Taucheinsatz in extremen Tiefen: „Das ist wie eine Mondlandung“

Der Traunsee ist der tiefste See Österreichs. Warum es beim KURIER-Event mit einem U-Boot dort hinunter geht.

189 Meter, 190 . . . bis es letztlich 191 sind, die tiefste Stelle des Traunsees.

Abtauchen an den tiefsten Punkt des tiefsten Sees, der vollkommen auf österreichischem Staatsgebiet liegt. Das verspricht das Projekt Tiefenrausch LIVE, um damit Abenteuer und Wissenschaft zu verbinden.

Die ersten Testdurchläufe absolvierte die P-63 aus der Schweiz bereits am Mittwoch, ehe es am Samstagabend zum Höhepunkt des Tiefenrausches kommt: Das KURIER Medienhaus geht dabei an die tiefste Stelle des Traunsees, um mithilfe einiger spezieller Messgeräte den „Klang der Erde“ einzufangen (siehe Zusatzbericht).

Tiefer wäre nur noch der Bodensee, doch er liegt zum Großteil nicht auf österreichischem Staatsgebiet, sondern im Dreiländereck mit Deutschland und der Schweiz. Hinter dem Traunsee auf den Stockerlplätzen der tiefsten Seen des Landes liegen der Attersee (ebenfalls in Oberösterreich) mit bis zu 169 Metern Tiefe und der Millstätter See (Kärnten) mit maximaler Tiefe von 141 Metern.

Ob 191 Meter wie am Traunsee oder 169 wie am Attersee – für Taucher sind das unendliche Tiefen, die zwar theoretisch erreichbar sind, aber nur unter großem Risiko. „Das ist so ähnlich, als würdest du zum Mond fliegen“, vergleicht Oberstleutnant Michael Novotny, Hauptlehroffizier für Tauchen und amphibische Ausbildung beim Jagdkommando. „Und auch dann wäre das nur ein ,Touch and go’, man kann in solchen Tiefen dann nichts wirklich machen. Die magische Grenze sind eigentlich 100 Meter, dann beginnt eine imaginäre Decke, ab der man nicht mehr ohne Halt aufsteigen kann.“

Druck bleibt im U-Boot gleich

Tiefenrausch LIVE operiert nicht ohne Grund mit einem U-Boot, der P-63, einem in der Schweiz registrierten Gefährt, das bis zu 300 Meter Tiefe zugelassen ist. Sie ist das Einzige für derartige Einsätze auch im kommerziellen Bereich zugelassene Unterwassergefährt dieser Art; vier Personen haben in der rund fünf Meter langen und zweieinhalb Meter breiten P-63 Platz.

In dem U-Boot ist der Umgebungsdruck unter Wasser jedoch nicht anders als an Land; egal, wie tief sie abtaucht, egal, wie schnell sie abtaucht oder wieder hochkommt – er bleibt immer gleich. Für einen Taucher ist das nicht so einfach: Würde ein Mensch auf 200 Meter tauchen wollen, wäre er einem Druck von 21 bar ausgesetzt – an Land ist es ein bar, rechnet Novotny vor.

Drei bis fünf Stunden

Das spüre man im Wasser zwar nicht, die Herausforderungen kämen beim Auftauchen: Um aus 100 Metern gefahrlos wieder an die Oberfläche zu kommen, sind durchschnittlich drei bis fünf Stunden Zeit nötig. Alle drei Meter müsste gestoppt werden. Jede Minute, die man länger in solchen Tiefen verweile, verlängere die Auftauchphase – die sogenannte Dekompressionszeit – um weitere zehn Minuten. „Wenn du zu schnell nach oben gehst, dann können die Kappilargefäße verstopfen“, macht der Experte deutlich. „Wen du aus 100 Metern ungebremst aufsteigst, dann bis du tot.“

Novotny und rund 50 seiner Kameraden des Bundesheeres sind beim KURIER-Event im Einsatz, Pioniere und Soldaten des Jagdkommandos. Unter ihnen auch Taucher, die das U-Boot am Samstag ein Stück weit begleiten. Sie gehen generell nicht weiter als 80 Meter hinunter, auch wenn es im zivilen Bereich Taucher gäbe, die auf 150 Meter oder mehr gingen. „Das kannst du machen, aber das ist dann schon ein Martyrium fürs Auftauchen“, mahnt Novotny. „Jeder Meter mehr ist zeitlicher, technischer und körperlicher Aufwand und eine Belastung.“

Alle Informationen:

www.kurier.at/projekt-tiefenrausch

Elisabeth Holzer

Über Elisabeth Holzer

Seit 1992 als Journalistin in der Steiermark-Redaktion tätig. Angesiedelt im Chronik-Ressort, aber durch dessen Vielfalt auch vielfältig im Einsatz - von der (Landes-)Politik über Gericht und Reportagen bis hin zu aktuellen Vorfällen. Und sonst noch? Promovierte Historikerin (Geschichte- und Doktoratsstudium an der Uni Graz), dadurch interessiert an zeitgeschichtlicher Forschung. 2007 das erste Buch veröffentlicht ("Schleichhändler vor Gericht"); es folgten zusammen mit weiteren AutorInnen einige mehr, etwa "McScience" (2015) oder 2017 "Die Geschichte der Frauen in der Steiermark". Ausgezeichnet mit dem Inge-Morath-Preis des Landes Steiermark für Wissenschaftspublizistik.

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