"Revenge Travel“: Die süße Rache der Pandemie-Geplagten

Jetzt wollen Urlauber alles nachholen, worauf sie in den vergangenen zwei Jahren verzichten mussten.

Abgesagte Flüge, Lockdowns und neue Virusvarianten machten Reisen in den vergangenen zwei Jahren zu einem riskanten bis unmöglichen Unterfangen. Nun sinken die Infektionszahlen, es gibt Impfstoff für alle und immer mehr Länder beenden ihre Corona-Maßnahmen. Die globale Reiselust steigt – und führt zu einem neuen Trendbegriff, der sich derzeit über die sozialen Medien verbreitet: "Revenge Travel“ oder "Revenge Tourism“, übersetzt "Rache-Reisen“.

Auf Instagram teilen Nutzer unter diesem Schlagwort Urlaubsfotos von paradiesischen Orten und außergewöhnlichen Erlebnissen. "Das Motto lautet: Jetzt erst recht“, beobachtet die Psychologin Christa Schirl. "Der Trend spricht jene an, die sich durch die Pandemie stark eingeschränkt gefühlt haben und jetzt überkompensieren. Sie wollen die verlorene Zeit nachholen und sich belohnen – zumal man ja nicht weiß, wie es im Herbst weitergeht.“

Länger, weiter, teurer

Das negativ konnotierte Wort "Rache“ richtet sich beim Revenge Travelling also nicht gegen Personen oder Länder, sondern gegen das Virus. Wie diese Rache aussieht, wird durch individuelle Vorlieben bestimmt: Manche planen jedes Wochenende einen Kurztrip, andere erfüllen sich den lang gehegten Fernreisetraum oder urlauben gleich mehrere Wochen am Stück.

Auch bei den heimischen Reiseanbietern macht sich die "Jetzt erst recht“-Haltung bemerkbar. "Wir sehen einen großen Nachholbedarf, die Menschen sehnen sich mehr denn je nach schönen Erlebnissen“, sagt Patrizia Weinberger von Tui Österreich. "Gäste buchen durchschnittlich längere Aufenthalte und haben mehr Budget für Zusatzleistungen wie eine höhere Hotel- oder Zimmerkategorie oder private Transfers.“

An den Zielen hat sich weniger geändert: Griechenland liegt vor Spanien und der Türkei, in der Ferne sind die USA und Malediven gefragt. "Auf den Malediven und Seychellen ist für Herbst schon vieles ausgebucht“, heißt es vom Verkehrsbüro, auch afrikanische Länder wie Tansania und Kenia ziehen kräftig an.

Man sollte den Trend nicht überbewerten, mahnt Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung. Mit dramatischen Veränderungen rechnet er nicht. "Auf der einen Seite ist der emotionale Nachholbedarf groß, auf der anderen Seite geraten die Haushaltsbudgets durch die Teuerung unter Druck.“ Seine Prognose: "Diese Tendenzen gleichen einander aus und wir werden uns auf dem Niveau von 2019 einpendeln.“

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Julia Pfligl

Über Julia Pfligl

Seit 2014 beim KURIER, Ressort Lebensart

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