Grüne Fassaden lindern die Hitze der Stadt

Wenn die Temperaturen nach oben klettern, können grüne Wände, Wasserquellen und Fernkälte einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in Städten leisten.

Die Sommer werden immer wärmer, die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad steigt stark an. Im Vergleich zur Klimaperiode 1961 bis 1990 hat sich die Zahl der Hitzetage zum Beispiel in Wien in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt. Gerade im dichtverbauten Gebiet bilden sich schnell Hitzeinseln, die den Bewohnern das Leben sehr beschwerlich machen.

Natürliche Klimaanlage

Die beste natürliche Klimaanlage sind Pflanzen. Bäume entlang der Hauswand spenden dem Gebäude Schatten. Dadurch kann verhindert werden, dass im Sommer direkte Sonneneinstrahlung in die Räumlichkeiten fällt. Vor allem Laubbäume sind aufgrund der Blätter sehr effektiv. Einen zusätzlichen kühlenden Effekt bringen Pflanzen durch die Abgabe ihrer Feuchtigkeit an die Luft.

Begrünte Fassade

Neben der Außenraumbegrünung hat auch die Begrünung einer Fassade oder des Daches im Sommer eine kühlende Wirkung auf das Gebäude. Nachhaltige Stadtviertel wie die Biotope City in Wien-Favoriten oder das Viertel Zwei in der Leopoldstadt setzten bereits bei einzelnen Wohngebäuden auf Fassadenbegrünung. Auch Hotels kühlen ihre Gebäude mit Pflanzen wie etwa das Boutiquehotel Stadthalle (Foto ganz oben) oder das Gilbert.

Viele Bundesländer fördern diese Maßnahmen. Einen Überblick gibt es bei der Umweltberatung.

Brunnen auf der Terrasse oder im Garten kühlen die Umgebungsluft ab

©Dehner

Auch Wasserstellen im Garten oder auf der Terrasse haben einen kühlenden Effekt und verbessern das Mikroklima. Zum einen können sie in Form von Brunnen, Bächen, Biotopen oder Wasserbecken die Abkühlung intensivieren. Zum anderen hilft eine gezielte Regenwasserversickerung gegen eine Überhitzung.

Fernkälte im Vormarsch

Als besonders effizientes Mittel zur Gebäudekühlung hat sich die Fernkälte entwickelt: Das Netz wird in Österreich laufend weiter ausgebaut. Laut Fachverband Gas- und Wärmeversorgung hatte das Netz Ende 2020 eine Länge von 25 Kilometern erreicht, das waren um 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Bis 2026 sollen weitere 133 Millionen Euro in den Ausbau investiert werden. Erzeugt wird Fernkälte zum größten Teil mit Absorptionskältemaschinen, die Abwärme aus der Industrie oder der Abfallverbrennung nutzen.

Ideal im Neubau

Wie bei der Fernwärme werden die Gebäude zentral versorgt. Die Kühlung kommt üblicherweise durch eine Bauteilaktivierung – also eine Kühlung an Decke oder Wände über eine Kühldecke oder durch Gebläsekonvektoren. Die Kühlleistung ist vergleichbar mit einer herkömmlichen Klimaanlage, denn die Fernkälte kommt mit einer Temperatur von 5 bis 6 Grad Celsius ins Haus.

Für die Verteilung ist ein eigenes Kühlsystem in der Hausinstallation erforderlich. Dieses ist im Nachhinein sehr aufwendig einzubauen, daher kommt Fernkälte im Wohnbereich fast ausschließlich in Neubauten zum Einsatz.

Im Vergleich zu herkömmlichen Klimageräten spart Fernkälte laut dem Fachverband Gas- und Wärmeversorgung rund 70 Prozent Energie und 50 Prozent CO2 ein.

Burkhard Hölzl, Leiter der Fernkälte bei Wien Energie, bei der Maschinenanlage der Wien Energie Fernkälte in der Zelinkagasse. Sie ist eine von insgesamt 16 Kältezentralen in der Bundeshauptstadt

 

©Kurier/Gilbert Novy

Netz wächst weiter

Drei Viertel des österreichischen Fernkältenetzes befinden sich in Wien. Die Wien Energie baut um die Wiener Innenstadt einen Ring an Kältezentralen, der 2025 geschlossen werden soll. Zu den versorgten Gebäuden der Wien Energie zählen unter anderem die Universität Wien, zahlreiche Hotels, die Nationalbank, das AKH Wien, der Austria Campus und schon bald das sanierte und umgebaute Parlament am Ring.

Fernkälte kommt auch in Linz und in Niederösterreich zum Einsatz. In Graz wird Fernkälte in ein Industriekundennetz eingespeist. Auch Kärnten setzt auf Fernkälte. Noch in diesem Jahr sollen in Klagenfurt Gebäude mit Fernkälte versorgt werden.

Über Vanessa Haidvogl

Redakteurin für Immobilienwirtschaft, Wohnen und Architektur

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