Filmkritik zu "The Black Phone": Eingesperrt im Kellergeschoß

Ethan Hawke als gruseliger Serienmörder in der Horror-Verfilmung einer Kurzgeschichte von Joe Hill, Sohn von Stephen King.

Auch bei hellem Tageslicht sind die Buben einer Kleinstadt in Colorado nicht sicher. Harmlos radeln sie durch den Vorort, als auch schon ein Kleinwagen ums Eck biegt. Ähnlich wie in Stephen Kings „Es“ verkleidet sich der Killer als Clown.

Kein Wunder: Regisseur Scott Derrickson verfilmte eine Kurzgeschichte von Joe Hill, Sohn von Stephen King, und setzt dabei auf den Sepia-getönten Nostalgie-Retro-Look der späten 70er-Jahre.

Nach dem Baseball-Spiel radeln die Buben auf ihren Bonanza-Rädern durch die Suburbs und ihre Vorgärten, wie man sie aus frühen Spielberg-Filmen und Slasher-Movies kennt. Die Atmosphäre ist seltsam düster und angespannt. Auf dem Schulhof werden Außenseiter wie der junge Finney verprügelt, daheim erzieht ein alkoholsüchtiger Vater seine Kinder mit dem Gürtel. Finney hat bereits einen guten Freund an den „Grabber“ verloren. Seine kleine Schwester, die telepathische Fähigkeit besitzt, kann in ihren Träumen Hinweise auf den Serienmörder sehen. Doch letztlich tappt auch Finney auf dem Heimweg von der Schule in seine Falle. Er landet in einem Kellergeschoß, wo ein Telefon an der Wand hängt – und läutet.

Hinter der Maske des Serienmörders verbirgt sich Ethan Hawke, den man eigentlich nur aus sympathischen Rollen kennt. Doch als „the Grabber“ jagt er sowohl seinen Teenager-Opfern als auch dem Publikum die Schauer über den Rücken. In einer gekonnten Mischung aus übersinnlichem Thriller, Mystery-Horror und Coming-of-Age-Drama hält Derrickson die Spannung zwischen Psychodrama und Kettensägenmassaker.

INFO: USA 2021. 102 Min. Von Scott Derrickson. Mit Mason Thames, Ethan Hawke.

Traurige Geschwister mit schwerer Kindheit: "The Black Phone"

©UPI
Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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