Filmkritik zu "Jurassic World: Ein neues Zeitalter"

Die Originalbesetzung aus „Jurassic Park“ kehrt zurück und fusioniert mit der neuen Forschergeneration zu einem überfrachteten, wenig spannenden Actionspektakel

Knapp dreißig Jahre ist es her, seit sich Steven Spielberg einen Kindheitstraum erfüllte und in seinem „Jurassic Park“ furchterregende Dinosaurier über die Leinwand scheuchte. Dem Publikum von 1993 blieb global der Mund offen stehen, als sein Tyrannosaurus Rex röhrend sein Haupt erhob. Väter mussten mit ihren brüllenden Kindern eilig den Kinosaal verlassen, so angsteinflößend lebensecht sahen die Riesenechsen aus.

Mit einem Produktionsbudget von rund 63 Millionen Dollar – nach heutigen Blockbuster-Standards ein Nasenrammel – setzte Spielberg innerhalb der Computeranimation neue Maßstäbe. Die gigantischen Einspielergebnisse lohnten seine Mühen: Bis zum Stapellauf von James Camerons „Titanic“ galt „Jurassic Park“ als der erfolgreichste Film aller Zeiten.

Seitdem gingen die Dinos kassenträchtig in Serie: Es folgten die Fortsetzungen „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (1997) und „Jurassic Park III“ (2001); danach startete mit „Jurassic World“ (2015) eine Trilogie, die mit „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (2018) weiterging und nun mit dem neuen, sechsten Teil „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ hoffentlich sein Ende findet.

Um emotional an den ersten Teil anzuschließen, wurde die Originalbesetzung der „Jurassic Park“-Crew (Laura Dern, Sam Neill, Jeff Goldblum) mit der neuen Generation der „Jurassic World“-Crew (Chris Pratt. Bryce Dallas Howard, Isabella Sermon) zusammengespannt.

Die Lieblingsveteranen aus den 90er-Jahren versetzen der Handlung zwar einen herzerwärmenden Nostalgieschub, bewirken aber auch eine heillose Überfrachtung des Drehbuchs.

Heuschrecken

Vier Jahre, nachdem die Insel Isla Nublar zerstört wurde, leben die Dinosaurier über den gesamten Globus verstreut. Das Zusammenspiel mit den Menschen erweist sich als höchst angespannt. Gut möglich, dass man auf hoher See seine Netze auswirft und versehentlich einen Dino angelt, der mit einem einzigen Happs das Boot versenkt. Oder beim Joggen am Strand von Flugsauriern attackiert wird, die einem ins Ohr pecken. Wie ein friedliches Zusammenleben mit den Fressechsen aussehen könnte, wäre tatsächlich eine spannende Filmfrage gewesen, stößt bei Regisseur Colin Trevorrow aber leider auf kein Interesse.

Drohender Dinosaurier:Bryce Dallas Howard in "Jurassic World: Ein neues Zeitalter"

©UPI

Stattdessen fallen genetisch manipulierte Heuschrecken dackelgroß über die Felder her und vernichten die Ernte. Eine spannungsarme Spur führt zu einem Konzern namens Biosyn, wo ein Milliardär dubiose Gen-Experimente veranstaltet und eine Menge Dinosaurier im Umland beherbergt. Sowohl das „Jurassic Park“-Team, als auch die „Jurassic World“-Besatzung macht sich – aus unterschiedlichen Gründen – auf den Weg Richtung Biosyn.

Wie bei Bond

Zweikämpfe zwischen Riesenechsen, ein Flugzeugabsturz, die Entführung einer geklonten Teenagerin, Dino-Schmalz mit herzigen Jungtieren und diverse Actionsequenzen mit zwei Forschergenerationen beanspruchen viele Handlungsfäden. Und nicht selten sorgt das Erzählgarn für Verwirrung. Denn „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ möchte mehrere Filme gleichzeitig sein. Gen-Thriller, Dschungel-Action, „Indiana Jones“-Abenteuer, Dino-Horror und Coming-of-Age-Story sind nicht genug. Bei einer wilden Verfolgungsjagd per Motorrad durch die Gassen von Malta fühlt man sich plötzlich wie mitten in der James-Bond-Reihe: Trotz vieler Dinosaurier keine Zeit zu sterben.

INFO: USA/Malta 2022. 146 Min. Von Colin Trevorrow. Mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard.

Verfolgungsjagd durch Malta: Chris Pratt in "Jurassic World: Ein neues Zeitalter"

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Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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