis in einen Blender. Mixen und in ein großes Glas mit Strohhalm schütten. Mit Ananasstück und Cocktailkirsche garnieren.

Lange haben sich Barkeeper mit starken, klaren Drinks ausgetobt. Jetzt wenden sie sich auch wieder cremig-fruchtigen Varianten zu und interpretieren diese neu. Kleinod Prunkstück-Barkeeper Jamil El Azim zeigt uns, wie eine Piña Colada auch schmecken kann.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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