Warum sagen wir eigentlich „aua!“, wenn wir uns weh tun?

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Zehe am Tischbein angehauen: „Autsch!“ Kopf touchiert unsanft mit dem Küchenkastl: „Au!!“ Der kleine Augenstern verbiegt einem die Nase beim allzu stürmischen Umarmungsversuch: „Aua, das tut weh!“ Warum sagen wir das? Ich meine, man könnte ja genauso gut „Muh!“ rufen oder „Bääh!“.

Was bringt Menschen also  dazu, universell ausgerechnet diesen Laut auszustoßen, wenn etwas schmerzt? Was uns auch gleich zur zweiten Frage führt: Wie universell ist unser „Aua!“ eigentlich?

Die Verhaltenspsychologie erklärt den Ausruf damit, dass bei Schreck oder Schmerz instinktiv der Mund geöffnet wird, der Vokal „A“ ist also naheliegend. Wird der Schmerz dann wirklich wahrgenommen, also in seiner ganzen Körperlichkeit, tendiert man dazu, die Lippen wieder zusammenzupressen – ein „U“ ist also eine  logische Konsequenz. Überraschenderweise aber nicht die einzige.

Denn unser „Au“ ist keinesfalls so universell, wie wir vielleicht glauben. Schon ein paar hundert Kilometer weiter westlich sieht die Sache ganz anders aus, beziehungsweise hört sie sich anders an. „Aïe!“ ruft man in Frankreich, wenn etwas weh tut. Und durchaus ähnlich, also „Ay!“, heißt es in Spanien und – mit geringen Variationen – in ganz Südamerika.

Wichtig sei, so der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss, dass der Laut von der entsprechenden Gemeinschaft richtig gedeutet werden kann. Was einen Japaner in Wien eventuell in Schwierigkeiten bringen könnte, wenn er laut „Itai!“ ruft. Auch ein Julius Caesar würde in dieser Beziehung auf Verständnislosigkeit stoßen, die alten Römer sagten bei Schmerzen angeblich „Heus!“.

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Im englischen Sprachraum wurde das unserem „Au!“ recht ähnliche „Ouch!“ inzwischen zusehends vom nicht sehr feinen F-Wort verdrängt. Was einerseits den Verhaltenspsychologen widerspricht, die als Anfangslaut einen offenen Vokal fordern, andererseits aber fantastisch mit einer kürzlich durchgeführten Studie korreliert: An der britischen Keele University wurde festgestellt, dass Probanden, die während eines Versuchs fluchten, eine um 32 Prozent höhere Schmerztoleranz hatten als jene, die nur jammerten.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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