Ganz nahe der Natur: Schlafen zwischen Himmel und Baumwipfeln

Florentina Welley

von Florentina Welley

Immer mehr Hotels setzen drinnen wie draußen auf Natur und mixen dazu hochwertiges Design. Die freizeit zeigt die schönsten Beispiele.

Man nehme etwas Alpin-Style, aber bitte ohne Kitsch, ein bisschen Hightech-Luxus und handgefertigtes Design, und  mischt dazu eine große Portion Natur – so könnte das Rezept von immer mehr Hoteliers, Designern und Architekten bei Planung und Einrichtung ihrer Natur-Hotels lauten.

Die Sehnsucht nach Entspannung, Ruhe und Natur wird in Zeiten, in denen das Leben von digitalen Medien bestimmt wird, immer stärker. Dass  Menschen vermehrt nach Authentizität, Heritage, Handmanufakturen und haptischen Erlebnissen suchen werden, sagte die  bekannte niederländische Trendforscherin Li Edelkoort in ihrem Report über Wohntrends der Zukunft schon 2018 voraus.

Diese Bedürfnisse setzen kreative Zimmervermieter aller Länder jetzt in ihren Konzepten um. Sie bauen Betten hoch oben am Gipfel unterm Sternenhimmel, verlegen ganze Zimmer hinaus auf die Wiese, setzen futuristisch aussehende Hütten und Schlösser aus Holz zwischen Baumwipfel oder errichten Zimmer in ehemaligen Scheunen und Bootshäusern. Ein gutes Beispiel dafür sieht man an obigem Foto vom Bergdorf Priesteregg. Direkt am Rand des hauseigenen Forsts schläft man geschützt im gemütlichen Zirbenholzbett. In der Wilderer Villa im Premium-Eco-Resort Priesteregg, Leogang, Salzburg, ergänzen sich Natur, Hightech und modernes Design harmonisch. Kuschelige Lammfelle im Schlafzimmer, eine Regendusche von Dornbracht im Bad und jede Menge vom Hotelier selbst entworfene und handgefertigte Möbel aus regionalem Holz. priesteregg.at

©CHRISTIAN SCHNEIDER PHOTOGRAPHY

Baumsauna Längenfeld, Tirol. Das Wellnessen direkt zwischen Bäumen im Natur-Spa mit Baumsauna wird hier zu einem naturnahen  Erlebnis.  „Best Rooms“ im Naturhotel Waldklause in Längenfeld, Ötztal, sind die Panorama Poolsuite und die  Waldklause Suite, mit Blick auf Baumwipfel und einem Bad aus Holz und  Schiefer. In der Küche gibt es  regionale Bioprodukte, waldklause.at

Natur als neuer Luxus

Wenn die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeit verschwimmen, wie es immer öfter der Fall ist, zieht es die Menschen in der Freizeit aufs Land und in die freie Natur, um der Großstadt zu entgehen. Wälder, Wiesen, Almen und Berggipfel  sind schon jetzt die neuen Zufluchtsorte für Businessnomaden.

©PR/Beigestellt

Design in der Natur  Leogang, Salzburg. Im Ferienhaus am Sonnenhügel, dem Senhoog, zeigt sich  Luxus in Form von Designermöbeln in Höhenlage. So lauscht man zum Beispiel im Chalet Gipfelkreuzliebe auf einer Baxter-Couch sphärischen Klängen, die aus einer Poet-Audio-Anlage tönen. Gratis  dazu gibt es den Blick aus dem Panoramafenster nach Saalfelden, senhoog.com

Wenn dort auch noch  Hotels  oder Chalets stehen, deren DNA die reine Natur  ist – umso besser. „Wir  lassen  bei der Ausstattung  unserer Villen im Bergdorf Priesteregg beispielsweise das Holz selbst arbeiten, zeigen es mit Sprüngen und Rissen und machen daraus extravagante Betthäupter oder Duschwände wie etwa in  der Wilderer Villa“, sagt Naturliebhaber Huwi Oberlader, der mit seiner Frau Renate auch für das Interior-Design seines Eco-Resorts verantwortlich ist. „Unsere Gäste wollen zwar denselben Komfort wie daheim, aber trotzdem einen Kon-trast zum Alltag. Den schaffen wir mit  Natur drinnen wie draußen.“ Diese Aussage spiegelt das wieder, was Wohntrendberichte sagen: Natur hautnah aber dennoch geschützt erleben, wird zum neuen Luxus. Heute vermitteln Hoteliers mit einer Einrichtung, die Minimalismus mit Behaglichkeit verbindet, ein Feeling, das Erleben und  Heritage beinhaltet.

©Die Ramenai

Baumbett  Ulrichsberg, Oberösterreich. Wer frische Waldluft braucht, um gut zu schlafen, ist hier richtig. Nur schwindelfrei sollte man sein. Denn das Baumbett im Böhmerwald, Oberösterreich, befindet sich inklusive einer  Lounge hoch oben zwischen schwankenden Wipfeln.    Buchbar bis Ende Oktober, Kinder finden  in der Lounge Platz. Zur Übernachtung gibt es das Waldlerpaket dazu, gefüllt mit vielen regionalen Köstlichkeiten. Die Ramenai, ramenai.at

Dazu mixen sie oftmals  ein individuelles Symbol, das ihrem Standort entspricht, wie etwa Gams, Edelweiß oder  eben regionales unbehandeltes Holz – und fertig ist der  Alpin-Style, der den Gästen Geborgenheit  vermittelt – ein Konzept, das mit Natur und Emotionen arbeitet, wie es Trendexpertin Li Edelkoort voraussagte. So werden  in großflächige Fenster, die die Natur von draußen  ins Zimmer holen sollen, zusätzlich urige Bauernfenster eingebaut, die an Tradition und Handwerk erinnern.

©PR/Beigestellt

Eremiten-Menü  Schwende, Schweiz. Seit 1860 steht das Berggasthaus Aescher  Wildkirchli in dieser Form  an diesem atemberaubend schmalen Felsvorsprung. Pfarrer Ulmann war 1658 der erste Eremit, der in der Klause im Wildkirchli  wohnte.   Heute wird hier regionale Kulinarik serviert, wie  etwa Ribelmais aus dem Rheintal, aus dem  Polenta zubereitet wird, aescher.ch

Und weil der Blick auf die Bäume vor dem Fenster auch die Sinne der Gäste  indoor belebt, ergänzen Designer und Architekten einfaches Design aus Naturholz  gerne mit Wohnaccessoires wie weichen Lammfellen, Wolldecken oder  Strickpoufs, um auch das menschliche Bedürfnis nach Behaglichkeit zu befriedigen.

©Milandes Treehouse

Ein Schloss am Baum  Périgord, Frankreich. Schon einmal  im Baumwipfel geplantscht? Über dem alten Schlossgraben, in einem Eichenhain in der  Dordogne, liegt die Familienhütte Milandes.  Das kleine Baumschloss ist mit einem   Whirlpool für 2 bis 4 Personen ausgestattet, Tische und Stühle stehen verwurzelt auf der Terrasse. chateaux-dans-les-arbres.com, perigord.com

„Das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung wird im Hotelbereich immer präsenter“, sagt auch Innenarchitekt Henning Weimer vom Linzer destilat Design Studio, wo zurzeit  mehrere Hotels geplant werden. „Es soll und muss die Verwendung von Natur- und Recyclingthemen alltäglich werden, darf aber den Gästen nicht aufgezwungen werden. Wesentlich ist, dass Funktionalität mit einem einzigartigen Design einhergeht.“ Auch, dass hochwertige Materialien, Schlafkomfort und edle Bettwäsche für Gäste immer wichtiger werden, weiß Weimer. „Im Hotel trifft Freizeit auf Business, Weltoffenheit  und Regionalität.“ 

©Markus Weiss/www.pfahlbau-neusiedlersee.at

Fischfang zum Frühstück Rust, Burgenland. Wer sich gerne am Wasser aufhält, ist in dieser Hütte am Neusiedlersee gut aufgehoben. Sie hat ein Dach aus Schilf, ist komplett aus Holz und steht  auf Pfählen im Wasser. Ein Boot, das direkt am Steg liegt, gehört dazu. Insgesamt drei Hütten stehen in der Romantika-Siedlung im Schilfgürtel zwischen Rust und dem See für Gäste bereit und  können  für 2021 vorausgebucht werden. Von Mitte November bis ca. Anfang/Mitte April geschlossen, pfahlbau-neusiedlersee.at

Dass Natur als Trendsetter boomt,  zeigt sich  an den vielen Angeboten am Markt, vom  einfachen Bett im Baumwipfel bis zum luxuriösen Designzimmer im Bergresort. Das wird auch von einer Studie der WKO des Fachverbands der Hotellerie Österreichs bestätigt.

©Zero Real Estate

Ein Tal als Zimmer Safiental, Schweiz Zimmer ohne Dach und Wände gefragt? Wer hier übernachten will, braucht gutes Wetter. Die Künstlerbrüder Frank und Patrik Riklin haben in den Schweizer Bergen ein Hotel, besser gesagt ein Zimmer, unter freiem Himmel errichtet.  Wenn es nicht  belegt oder das Wetter schlecht ist, verschwindet es einfach unter einer Plane.  Hier hat der Gast das ganze  Tal als Hotelzimmer, und Fernsehen bedeutet Sterne schauen. Das Frühstück wird vom benachbarten  Bauern serviert. Bei Interesse an dem „immobilienbefreiten“ Hotel kann man sich unter zerorealestate.ch registrieren. Null Stern Hotel, nullsternhotel.ch

Demnach wünschen sich Gäste von Hotels im alpinen Bereich Stile, die von urig bis „moodig“ (also stimmungsvoll) reichen.
Das heißt, auch in Sachen Service  gibt es einen  Wertewandel bei den Gästen: der „neue Luxus“, der gewünscht wird, soll auch Gefühle  vermitteln. Ein Service, das mit Design sogar Erleben und Wertigkeit als „spirituellen Mehrwert“ mitliefert und das über das  Notwendige  hinausgeht, bedeutet für den Gast Sorglosigkeit und Entlastung vom Alltag. So werden sich Gäste, für die Tradition besonders wichtig ist, für ein Hotel entscheiden, in dem das Interior-Design vorwiegend von Hand gefertigt wurde und damit Authentizität und Geborgenheit vermittelt.

©Giuseppe Ghedina

Mit Sternen im Bett Cortina d'Ampezzo, Falzarego-Pass, Italien Rundum Dolomiten, vis-à-vis die schneebedeckte Marmolada, mitten am Falzarego-Pass und wenige Kilometer von Cortina d'Ampezzo steht dieser 360 °-Starlight-Room. Das Mini-Chalet kann bequem mit dem Auto erreicht werden und ist auch im Winter geöffnet. Und ein WC gibt es hier auch. Wer bucht, bekommt ein uriges Südtiroler-Menü dazu, rifugiocolgallina.com

Winterliche Wohntrends

Möbel aus Holz, wärmende Kuschelfelle und Heimtextilien,  Accessoires aus Ton oder Stein, finden sich heuer in Naturhotels und  Interior-Shops. Die Farben zeigen sich  in Naturweiß, Grün- und Brauntönen und spiegeln wider,  was  der Trend vorgibt: Natur  drinnen wie draußen.

©Thomas Pitterl

UFO mit Garten Nußdorf-Debant, Lienz, Tirol Wer sich nicht entscheiden kann, ob er lieber in einem Ufo oder einem Iglu übernachten will, ist hier richtig. „Ufogel“ ist ein außergewöhnliches Haus, komfortabel ausgestattet und fast vollständig aus Lärchenholz gefertigt. Manchmal sieht es aus wie ein Urvogel, manchmal wie ein Wohnobjekt von einem anderen Stern. Es steht mitten in der Natur in Nußdorf-Debant, Osttirol, ufogel.at

Florentina Welley

Über Florentina Welley

Mag. Florentina Welley ist seit 2006 bei der freizeit und schreibt über ihre Lieblingsthemen: Mode und Reise gemischt mit einer Prise Lifestyle im Zeitalter web 2.0 und Social Responsibilty. Sie kann und kennt so gut wie alles: Sie war beim Film, u.a. als Co-Produzentin für den österreichischen Spielfilm "Die toten Fische", in der Werbe- und Medienbranche für Konzepte, Texte und Modeproduktionen, machte Styling, Regieassistenz, Ausstattung und Kostümbild. Und war Modechefin bei WOMAN, ehe sie zur freizeit wechselte. Ach ja, und dann konzipierte die Journalistin Modeproduktionen für die freizeit und macht als Freelancer Kunst- und Design-Events und mehr. Ihre Themenschwerpunkte bei der freizeit sind Mode, Reise, Lifestyle, Design, Kunst.

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