Überdrüber: Die außergewöhnlichsten Tennisplätze der Welt

In luftigen Höhen oder am Meeresgrund – Hauptsache der Ball geht übers Netz. Tennisplätze beflügeln die Fantasie.

Exakt 23.711 Menschen passen ins Arthur Ashe Stadium. Damit ist das Bauwerk im New Yorker Stadtteil Queens das größte reine Tennisstadion der Welt. Auch wenn es kapazitätsmäßig nicht mit den großen Fußballplätzen mithalten kann, für Tennisfans gilt es als einer der „Places to be“. Die Stimmung in dem Bau mit mobilem Dach, das sich in sechs Minuten schließen lässt, soll unschlagbar sein. Aber nicht nur wirklicher Sport begeistert die Massen, auch E-Sport ist dort angesagt. 2019 kamen 19.000 Menschen und sahen sich an, wie sich Computerspieler gegenseitig bei Fortnite eliminierten. Die meisten Besucher zu einem Tennis-Match überhaupt, nämlich 27.448, kamen zum Daviscup-Finale 2014 zwischen Frankreich und der Schweiz in den Multifunktionsbau Stade Pierre-Mauroy im französischen Villeneuve-d’Ascq, das mitunter die Heimstätte des OSC Lille ist.

Auch in Österreich gab es stattliche Zuschauerzahlen als 1990 Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander Antonitsch für eine bis dahin nie da gewesene Tennis-Begeisterung sorgten. Sie traten im Davis Cup gegen die USA und so klingende Namen wie Andre Agassi und Michael Chang im Ernst-Happel-Stadion an. 17.000 Menschen ließen sich das pro Spiel nicht entgehen. Was alle diese Orte eint: Sie sind Orte historischer Spiele. Nur so richtig spektakulär sehen sie allesamt nicht aus. Aber es gibt sie, die wirklich aufregenden Plätze, wo man den kleinen gelben Filzball übers Netz dreschen kann. Die freizeit hat sich auf die Suche nach ihnen gemacht und gefunden.

Himmlisch

Burj Al Arab Tennis

©Warren Little/Getty Images for Tennis Emirates

In den Vereinigten Arabischen Emiraten muss es  stets extrem hergehen. Größer, höher, teurer, spektakulärer (und auch unmoralischer). In Dubai wurde 2005 der Hubschrauber-Landeplatz des  Burj Al Arab vorm „Duty Free Men's Open“ in einen temporären grünen Tennisplatz umgewandelt. Und weil man sich nicht lumpen ließ, spielten dort die beiden ehemaligen Wimbledon-Champs Andre Agassi und Roger Federer ein Match. Federer beschrieb das Spielgefühl als „unglaublich“. Was denn  sonst?

Tennistempel

Tennis Milano Mailand Sao Paolo

©APA/AFP/MIGUEL MEDINA

Wenn die barocke Statue zum Ballkind wird und Apostel Paulus zum Beobachter eines Spiels. In Mailand baute der Künstler Asad Raza einen voll funktionsfähigen Court in die Sao-Paolo-Kirche. Der New Yorker Kreative sagte, er wollte aus einem heiligen Ort der Kommunikation mit höheren Wesen einen Raum der persönlichen Entfaltung und Erholung schaffen.  Der Sakralbau wird übrigens schon seit 1808 nicht mehr als solcher genutzt. Er war bereits eine Lagerhalle, eine Konzerthalle und ein Tonstudio.

Ideal für Anfänger

Tennis Schottland Bunabhainneadar Tennis Court

©Beigestellt

Es gibt ja einige, die wollen keine Zuschauer beim Tennisspielen, etwa weil sie es noch nicht so gut können.  Für diese Menschen wäre der  „Bunabhainneadar Tennis Court“ auf der schottischen Insel Harris ideal. Denn der gilt als einer der isoliertesten der Welt. Noch dazu liegt er auf der höchsten Erhebung des Eilands auf rund 800 Metern Seehöhe. Ab und zu schauen auch britische Tennisspieler vorbei. Andy Murrays Mutter meinte einmal: „Das einzige Risiko hier ist ein Schaf auf dem Platz.“

Wie ein Fisch im Wasser

Dubai Tennis Under Water Unter Wasser  Krzysztof Kotala

©Rendering courtesy of 8+8 Concept Studio

Wieder einmal Dubai, wieder einmal Verrücktes.  Seit einigen Jahren wälzt der polnische Architekt Krzysztof Kotala die Idee, ein Unterwasser-Stadion im Meer unweit des Burj al Arab-Hotels zu bauen.  Investoren sollen schon angebissen haben.  Aber ob das bei dieser Größe auch technisch möglich ist, ist ungewiss, das Meer und die Physik können unbarmherzig sein. Es wird wohl noch einiges an Wasser die Flüsse der Welt hinablaufen, bis klar ist, ob Menschen und Fische gleichermaßen ein Match sehen werden.

Leistungskurven

IJburg Tennis Club Amsterdam

©MVRDV Architecten/Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Wer  hier rotsieht, muss nicht unbedingt auf dem Platz stehen und sich über Schiedsrichterentscheidungen aufregen. Der IJburg Tennis Club in Amsterdam ist in einem sandigen Farbton gehalten. Zehn Plätze gibt es hier auf einer künstlichen Insel im Osten der Stadt. Besonders spektakulär ist diese Tribüne, die nicht ohne Grund Couch genannt wird. 200 Menschen haben auf dieser Konstruktion Platz. Der Tennisklub lädt  Besucher sogar ein, es sich hier gemütlich zu machen, zur Ruhe zu kommen, einen Kaffee zu trinken. Ziemlich entspannt, die Holländer. Da werden wohl die wenigsten rotsehen.  

Ass mit Aussicht 

Tennis Positano Il San Pietro Amalfiküste

©il san pietro positano

Die Klippen auf zwei Seiten, im Hintergrund eine steile Treppe. Nach vorne hin öffnet sich das Meer. Wer will hier an der Amalfiküste eigentlich den Ball noch hin- und herschlagen?  Die Aussicht   ist doch schon aufregend genug.  Das Resort mit dem spektakulären Platz heißt Il San Pietro und liegt in Positano. Wer Tennis spielen will, muss vom Zimmer einige schwindelerregend aussehende Stufen hinabsteigen, dafür ist es dann zum Badeplatz und zur Abkühlung im Mittelmeer nicht mehr allzu weit.  

Privatvergnügen

John Jacob Astor IV Tennis New York

©mauritius images / Alamy Stock Photos / Michael Freeman/Alamy Stock Photos/Michael Freeman/mauritius images

Wer hat, der hat. Geschäftsmann John Jacob Astor IV ließ sich diese geräumige lichtdurchflutete Halle 1902 in New York für sich und seine Familie bauen. Sie ist Teil eines groß angelegten Komplexes. Neben dem Indoor-Platz kann man auch draußen Tennis spielen. Es gibt aber auch Räume für Squash, Bowling, einen Schießstand und eine Schwimmhalle. Leisten konnte er sich das, weil er etwa das Waldorf-Astoria-Hotel gegründet hatte. Allerdings konnte er sich am Bau nur zehn Jahre lang erfreuen. Astor starb 1912 beim Untergang der Titanic.
 

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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