Rendezvous zweier Königinnen: Wie Marilyn Monroe auf die Queen traf

Eine Prinzessin ist schuld, warum Marilyn Monroe unbedingt die Queen treffen wollte. Schauplatz London, ein Abend vor 66 Jahren.

Faszinierend, glamourös, atemberaubend attraktiv; mit einem Wort, nein, mit zwei Buchstaben: MM.

Marilyn Monroe also. In der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 ist ihr strahlender Stern für immer verglüht. Vom Pin-up-Girl namens Norma Jean hat es die Schauspielerin in knapp zehn Jahren zum blonden Markenzeichen Hollywoods gebracht. Sogar 60 Jahre nach ihrem Tod gehört sie zu einer der größten Legenden des 20. Jahrhunderts.

Während ihrer Karriere traf Marilyn Monroe Sportler, Schriftsteller und Politiker. Kein Wunder, war sie ja auch mit Baseballer Joe DiMaggio und Dramatiker Arthur Miller verheiratet. Für US-Präsident John F. Kennedy hat sie "Happy Birthday" gehaucht. Und sicher auch noch so manche Liebesflüsterei. Neben Sukarno, dem Gründungsvater des modernen Indonesien, hat sie eine Party im Beverly Hills Hotel besucht. All das ist mehr oder weniger bekannt. Aber ihr kurzes Meeting mit Queen Elizabeth II. ist ziemlich in Vergessenheit geraten.

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Die Gelegenheit ergab sich, da die Monroe sich Mitte der 1950er-Jahre in den Kopf gesetzt hat, ernsthafte Schauspielerin zu werden. Dazu brauchte sie einen guten Stoff. Und einen seriösen Schauspieler, am besten einen von der Theaterbühne.

Der Stoff war das Bühnenstück "Der Prinz und die Tänzerin". Marilyn Monroe zahlte höchstpersönlich 125.000 US-Dollar für die Filmrechte. Der Schauspieler mit dem Shakespeare-geprüften  Laurence Olivier quasi englischer Nationalheld.

Dumm nur, dass Olivier hier auch die Regie übernommen und sich dafür ausgerechnet eine "sexy" Filmpartnerin ausgemalt hat. Die Monroe aber wollte eine puristische Method-Acting-Nummer ohne viel Augenklimpern oder Hüftwackeln durchziehen. Die Folge war eine unübersehbare Spannung am Set. Die Anwesenheit von Paula Strasberg bei den Dreharbeiten tat ein übriges, dass Laurence Olivier zickte. Und die Monroe schmollte.

Der Star & die Queen

So gesehen, war es für den Star aus den USA eine Wohltat, dass ihm während der Dreharbeiten der gefühlte Rest der Briten zu Füßen lag. Als Dreijährige hatte Marilyn an der Hand ihrer Mutter Gladys, einer Filmcutterin, einen Märchenfilm im Grauman's Egyptian Theatre am Hollywood Boulevard gesehen. Seither sah sie sich als Prinzessin, die nur von einem Frosch erweckt werden müsse. DiMaggio? Miller? Da ist es doch gleich besser, eine Audienz bei einer Königin zu bekommen.   

Mit Drehort in London nichts leichter als das. Marilyn auf dem Weg zum Damenschneider. Sie brauchte eine passende Garderobe für ihre Begegnung mit der nur fünf Wochen älteren Königin Elizabeth II. anlässlich der Royal Comand Performance von "The Battle of the River Plate" im Oktober 1956. Augenzeugen bestätigten: MM betrat den Salon blass und schüchtern und verließ ihn gelassen und voller Selbstvertrauen in einem golden schimmernden Kleid.

Wir wissen nicht, welche Worte sie genau wechselten und wie lange genau sie sich an der Hand nahmen . Aber das Foto beweist: Die beiden jungen Damen strahlen und freuen sich aufrichtig, Bekanntschaft gemacht zu haben. Die eine mit einem Lächeln und einem Krönchen, die andere mit einem Dekolletee, das fürihre Verhältnisse fast schamhaft war.

Das Kleid. Neben der "Geburtstagsrobe" für JFK und dem U-Bahn-Luftschacht-Kostüm aus "Das verflixte 7.Jahr" bleibt es als ikonisches Kleid der MM in Erinnerung.

Und die Dreharbeiten selbst wurden vor einigen Jahren zum Filmstoff: "My Week with Marilyn" mit Michelle Williams in der Rolle der MM und Kenneth Branagh als Laurence Olivier. 

Smalltalk unter Göttinnen

Aber was wird so geplaudert von Sexgöttin zu Queen und umgekehrt? Ohrenzeugen zufolge lief die Meet-and-Greet-Zeremonie so ab: Zuerst schaute die damals erst 30-jährige Elizabeth II. den Hollywoodstar von oben bis unten kurz an. Marilyn gab artig Händchen und führte formvollendet den zuvor einstudierten Hofknicks aus. Für einige Minute sollen sich die beiden gleichaltrigen jungen Damen sodann über den schönen Park von Schloss Windsor unterhalten haben. 

"Wir lieben ihn", schwärmte Marilyn, "Mein Mann und ich haben sogar die Erlaubnis bekommen, im Park mit den Fahrrädern herumzufahren."

Und sonst? No comment. Es war ein Gespräch unter Frauen. Der Prinzgemahl hatte eben einen offiziellen Trip auf der königlichen Yacht "Britannia" angetreten. Und das Zeremoniell hat nicht vorgesehen, dass Arthur Miller face to face auf die Queen trifft.   

 

Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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