Filmkritik "Stasikomödie": Spion in der Opposition

Leander Haußmanns Ostalgiestück um einen Stasi-Spitzel bleibt farblos.

Mit der Ansage „Jeder Mensch hat das Recht, seine Jugend zu verklären“, startete Leander Haußmann seine erinnerungsfreudige DDR-Trilogie. Seine Komödie „Sonnenallee“ ging durch die Decke und begründete praktisch das Genre der Ostalgie – der nostalgischen Erinnerung an die DDR. Dann folgte die weniger erfolgreiche Satire „NVA“ über die Nationale Volksarmee – und verendet nun mit dem dritten Teil in der „Stasikomödie“.

©Constantin

Die Anleitung zum Lachen steht bereits im Titel und kann, dank einiger Schmunzelwitze, auch befolgt werden.

Doch findet Haußmann zwischen Komödie, Groteske und Drama zu keinem überzeugenden Erzählton. Weder richtig komisch noch emotional packend, mäandert er durch eine männerlastige Geschichte rund um einen Erfolgsautor namens Ludger Fuchs, der in der DDR als Oppositioneller gefeiert wurde und im heutigen Berlin als erfolgreicher Buchautor lebt. Auf Drängen seiner Familie lässt er sich seine Stasi-Akten aushändigen und zieht einen kompromittierenden Liebesbrief aus dem Ordner.

Prenzlauer Berg

In Rückblenden rekapituliert Fuchs – als junger Bursche gespielt von David Kross –, wie er von der DDR-Geheimpolizei angeworben wurde, um in die Alternativszene am Prenzlauer Berg einzudringen. In einer Art Lustspielversion eines Dramas wie „Das Leben der Anderen“ wirft sich Fuchs in eine Levis-Jeans und infiltriert die Bohème, die Haußmann klischeehaft aufmarschieren lässt.

Exaltierte Frauen, die gerne ihre Brüste lüften und sich als Musen bezeichnen, und melancholische Männer, die den Gedichten Allen Ginsbergs lauschen und Songs von Bob Dylan auf der Gitarre zupfen, begeistern den Möchtegern-Spitzel und entfremden ihn von seinen Stasi-Vorgesetzten. Besonders sein Chef – ein spielwütiger Henry Hübchen mit Nikotin-verfärbten Zähnen – rückt ihm nicht von der Pelle und will Ergebnisse sehen.

Mit üppiger, fast schon theaterhafter Ausstattung wird die Ostberliner Lebenswelt beschworen, in deren Clubs die Barkeeper bei der Forderung nach einem Rosé einfach Weißwein und Rotwein zusammenschütten.

Diese manchmal recht gelungenen Details verpuffen jedoch im durchlöcherten Handlungsgefüge: Wie es Ludger Fuchs schafft, sich vom Stasi-Agenten zum großen DDR-Oppositionellen zu mausern, verlangt wenig überzeugende Erzählvolten.

Vielleicht ist die Zeit der Ostalgie auch einfach vorbei.

Alexandra Seibel

Über Alexandra Seibel

Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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