Sensation! Elvis kommt zu den Filmfestspielen von Cannes

Hast du Töne! In Cannes geigen Filme über Elvis, Jerry Lee Lewis und David Bowie groß auf.

Eigentlich erstaunlich, es gibt 31 Spielfilme mit Elvis Presley, vom Western „Pulverdampf und heiße Lieder“ bis zur Romanze „Ein himmlischer Schwindel“. Die schillernde Lebensgeschichte des King of Rock ’n’ Roll hingegen schaffte es zu kaum einer Handvoll Verfilmungen. Die bisher letzte ist ein Fernsehzweiteiler aus dem Jahr 2005: „Elvis Presley. Aufstieg und Fall des King“.

Der irische Schauspieler Jonathan Rhys Meyers („Kick It Like Beckham“, „Die Tudors“) schlüpfte damals in die Kostüme des ersten Gesamtkunstwerks der Rockmusik, Randy Quaid spielte seinen sagenumwobenen Manager „Colonel“ Tom Parker. Konfektionsnummern, die wohl für beide etwas zu groß waren. Das soll sich mit „Elvis“ ändern, und das wird sich auch ändern. Nicht ganz zufällig rollen die Internationalen Filmfestspiele von Cannes dafür den roten Teppich aus.

Regie führt mit Baz Luhrmann einer, der weiß, wie schmal der Grat zwischen Kitsch, Komik und Dramatik sein kann. Und, wichtiger noch, mit dem zweifachen Oscar-Preisträger Tom Hanks wirkt hier auch einer der besten Schauspieler Hollywoods mit. Dieses Hollywood „kidnappte“ einst den Sänger Elvis Presley , um ihn zu einem Filmstar zu machen.

Nein, Tom Hanks spielt nicht Elvis. Er verkörpert mit jeder Faser seiner darstellerischen Fertigkeit jenen Mann, der als erster kapiert hatte, wie man ein Jugendidol zu barem Geld macht: der niederländisch-amerikanische Talentmanager Dries van Kuijk, besser bekannt als „Colonel“ Tom Parker.

Musiker als Marke

Legendär an Parker ist nicht nur seine 25-prozentige Managerprovision. Er verwandelte den Musiker Elvis in eine Marke: Bei mehr als 50 Produkten – vom Schal über Turnschuhe bis zum Plattenspieler – naschte er unter der Trademark Elvis mit. Und nicht nur das. Der gewiefte Geschäftsmann mit dem biederen Look machte sogar Ansteck-Buttons mit dem Aufdruck „I hate Elvis“ zu Geld. Zwanzig Jahre lang ging das Gespann King und „Colonel“ durch dick und dünn.

Der Titel wurde letzterem geschenkt, weil dieser für den Gouverneur von Louisiana erfolgreich eine Wahlkampagne durchgeführt hatte. Der King hingegen bekam seinen Titel dank seiner harten, ehrlichen Arbeit verpasst. Als er frühzeitig abdanken musste, im August 1977, befand er sich allein im Badezimmer seiner Ranch „Graceland“.

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©APA/AFP/MANDEL NGAN / MANDEL NGAN

Die von zahlreichen Mythen umrankte Geschichte dieser Beziehung war vor fast 20 Jahren Thema des aufsehenerregenden Buchs „The Colonel“. Für die Autorin Alanna Nash hatte die Verbindung zwischen dem Megastar und dem Manipulator Shakespearsche Züge. Man darf also gespannt sein, wie dramatisch „Elvis“ endet.

Die letzte Verfilmung dokumentierte die unsterbliche Saga des Sängers nur bis zu dessen 33. Lebensjahr.

Außerirdisch: Bowie

Der reguläre Kinostart von „Elvis“ ist für 24. Juni vorgesehen. Erst im September soll „Moonage Daydream“ in den Kinos landen, eine weitere Musikerbio, die bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere hat. Kurt Cobain-Dokumentarist Brett Morgan hat dafür Tausende Stunden Archivmaterial aus dem Nachlass von David Bowie gesichtet.

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David Bowie

©APA/AFP/MARTIN BUREAU / MARTIN BUREAU

Der Titel des Mixes aus Spielfilm, Konzert- und Alltagsszenen stammt vom gleichnamigen Song des vor 50 Jahren erschienenen epochalen Bowie-Albums „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“. Versprochen wird ein Film, „der die Zuschauer auf eine Reise durch Bowies kreatives Leben mitnimmt“.

Durchaus mit Spannung erwartet wird auch ein dritter Musikfilm, der Cannes als Werbebühne nutzt: „Jerry Lee Lewis: Trouble In Mind“. Ethan Coen, eine Hälfte der musikbegeisterten Coen-Brüder, steht hinter diesem Projekt. Die Dokumentation will den verblassenden Stern des ersten wilden Rock ’n’ Roll-Pianisten etwas aufhellen.

A vaccinated 85-year-old Jerry Lee Lewis renews marriage vows with 7th wife Judith at his ranch in Nesbit
©REUTERS / KAREN PULFER FOCHT
Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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