Hier ist Österreich wie die Karibik, die Malediven oder die Toskana
Wozu eigentlich in die Ferne schweifen, um Urlaub zu machen, wenn das Gute doch so nah liegt? Manchmal wirkt es in Österreich wie im Ausland.
Viel Glück in Europa diesen Sommer.“ So warnte der Nachrichtensender CNN die US-Amerikaner. Der Tourismus boomt. Ob vor dem Kolosseum im Rom oder der Sagrada Família in Barcelona: Die Schlangen sind schier unendlich, Time-Slots auf Monate im Voraus ausgebucht.
Auf vielen Stränden sieht es nicht anders aus: Ibiza ist knallvoll, obwohl die Insel den ganzen Ansturm nicht mehr verträgt.
Und auch in anderen Urlaubsdestinationen auf anderen Kontinenten sieht es nicht besser aus. Wenn schon die gewünschte Destination überfüllt ist, dann geht es womöglich stattdessen ins Florenz des Ostens, das Venedig des Nordens. Denn Dresden, Stockholm und wie sie alle heißen sind auch ganz hübsch. Andere suchen seit geraumer Zeit nach einem neuen Ibiza oder Kroatien mit weniger Menschen. Ob sie es gefunden haben? Womöglich. Doch lange bleibt das nicht so, wie man das gerne hätte.
Aber wozu eigentlich in die Ferne schweifen und auf Urlaub fahren oder fliegen, wenn das Gute doch so nah liegt? Sommer in Österreich ist auch wunderbar. Und überhaupt: manchmal wirkt es hier ohnehin wie in beliebten Urlaubsdestinationen.
Côte d’Azur ist wie Krumpendorf, aber heißer
Helmut Qualtingers „Travnicek“ wusste das schon vor Jahrzehnten. Da fragt der Freund: „Wie wär’s mit Frankreich gewesen? Die Zote d’Azur, Travnicek!“ Travnicek: antwortet: „Die kummt ma vor wie Krumpendorf – aber haaßer“. Und nach Griechenland brauchte er auch nicht: „Des Schenste, was' dort haben, is die Akropolis. Die schaut aus wie’s Parlament. Nur kann i da mit'm J-Wagen hinfahren“.
Ja, und auch einen Hauch Ibiza kann man in Wien finden – in der Volksgarten Disco. Hier gibt es wie auf den Balearen schicke Menschen und Party unter freiem Himmel. Ein Sandstrand fehlt halt in der City.
Aber es ist nicht allzu weit bis zur Neuen Donau – dort sind gleich mehrere sandige Flächen aufgeschüttet. Zuletzt etwa der Arena Beach in der Kaisermühlenbucht. Und mit etwas Fantasie sieht es hier aus wie in Barcelona: Baden in einer Millionenmetropole, im Hintergrund die Hochhäuser. Der Vorteil in Wien: So voll wie in Kataloniens Hauptstadt sind die Strände in Wien nicht.
Die mittlerweile eingestellte Techno-Bibel De:Bug schrieb im Jahr 2011, als neue Clubs wie die Schwammerln aus dem Boden schossen: „Wir wagen die sanfte These, dass Wien im nächsten Jahrtausend das neue Berlin wird.“ Das wird aber nie eintreten.
Hier sind aber Plätze in Österreich, die wirken wirklich wie Urlaubsparadiese im Ausland.
Jamaika am Attersee:
Um ein gewisses Karibikgefühl zu bekommen, muss man gar nicht über den großen Teich fliegen. Es reicht ein Ausflug an den großen See. Der Attersee mit seinem türkis-blauen Ton ist sogar viel mehr Karibik, als jene, die wir uns gemeinhin vorstellen: Das Wasser ist ruhig, hohe Wellen und starke Strömungen gibt es auch nicht. Herrlich! Hier regiert der Sommer wie im Bilderbuch.
Es gibt aber weniger Hotels als auf Jamaika, Zimmer sind rar gesät. Große Badeplätze sind an den Wochenenden im Hochsommer voll und auf der Straße rundherum fahren fast so viele Autos wie in Jamaikas Hauptstadt Kingston. Da braucht es Geheimtipps. Aber das ist auch in der Karibik so: Die werden nicht verraten.
Chicago in Wien:
„Wien darf nicht Chicago werden“, tönte es vor Jahrzehnten im Wahlkampf. Geholfen hat das aber nicht. Die Donauplatte mit ihren Wolkenkratzern und der Alten wie Neuen Donau in unmittelbarer Nähe wirken ein bisschen so wie die US-amerikanische Metropole am Michigansee. Soll etwas Schlechteres passieren als dieser Vergleich: Chicago gilt als pulsierend und cool. Und das nehmen leidenschaftliche Wiener gerne auch für ihre Stadt in Anspruch.
Dazu ist Wien sicherer. Nur im heimischen Hochhausviertel werden am Abend die Gehsteige hochgeklappt. Der Bär zieht die Steppschuhe aus. Aber ans Wasser setzen und in aller Ruhe die beleuchteten Hochhäuser anschauen, hat auch was.
Italien in Graz:
Dolce Vita an der Mur. Ein Besuch in Graz ist auch ein bisschen Urlaub in Südeuropa. Die Menschen sitzen noch viel lieber draußen als anderswo im Land, die Häuser haben Fensterläden. Besonders italienisch ist es am Franziskanerplatz. Hier liegen viele Schanigärten nebeneinander, er ist gepflastert und sehr heimelig. Mit der Kirche sieht er aus wie ein Dorfplatz in Bella Italia.
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Dementsprechend viele italienische Lokale gibt es. Neben Pizza, Pasta und Prosciutto kredenzt man aber auch Eierschwammerln mit Knödel oder Schnitzel. Und neben Prosecco fließt Muskatellersekt.
Grand Canyon in Niederösterreich:
„Gibt es in Niederösterreich so etwas wie Berge?“ Das fragen Menschen aus westlicheren Gefilden gerne. Ja, gibt es. Und zwar ganz mächtige – und beeindruckende Schluchten. Die Ötschergräben gelten gar als der „Grand Canyon Österreichs“. Das mag zwar dann noch etwas zu dick aufgetragen sein – das beeindruckende Naturdenkmal in den USA gibt es nur einmal, aber die Gegend ist wahrlich nicht schlampig.
Und während in Amerika der Colorado River meist mühsam zu erreichen ist, kann man in Niederösterreich sogar ab und zu baden.
Toskana in der Südsteiermark:
Die Region Mittelitaliens musste schon für eine Menge Vergleiche herhalten. Die Pfalz ist Deutschlands Toskana. In Tschechien soll eine in Mähren liegen. Und Josef Hader schimpfte in „Hader muss weg“ über die Bobos, die im Mostviertel die neue Toskana entdecken. Und im Programm „Hader on Ice“ sagte er, er sei aus Wien ins Weinviertel gezogen. In „die Toskana von Österreich, genauso überschätzt“. Da würden ihm jetzt viele widersprechen.
Ein Ort, der manchmal wirklich so wirkt, wie Italiens bedeutende Kulturlandschaft, ist die Südsteiermark. Vor allem, wenn wie hier am Sernauberg, Höhe Weingut Dietrich, die Sonne untergeht.
Kanada im Waldviertel:
Eine Gegend, durch die Wölfe streifen, der Wald dicht, das Wasser dunkel und der Winter lang ist, das ist Kanada. Oder auch Niederösterreich. Wenn die Großstadt im Hochsommer glüht, sind die Temperaturen im Waldviertel meist noch einigermaßen moderat. Dazu gibt es im Ottensteiner Stausee und dem Stausee Dobra ohnehin Abkühlung.
Beide Seen zählen noch zu den besten Raubfischgewässern Europas für Fischer. Einige haben schon 1,4 Meter lange Hechte und sechzig Zentimeter große Barsche herausgeholt.
China in Wien:
Gegenüber einer Wiener Institution liegt ein Stück Fernost. Bundesbad Alte Donau auf der einen, China-Restaurant Sichuan mit Garten, Teichen und Pavillon auf der anderen Seite. Seit gut 35 Jahren kredenzt man dort echte China-Küche. Chinesische Beamte und Besucher der nahen UNO-City sollten etwas Ordentliches zu essen bekommen. Bis dahin galt die Küche in den Lokalen der Stadt als wenig authentisch.
Malediven in der Traun:
Ein Taucherparadies muss nicht zwangsläufig in den Tropen sein. Es kann auch rund um die Traunfälle in Österreich liegen. Das erkannte Tauchlehrer Franz Pramendorfer von der Tauchschule „Atlantis Qualidive“, als er von den Malediven zurückkehrte. In der Traun gibt es nämlich eine spektakuläre Felsformation, klares Wasser und eine sensationelle Sicht – bis zu 30 Meter.
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Dazu schwimmen hier große Barbenschwärme, Hechte und bis zu 1.,5 Meter lange Huchen. So ein Ausflug in die Unterwasserwelt ist aber nur etwas für fortgeschrittene Taucher.
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