Klimts "Insel im Attersee" kommt in New York zur Auktion

Das Bild, das einst dem Emigranten Otto Kallir gehörte, wird auf rund 45 Millionen US-Dollar geschätzt

Es zeigt einen See, doch es ging über den großen Teich: Das Landschaftsbild "Insel im Attersee", 1902 während Gustav Klimts erstem Sommerhaufenthalt in Litzlberg entstanden, gehörte über lange Zeit hinweg Otto Kallir, dem Gründer der "Neuen Galerie", der heutigen Galerie St. Stephan in Wien. 1939 musste Kallir emigrieren - zuerst nach Paris, wo er die "Galerie St. Etienne" (französisch für St. Stephan) gründete, und später nach New York, wo er eine Galerie unter gleichem Namen eröffnete. Als er dort 1959 die erste Klimt-Solo-Schau in den USA veranstaltete, war das Werk ausgestellt.

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Am 16. Mai kommt das Gemälde nun bei Sotheby's zur Auktion: Der Schätzwert wird "in der Region von 45 Millionen US-$" angegeben. Der Auktionsrekord für ein Landschaftsgemälde von Klimt liegt allerdings deutlich höher: Das Gemälde "Buchenwald/Birkenwald", aus dem Belvedere restituiert und später im Besitz des Microsoft-Gründers Paul Allen, erzielte im Vorjahr einen Preis von 104,5 Millionen US-$.

"Schwesternbild" im Leopold Museum

Ein vergleichbares Bild zur "Insel am Attersee" befindet sich heute im Leopold Museum ("Am Attersee", 1900). Sotheby's positioniert das nun auktionierte Gemälde als jenes Werk, das maßgeblich für die Bekanntheit Klimts in den USA war. Tatsächlich spielte die Galerie St. Etienne eine große Rolle dabei, die Epoche "Wien um 1900" in den USA bekannt zu machen. Otto Kallirs Enkelin, Jane Kallir, ist als Verfasserin des Werkverzeichnisses eine zentrale Autorität für das Werk von Egon Schiele und kuratierte auch mehrere Ausstellungen in Österreich. Bis 2021 führte sie die Galerie St. Etienne als kommerzielle Kunsthandlung, danach wurde diese zum "Kallir Research Institute" mit Non-Profit-Status umgeformt. Ob Kallir bzw. das Institut auch Einbringer des Bildes ist, wollte eine Sotheby's-Sprecherin auf Nachfrage nicht beantworten.

Michael Huber

Über Michael Huber

Michael Huber, 1976 in Klagenfurt geboren, ist seit 2009 Redakteur im Ressort Kultur & Medien mit den Themenschwerpunkten Bildende Kunst und Kulturpolitik. Er studierte Publizistik und Kunstgeschichte und kam 1998 als Volontär erstmals in die KURIER-Redaktion. 2001 stieg er in der Sonntags-Redaktion ein, wo er für die Beilage "kult" über Popmusik schrieb und das erste Kurier-Blog führte. Von 2006-2007 war Michael Huber Fulbright Student und Bollinger Fellow an der Columbia University Journalism School in New York City, wo er ein Programm mit Schwerpunkt Kulturjournalismus mit dem Titel „Master of Arts“ abschloss. Als freier Journalist veröffentlichte er Artikel u.a. bei ORF ON Kultur, in der Süddeutschen Zeitung, der Kunstzeitung und in den Magazinen FORMAT, the gap, TBA und BIORAMA.

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