Prinzessin Dianas letzte Station in Paris

Das Ritz in Paris. Am 31. August vor 25 Jahren fuhr Englands „Prinzessin der Herzen“ von hier aus in den Tod

Im Ritz in Paris bereitete man gerade die 100-Jahr-Feier der Luxusherberge vor, zumal der gebürtige Schweizer César Ritz 1897 das prächtige Palais an der Place Vendôme gekauft und zum elegantesten Hotel der Stadt umgebaut hatte. Für Schlagzeilen durch seine prominenten Gäste hat das Ritz schon oft gesorgt, aber was sich am 31. August 1997 in und um das Hotel ereignete, hätte niemand für möglich gehalten. Dass die 36-jährige Prinzessin Diana von hier aus in den Tod fahren würde.

Die Überwachungskameras  zeigen jedes Detail: Um 21.50 Uhr betreten Diana und Dodi zum letzten Mal das Hotel  Ritz

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Glamour und Überfluss

Monsieur Ritz hatte die klassische Karriere vom Schuhputzer über den Piccolo zum Zimmerkellner durchlaufen, ehe er Hoteldirektor wurde und 1898 in Paris das erste Grandhotel eröffnete, das seinen Namen trug.

Eine der weltweit ersten Adressen für elegantes Wohnen: das Fünf-Sterne-Hotel Ritz an der Pariser Place Vendôme

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„Le Ritz“ wurde zum Inbegriff von Glamour und Überfluss, zu einem der berühmtesten und besten Hotels der Welt.

Und so zählten zu seinen Stammgästen Englands König Edward VII., der César Ritz als „König der Hoteliers und Hotelier der Könige“ bezeichnete, später logierten hier die Rothschilds, die Rockefellers, Charlie Chaplin, Marlene Dietrich und Marcel Proust, der sich im Ritz Anregungen für seine literarischen Figuren holte. Und Ernest Hemingway war ein so treuer wie trinkfester Gast der Hotelbar, dass sie heute noch seinen Namen trägt.

Puttin’ on the Ritz

Schließlich ließ sich der amerikanische Komponist Irving Berlin 1929 im Hotel zu seinem Evergreen Puttin’ on the Ritz inspirieren, und die Modezarin Coco Chanel residierte hier 35 Jahre lang ununterbrochen bis zu ihrem Tod 1971. Die Coco Chanel Suite, in der sie zeitweise auch mit ihrem um 13 Jahre jüngeren Geliebten Hans Günther von Dincklage lebte, ist heute noch viel gebucht – und das bei einem „Zimmerpreis“ von 18.000 Euro pro Nacht.

Heizung, Bad und Telefon

Das Ritz war der weltweit erste Tourismusbetrieb, der in seinen Appartements über Heizung, Bad und – in den sogenannten „Herrenzimmern“ – über Telefon verfügte. Das Geschäft lief so gut, dass César Ritz bald in einem Dutzend Metropolen Luxushotels besaß, die alle seinen Namen trugen – heute gibt’s auch in Wien eines.

Vom Schuhputzer zum Hotelkönig: César Ritz, 1850–1918

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Doch da der Hotelier sie mit großem Einsatz alle selbst führte, erlitt er im Alter von 53 Jahren einen körperlichen Zusammenbruch. Er zog sich mehr und mehr zurück und starb 1918 im Alter von 68 Jahren. Das Szepter übernahm zunächst seine Frau Marie-Louise und dann Sohn Charles, der das Ritz bis zu seinem Tod im Jahr 1976 leitete.

Damit nähern wir uns der Erklärung, warum es Prinzessin Diana hier her verschlagen hat. Aus dem Nachlass von Charles Ritz erwarb der Ägypter Mohamed Al-Fayed – damals Besitzer des Kaufhauses Harrods in London – 1979 für 25 Millionen Dollar das schon ziemlich heruntergekommene Pariser Hotel und ließ es für 250 Millionen Dollar zu einem Leading Hotel of the World aufmöbeln. Der Milliardär konnte nicht ahnen, dass das Ritz seinem Sohn Dodi – gemeinsam mit Diana – zum Schicksal werden sollte. Das Hotel ist heute noch im Besitz des mittlerweile 93-jährigen Milliardärs Mohamed Al-Fayed.

 Heute noch Besitzer des Ritz: Dodis  Vater Mohamed Al-Fayed

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Dodi und Diana langen am 30. August 1997, von einem gemeinsamen Urlaub auf Sardinien kommend, in Paris ein und lassen sich ins Ritz führen. Die Prinzessin lebte seit fünf Jahren von ihrem Mann Charles getrennt, seit einem Jahr war das einstige Thronfolgerpaar geschieden. Sie führte ein unstetes Leben, widmete sich sozialen Projekten, ging Beziehungen ein, die nicht lange hielten.

Seit einigen Wochen ist sie in Dodi Al-Fayed verliebt, einen Playboy, der von einer Affäre in die andere schlitterte, und von dem Diana dachte, dass er der Richtige für sie sei.

Doch das Liebespaar fand keine Gelegenheit zur Zweisamkeit, weil es ständig, auch während des Sardinien-Aufenthalts auf Al-Fayeds Jacht Jonikal, von Paparazzi verfolgt wurde. Die Urlaubsfotos werden der Yellow Press nach Dianas Tod um 750.000 D-Mark angeboten.

Abendessen in der Suite

Die Hotel-Überwachungskameras des Ritz zeigen die Ankunft des Paares am 30. August 1997 um 16.35 Uhr. Diana und Dodi werden in die Präsidentensuite geleitet, in der sie den Nachmittag verbringen.

Ihren letzten Nachmittag verbrachten Diana und  Dodi im Pariser Ritz: eine der Suiten, in denen eine Nacht bis zu 18.000 Euro kostet

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Am Abend wollen sie in ein kleines Bistro fahren, wo für 20.45 Uhr ein Tisch reserviert ist. Doch angesichts der vor dem Haus lauernden Fotografen beschließen sie ins besser geschützte Ritz zurückzufahren, um dort das Abendessen einzunehmen. Sie treffen um 21.50 Uhr ein und gehen in das hoteleigene Restaurant L’Espadon. Diana bestellt Seezunge und Gemüse, wartet aber nicht, bis die Speisen aufgetragen werden, weil sie von den Gästen an den Nachbartischen angestarrt wird, was sie als unerträglich empfindet. Dodi und Diana beschließen, ihr Essen in der Präsidentensuite einzunehmen.

Auf der Flucht

Obwohl sie innerhalb des Ritz sicher vor lästigen Fotografen sind, begeben sie sich nach dem Abendessen noch einmal auf die Flucht. Und fassen einen Entschluss, der sie das Leben kosten wird. Sie verlassen das Hotel, weil sie in Dodis Privatwohnung in der Rue Arsène-Houssaye übernachten wollen.

Doch dort kommen sie nicht mehr an. Einmal noch, ein letztes Mal, nimmt das Videosystem des Ritz um 0.06 Uhr das junge Paar beim Verlassen des Hotels auf.

Das Ritz und der Tod

Es ist mittlerweile Sonntag, der 31. August 1997. Dodi Al-Fayed und Diana steigen in den vor dem Ritz parkenden Mercedes 280 S, der vom alkoholisierten Sicherheitschef des Hotels, Henri Paul, gelenkt wird. Er führt Diana, Dodi – und sich selbst – um 0.25 Uhr in einem Tunnel an der Place de l’Alma mit weit überhöhter Geschwindigkeit in den Tod. Der Leibwächter Trevor Rees-Jones wird als einziger Fahrzeuginsasse – schwer verletzt – überleben.

Schon Ernest Hemingway hatte sein Stammhotel mit dem Sterben in einen Zusammenhang gebracht, als er sagte: „Wenn ich von einem Leben nach dem Tod träume, dann findet es immer im Ritz in Paris statt.“

Georg Markus

Über Georg Markus

Ob Georg Markus über Figl, Kreisky oder eine Begegnung mit Billy Wilder berichtet – ihm geht es immer darum, Leser spannend und unterhaltsam zu informieren. Er war ein Jahr Assistent von Karl Farkas, ehe er 1970 als Reporter zum KURIER kam, später spezialisierte er sich auf „Geschichten mit Geschichte". Georg Markus zählt zu Österreichs erfolgreichsten Sachbuchautoren. Seine Bücher wie „Die Enkel der Tante Jolesch" oder „Die Hörbigers“ landeten auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Zuletzt erschienen: „Schlag nach bei Markus“ (2011). Georg Markus ist „glücklich, im KURIER zu sein. Hier habe ich zu schreiben gelernt, diese Zeitung ist meine Heimat, sie ist seriös, gut lesbar und unabhängig." Sein Problem: „Jedes Jahr verspreche ich meiner Frau, heuer wirklich kein Buch zu schreiben."

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