Kroatien auf dem Rad: Das ganze Land ein Nervenkitzel

Weil soeben "Das große Adria-Radreisebuch" erschienen ist: Notizen eines KURIER-Redakteurs, der auf Kroatiens Straßen öfters sein Leben riskiert.

Es macht keinen Unterschied, ob man auf der anno 1779 eröffneten Jozefina von Karlovac durch die Lika zur Hafenstadt Senj radelt. Oder irgendwo auf der Magistrale zwischen Rijeka und Dubrovnik. Oder auf den Straßen von Zagreb oder Split. Oder in der Tiefebene an der Save oder Donau. Oder auf einer der Adria-Inseln. Alles probiert – kein Vergleich. Rad-Angebote in Österreich können mehr.

Ja, auch Kroatien bietet viel Abwechslung. Aber, geneigte Leserin, geschätzter Leser, auf dem Fahrrad sind Sie, verzeihen Sie diesen Ausdruck, Freiwild für unzählige Uneinsichtige in ihren tonnenschweren Automobilen.

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Wenn das linke Knie kitzelt

Hundert Mal und mehr schoss bei mir das Adrenalin, weil wieder einmal der Luftzug von sehr viel Blech mein linkes Knie kitzelte. Die 1,5-Meter-Abstand-Regel gilt in Kroatien nur auf dem Papier. Besonders beliebt sind auch Überholmanöver vor nicht einsehbaren Kurven. Und haben Sie Ihr Ziel heil erreicht, dann wird dort ziemlich sicher keine Bahn auf Sie warten. Denn Kroatien hat so ziemlich die mieseste Eisenbahninfrastruktur in der EU.

Man kann natürlich trotzdem Das große Adria-Radreisebuch herausgeben. Der Styria-Verlag und sein Autor Thorsten Brönner waren aber so schlau, wenngleich geografisch etwas unscharf, Friaul-Julisch Venetien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro ins Buch (272 Seiten, 32 Euro) aufzunehmen.

Die Entdeckung der Rad-Urlauber

In Slowenien beispielsweise sind schon deutlich mehr Menschen auf einem Fahrrad gesessen als in Kroatien, kennen daher auch die ungeschützte Perspektive der Radfahrer. Und in BiH gibt es unzählige kleine Straßen, da wird man selten von einem Pkw überholt.

Langsam, speziell in Istrien, erkennen die kroatischen Touristiker auch die Kaufkraft der Radurlauber. Nach jedem Winter eröffnen sie neue Radrouten, nicht alle gut beschildert, aber immerhin. Und in immer mehr Hotels kann man ein Bike oder E-Bike ausleihen oder sein eigenes sicher in der Garage verwahren.

Die Landschaft belohnt die Mutigen. Meine Favoriten sind:

Erstens: die Tour vom slowenischen Bahnhof Zidani Most der Save entlang nach Zagreb.

Zweitens: Inselhüpfen via Cres nach Mali Lošinj oder via Pelješac nach Korčula oder Mljet.

Drittens: Kreuz-und-quer durch das gastronomisch gut erschlossene Istrien.

Vietens: Bergauf-bergab über das Velebit-Gebirge oder aber bei Opatija auf den Učka.

Fünftens: auf dem „Iron-Curtain“-Radweg entlang der Grenzen zu Slowenien, Ungarn und Serbien bzw. entlang der Ufer der Flüsse Drau und Donau.

Top 3

  1. Von Zidani Most nach Zagreb: Nur zum Teil als Radroute angelegt (in Slowenien), entlang der mäandernden Save sehenswert
  2. Von Cres nach Mali Lošinj: Diese Tour empfiehlt sich in der Vor- und in der Nachsaison, weil: weniger heiß, weniger Verkehr
  3. Von Rovinj nach Pula: Mit Abstechern ins Innere von Istrien: mediterran, kontinental, auch kulturell abwechslungsreich
Uwe Mauch

Über Uwe Mauch

Uwe Mauch, geboren 1966 in Wien, seit 1995 Redakteur beim KURIER, Autor lebensnaher Porträts und Reportagen sowie zahlreicher Bücher, unter anderem: "Unsere Nachbarn" (2002), "Wien und der Fußball" (2007), "Lokalmatadore" (2008), "In 80 Arbeitstagen um die Welt" (2011), "Federführend. Über die Magie der Handschrift" (2013), "Stiege 8/Tür 7. Homestorys aus dem Wiener Gemeindebau" (2014), "Die Armen von Wien" (2016) sowie eines "Wien"- und eines "Zagreb"-Stadtführers.

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