Das Tor zum Licht: Unterwegs bei den Steinhofgründen

Christian Seiler geht zu den Steinhofgründen und bewundert die Otto-Wagner-Kirche.

Neben der Feuerwache Am Steinhof befindet sich das Tor zum Licht. Lassen Sie mich das erklären, bevor Sie mich kryptoreligiöser Versprechungen verdächtigen: Die Steinhofgründe, die ich betrete, nachdem ich die Johann-Staud-Straße vom Bahnhof Ottakring kommend bergauf gewandert bin, liegen in bevorzugter Südwestlage, sanft abfallend Richtung Hütteldorf, so dass die Sonne die Wiesen zu jeder Jahreszeit mit Licht und Schönheit auflädt – außer natürlich, der Hochnebel hindert sie daran. Aber heute hat sich der Hochnebel schon aufgelöst, und über den Steinhofgründen liegt der gewohnte, aber nie gewöhnliche Zauber.

Ich gehe zuerst den Weg, der Richtung Rosental führt. Dort steht über den Wiesen eine Scheune, vor der Sitzgelegenheiten angebracht sind. Dort verliere ich mich in der Betrachtung der Wienerwaldhügel, deren Konturen aussehen, als wären sie von einem aufmerksamen Mitarbeiter der Schöpfung hübsch und sanft hintereinander geschlichtet worden, damit wir Menschen Freude an ihrem Anblick haben, grün, blau, ocker und grau.

Goldene Kuppel

Fast entscheide ich mich, im nahen Schutzhaus Rosental einen Imbiss zu nehmen, aber dann lockt mich doch die goldene Kuppel der Otto-Wagner-Kirche, die ich vorhin schon blitzen sah, und ich spaziere hinüber zu diesem besondersten unter den besonderen Plätzen der 116 Jahre alten Krankenhausanlage auf der Baumgartner Höhe.

©Klobouk Alexandra

Die Kirche steht da, mächtig und gleichzeitig leicht, aber da stört mich etwas: Es ist der Bauzaun, der zwar den Zugang zur Kirche erlaubt, nicht aber die Schritte, die ich zurücktreten möchte, um das Bauwerk in seiner ganzen Dimension zu erfassen. Außerdem hindert mich dieser vermaledeite Zaun daran, meinen Spaziergang wie geplant Richtung Hütteldorf fortzusetzen, an den schönen, teils abgerockten Pavillons vorbeizuschlendern.

Immer dem Zaun entlang

Einzelne gehören zur Klinik Penzing, über die Bestimmung der anderen weiß ich nicht viel mehr, als dass die CEU, die Central European University, die sich hier einmieten und dafür sorgen wollte, dass das großartige Ensemble renoviert und einer sinnvollen Bestimmung zugeführt wird, nun doch einen anderen Standort sucht. Wie schade. Das höchst verdienstvolle Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands wird dem Vernehmen nach in einen Pavillon einziehen, das ist immerhin eine gute Nachricht. Ich verlasse die Kirche und gehe immer dem Zaun entlang, um eine Lücke zu finden.

Auf der anderen Seite kommt mir eine Familie entgegen, die nach derselben Lücke sucht. Sie kommen aus Hütteldorf, der Haupteingang zur Anlage sei offen gewesen. Jetzt wollen sie zur Kirche, finden aber keinen Durchschlupf. Wir versichern einander, dass wir gemeinsam ratlos sein wollen, und verabschieden uns. Ich finde schließlich durch eine Pforte in der Umgrenzungsmauer hinaus auf den Heschweg, der in die Sanatoriumsstraße mündet, und steige, der Mauer folgend, hinunter ins Tal, voller Hoffnung, dass die Schönheit dieses Orts uns allen auch in Zukunft erhalten bleibt.

Die Route

Bahnhof Ottakring – Johann-Staud-Strasse – Steinhofgründe – Heschweg – Sanatoriumsstrasse – Busstation 48A: 9.000 Schritte

Christian Seiler

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