Malta: Kleine Inseln, große Vielfalt

Martin Bernert

von Martin Bernert

Von Natur über Kultur bis Kulinarik und Wein: Die Inselgruppe bietet mehr als Sonne und Strand.

Überblick

Währung

Euro

Einwohner

525.285 (2020)

Hauptstadt

Valletta

Auskunft

visitmalta.com; Österreichisches Fremdenverkehrsamt Malta: Tel. 01/585 37 70

Er hat in Frankreich Wein angebaut und auf Osttimor eine Agrarkooperative gegründet, aber: „Irgendwann hat es mich wieder hierher gezogen.“ Der sechzigjährige Pavlu stammt aus einer maltesischen Bauernfamilie. Wie viele Bewohner des kleinen Landes zog es ihn in die Welt hinaus, ehe er zu seinen Wurzeln zurückfand. Heute leitet er eine Bio-Landwirtschaft und baut auf rund sechs Hektar Oliven und Gemüse an.

Das ist auf der im Sommer heißen und trockenen Insel im Mittelmeer keine leichte Aufgabe: „Um Bauer zu sein, musst du immer auch ein bisschen Masochist sein“, sagt er. Schädlinge dezimieren die Ernte, und ohne Bewässerung geht auf Malta gar nichts. Dazu kommt, dass auch hier die Kunden im Supermarkt lieber zu importierten Zucchini und Melanzani greifen, wenn sie ein paar Cent billiger sind als die lokalen Produkte.

Bio-Bauer Pavlu beherbergt auch Urlauber

©Martin Bernert

Um als Bauer zu überleben, hat er das Bio-Landgut mit den uralten Olivenbäumen für Urlauber geöffnet. Das Angebot reicht von Urlaub am Bauernhof über Koch- und Yogakurse bis zum Open-Air-Kino. Und damit ist Pavlu typisch maltesisch: Die kleine Insel bietet große Urlaubsvielfalt bei kurzen Distanzen. Wer nach Malta kommt, tut dies meist nicht nur, um zu baden und zu entspannen.

Die Inselgruppe zwischen Sizilien, Tunesien und Libyen – Malta, die „kleine Schwester“ Gozo und das winzige Inselchen Comino – bietet beeindruckende Natur zu Wasser und zu Lande, Spuren jahrtausendelanger Besiedelung und gleich zwei Hauptstädte mit barocken Architekturjuwelen. Dazu kommen zahlreiche Sportmöglichkeiten sowie Restaurants (und Weine!), die internationale Vergleiche nicht scheuen müssen.

Oase der Ruhe

Schon von Weitem erhebt sich die Silhouette der auf einem Hügel errichteten historischen Inselhauptstadt Mdina – der an das arabische Medina erinnernde Name ist kein Zufall, ist doch Maltesisch die einzige semitische Sprache in Europa und entstammt dem Arabischen.

Hier residierte der lokale Adel in prachtvollen Palazzi und Klöstern, ehe Malta 1530 von Kaiser Karl V. als Vorposten gegen die arabische Expansion dem Johanniter-Ritterorden als Lehen überlassen wurde. Die Ritter ließen Valletta mit seiner beeindruckenden barocken Kathedrale als neue Hauptstadt an der Küste errichten, während Mdina in einen bis heute andauernden Dornröschenschlaf verfiel.

Heute leben nur noch 250 Menschen in der alten Hauptstadt, in vielen der prächtigen Gebäude ist nur eine Etage bewohnt. Dennoch sind die steinernen Zeugen der Vergangenheit in tadellosem Zustand; wer durch die engen Gassen flaniert, findet eine Oase der Ruhe. Kein Wunder, dass sich einige von Maltas besten Hotels in Mdina angesiedelt haben.

Ein barockes Palazzo in der alten Hauptstadt Mdina

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Szenenwechsel aufs Wasser: Wer noch nie ein Zweier-Kajak gesteuert hat, braucht ein bisschen, bis er die Bewegung des Paddels mit dem Partner abgestimmt hat. Nach ein paar Minuten hat man den Bogen aber heraus, und die Fahrt von Gozo über die Meerenge nach Comino kann beginnen. Auf Maltas kleinerer Schwesterinsel ist es ländlicher als auf der Hauptinsel; viele Urlauber steigen in renovierten Bauernhäusern ab und suchen nach Sport- und Naturerlebnissen – was uns zurück aufs Paddelboot bringt.

Zu Beginn scheint das etwa einen Kilometer entfernte Inselchen Comino noch unendlich weit, doch schon bald geht es gleichmäßig dahin. Nach kurzer (Bade-)Pause reicht die Kraft selbst für Ungeübte locker noch für die Rückfahrt; und auch der befürchtete Muskelkater am nächsten Tag bleibt aus.

Wandern an den Klippen

Wer im Herbst oder Frühling kommt, wenn die Sonne nicht so brennt und die Landschaft grün ist, kann die Inselwelt auch zu Fuß erkunden. Allein auf Gozo gibt es drei gut beschriebene und markierte Wanderwege, die durch traditionelle Dörfer und gewundene Täler, der atemberaubenden Steilküste entlang oder an Salzgärten vorbei führen. Auch auf Malta selbst und sogar auf dem Inselchen Comino gibt es markierte Wanderwege.

Ganz ohne Anstrengung kann man die Schönheit der Natur bei einer Bootsfahrt zur Blauen Grotte (Blue Grotto) genießen. In Abertausenden von Jahren hat das Mittelmeer beeindruckende Höhlen aus dem Kalkstein gewaschen; durch das kristallklare Wasser sieht man auch im Halbdunkel der tiefen Grotten mühelos bis zum Grund.

Gute Blicke, gutes Essen

Wenn nach all den Aktivitäten der Magen knurrt, ist ein gutes Restaurant auf Malta niemals weit. Die Küche ist mediterran und erinnert an den großen Nachbarn Italien; das Angebot reicht von einfachen Restaurants bis zu Tempeln der gehobenen Küche: Hier gibt es drei Betriebe mit Michelin-Stern und zwanzig weitere, die auf der Website des renommierten Guides erwähnt werden. Den lokalen Kaninchen-Eintopf sollte man probieren, mehr aber lockt das große Angebot an fangfrischem Fisch.

Malta bietet Mediterane Küche mit viel frischem Fisch

©Martin Bernert

Und weil gutes Essen eine würdige Begleitung braucht: Die maltesischen Winzer produzieren Weine nach internationalen Standards. Den sommerlichen Temperaturen geschuldet, wurden diesmal aber nur Weiße verkostet – der Chardonnay Isis traf auf allgemeine Begeisterung.

Restaurant Root 81: Essen mit Aussicht

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Tipps

Kathedrale von Valletta Obwohl nur Konkathedrale (zweiter Bischofssitz), ist St. Johns trotzdem einer der herausragenden Sakralbauten Maltas. Hinter der schlichten, im 16. Jahrhundert errichteten Fassade verbirgt sich ein prächtiger, reich dekorierter barocker  Innenraum. Der Fußboden besteht aus den Grabsteinen der Ritter

Beeindruckend: St. Johns

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Blaue Grotte Ihren Namen hat die Höhle wegen der Besiedlung mit Blaualgen, die das klare Meerwasser bei einfallendem Sonnenlicht himmelblau erscheinen lässt. Die Blaue Grotte ist, gemeinsam mit fünf weiteren natürlichen Höhlen, im Rahmen einer Bootstour von Wied iž-Žurrieq im Südwesten Maltas aus zu besichtigen

Eine Algenart lässt das Wasser der Blauen Grotte himmelblau leuchten

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Kajak-Tour Auch für Ungeübte – der Schreiber dieser Zeilen ist blutiger Kajak-Anfänger – ist die ruhige Meerenge zwischen Gozo und Comino mit dem Zweier-Kajak leicht zu bewältigen. Entscheidend für das Vorankommen ist die Koordination der Paddelschläge. Trinkwasser und wasserfeste Kamera mitbringen

Auch für Ungeübte ein Vergnügen

©Martin Bernert

Weitere Tipps:

Unterkunft Z. B. Corinthia St. George’s Bay, St Julians: Fünfsterne- hotel mit 249 Zimmern, mehreren Restaurants und Pools, Meerzugang und vielen Annehmlichkeiten. corinthia.com/de/st-georges-bay/

Bio-Bauer Vincent’s Eco-Estate; Mgarr,  Bauernhof mit Hofladen, Unterkunft und Seminarmöglichkeiten. vincentecoestate.com

Restaurant Z. B. Root 81,  Saqqajja Hill, Rabat: Man genießt das Essen auf einer schönen Terrasse am Ortsrand von Rabat mit Blick über die  Landschaft. root81malta.business.site

 

©Grafik

Infos

Anreise

 Z. B.  Wien–Valletta nonstop mit Air Malta; airmalta.com, Co2-Kompensation via climateaustria.com: 8,13 € pro Person (Hin- und Rückflug)

Beste Reisezeit

Mai bis Oktober

Martin Bernert

Über Martin Bernert

Journalist seit gut einem Vierteljahrhundert, beim KURIER seit 1997. Zum Schreiben kam ich nach der Lektüre von Egon Erwin Kisch und Kuno Knöbl; heute zählen Michel Houellebecq, Philip Roth, T.C. Boyle, Douglas Adams (don't panic!!!), Hunter S. Thompson und Daniel Kehlmann zu meinen Lieblingsautoren. Generell ist Lesen für mich so wichtig und selbstverständlich wie Atmen, Trinken und Schlafen. Leidenschaft entwickle ich außerdem für gutes Essen und schöne Weine (vorzugsweise vom Wagram), ferne Länder (wenn ich sie mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden darf) sowie die Fußballklubs Rapid Wien (ja, ich bin leidensfähig!) und FC Barcelona.

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