Über dem Wolkenmeer: Wie hoch wandert man im Herbst hinauf?

Axel Halbhuber

von Axel Halbhuber

Das Pillerseetal bietet im Herbst sehr schöne Wanderwege. Und mit Glück sitzt man erste Reihe fußfrei am Wolkenmeer.

Überblick

Beste Reisezeit

Ganzjährig

Währung

EUR

Anreise

Anreise mit dem Auto aus Wien

Dauer ca. 4,5 Std

Man muss zugeben, dass der Blick vom Wildseeloderhaus neben dem Wildseelodersee nicht immer wie auf diesem Bild ist. Aber wenn die Wolken so tief im Tal hängen wie an jenem Novembertag, an dem das Bild entstanden ist, fühlt man sich erhaben und summt leise Reinhard Meys „Über den Wolken“ vor sich hin, auch wenn man das gar nicht will.

Neben dem Wildseelodersee stehen eine kleine Kapelle und das Wildseeloderhaus.

©Halbhuber Axel

Es ist auf den Bergen Tirols eben oft eine Frage des Wetters. Zum Beispiel, wie hoch man im Herbst noch aufsteigen kann. Hier auf 1.854 Meter zum Beispiel hat es zwar vor einer Woche 53 Zentimeter geschneit, erzählt Hüttenwirt Bernhard am Telefon, aber: „Diesen Sonntag ist der Schnee schon wieder weg.“ Danke, Föhnwetterlage.

So kann man also auch heuer den grandiosen Indian Summer genießen, den das Pillerseetal oft bietet. Es wird ja in der Zwischensaison ohnehin viel zu wenig gewandert, obwohl da das Wetter stabiler ist als im Sommer und die Natur so verschwenderisch alle Farben an die Bäume klatscht.

Super Social Distancing

Außerdem ist man hier gerade jetzt so sozial distanziert, wie das wegen dem Dingsvirus eben modern ist. Wie in einem Niemandsland zwischen Sommer und Winter.

Der Weg zum Wildseeloderhaus neben dem gleichnamigen See und eine Wanderstunde unterhalb des gleichnamigen Gipfels, dem Hausberg von Fieberbrunn, ist einfach. Ab dem Ort geht man fünf Stunden, aber man kann mit Lift oder Auto schummeln und die Restgehzeit auf eineinhalb Stunden verkürzen.

Käserei, Schlucht und viele Berge

Da sieht man allerlei, von einer Käserei, die Wildalm heißt, bis zur Alpenvegetation am schluchtigen Pfad. Ist man dann oben, fällt es schwer, sich zu entscheiden, ob man lieber den idyllischen See anschaut oder das Wolkenmeer hinter der Kapelle. Überragt wird dieses Meer von dem Kitzbüheler Horn, dem Wilden Kaiser (nicht im Bild) sowie dem Loferer und den Leoganger Steinbergen (schon im Bild). Das Wildseeloderhaus selbst ist bei gutem Wetter noch bis 26. Oktober offen, übernachten kann man heuer bis 10. Oktober.

Die anderen Berge der Kitzbüheler Alpen, in denen man sich hier ständig bewegt, sind auch sehenswert. Für Familien hat man ein Familienabenteuer entwickelt: Beim „Geheimnis des Steinbergkönigs“ löst man im ganzen Pillerseetal Aufgaben.

Waldbaden und Winterwald

Die verwunschenen Waldwege der Region (man muss es noch einmal sagen: im Herbst besonders charaktervoll), kann man auch gut beim Waldbaden erkunden. Dieses „Shinrin Yoku“ bietet die Waldbadeexpertin Lisa Flatscher nur mehr im Oktober an.

Blick vom Wildseeloderhaus auf Kitzbüheler Horn, Wilden Kaiser (nicht im Bild) sowie Loferer und Leoganger Steinberge (im Bild).

©Halbhuber Axel

Denn irgendwann dreht das Wetter hier auf Winter, das ist auch gut so. Dann starten die Lifte nach kurzer Pause den Winterbetrieb. Der ist hier wegen des superlativen Skischaukelnetzes sehenswert, aber auch abseits der Piste. Die Gegend gilt als Paradies für Langläufer. Übrigens: Der jährliche Biathlonweltcup im hiesigen Hochfilzen findet wieder statt, aber ohne Publikum. Wegen dem Dings.

Info

Herbstprogramm

Zum Beispiel auf das Wildseeloderhaus (wildseeloderhaus.at), zum Waldbaden (wandern-pillerseetal.at) oder zum 30 Meter hohen Jakobskreuz auf die Buchensteinwand wandern. 

Im Winter

Lama-Trekking (ganzjährig, abenteuer-lama.at), Skitouren, Langlaufen, ... Info: pillerseetal.at

Spurenlesen im Winterwald

...mit Räuchern und Wildtierfütterung m. Kräuterfee Birgit Schwaiger (ab 10.12.)

Axel Halbhuber

Über Axel Halbhuber

Ich habe mir unter den Zweigen des Schreibens den Journalismus ausgesucht, um nicht über mich schreiben zu müssen. Und jetzt schreibe ich hier Zeilen zu meiner Vita. Es gibt im Leben Wichtigeres, das es zu beschreiben gilt. Eben das macht diesen Job spannend: gestern ein Interview mit den Klitschko-Brüdern, heute eine Reportage in einem Dorf für Demenzpatienten, morgen das Porträt über die wahre Biene Maja. Leben ist Vielfalt, auch das Berufsleben. Daher habe ich im Journalismus vieles gemacht: Wirtschaftszeitung bis Männermagazin, Online-Ressortleitung bis Gratismedium-Chefredaktion, Sportressort bis Societymagazin, Österreichwanderung bis Weltreise. Und bei aller Vielfalt ist das Reisen doch zu einem Steckenpferd geworden, auch durch meine Bücher „Ich geh dann mal heim“, „Einfach eine Weltreise“ und "Reisen ist ein Kinderspiel". Aber am wichtigsten war die Biografie über Helmut Kutin: "Wie aus einer zerstörten Kindheit ein gutes Leben wurde." Das muss wirklich jeder lesen!!!!

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