Murnau am Staffelsee: Im "Blauen Land" Ödön von Horváth finden

Das beschauliche Städtchen in Oberbayern punktet mit seiner Atmosphäre zwischen den Voralpen und dem See. Das zog Künstler an - und heute Urlauber.

Überblick

Anreise

von Wien nach Murnau in ca. 5 Std.

Ein überdimensionaler, roter Herrenhut, platziert unübersehbar im Park, zieht die Aufmerksamkeit auf dem Fußweg zwischen dem Staffelsee und der Altstadt von Murnau auf sich. Die Neugierde ist geweckt, erst recht, da die Kopfbedeckung dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller Ödön von Horváth (1901 – 1938) gewidmet ist. Der mit den Theaterstücken „Geschichten aus dem Wienerwald“ und „Kasimir und Karoline“ oder dem Roman „Jugend ohne Gott“ wie wenige die politischen und gesellschaftlichen Stimmungen der Zwischenkriegszeit in einprägsame Worte fasste.

Dass er hier, im beschaulichen Murnau am Staffelsee, siebzig Kilometer südlich von München in den Voralpen, viele Eindrücke sammelte und zu Papier brachte, ist nur Literaturkennern bekannt. Am früheren Bewohner der Stadt gibt es in Murnau auch ohne den großen roten Hut Kopfbedeckung kein Vorbeikommen. Im modern gestalteten Schlossmuseum ebenso nicht wie beim Flanieren durch das hübsche Städtchen, wo ein Rundweg auf Orte hinweist, die in Bezug zu Horváth stehen. Da wäre etwa das Hotel zur Post, in dem er den Hausmeister Kasimir und die damalige „Posthalterin“ Karoline traf, die im bereits erwähnten Theaterstück verewigt wurden.

Viel bayrisches Bier

Das Hotel steht auch heute noch in der Altstadt, eine der adretten, bunten Hausfassaden des Oberen und Unteren Marktes. Der Schriftzug „...bräu“, gefühlt an jedem dritten Haus zu lesen, weist nicht immer, aber oft darauf hin, dass hier Bier gebraut wird. Und das schmeckt ja in Bayern besonders gut. Also gleich in der Markt-Straße ins „Kargbräu“, spezialisiert auf Weißbier, oder im „Griesbräu“ auf ein „Helles“ zur Brotzeit? Oder lieber auf einen Kaffee aus der Murnauer Kaffeerösterei ins Traditionskaffeehaus Krönner mit seiner verführerischen Kuchentheke?

So oder so empfiehlt sich nach einer derartigen kulturell-kulinarischen Erkundungstour ein Marsch in Richtung Staffelsee, entlang angenehm Schatten spendender Bäume. Und dann ist klar, warum diese Region „Blaues Land“ genannt wird: ein weitläufiger See unter blauem Himmel, im Hintergrund die ebenfalls in leichtes blau getauchten Voralpen mit Zugspitze und Bischofsstab. Kein Wunder, dass auch Künstler wie Wassily Kandinsky oder Gabriele Münter, die auch in Murnau lebte, sich hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohlfühlten.

Noch heute beruhigt der Blick auf das weite Blau. Ob bei einer Wanderung entlang des Ufers oder auf der Gemeindewiese in der Sonne liegend, der entspannende Effekt, das Gefühl des kleinen Glücks, ist immer gleich, als ob die Zeit still steht.

Es sind Momente, die in Erinnerung bleiben. Wie Ödön von Horváths einst bereits in einem seiner Briefe vermerkte: „Wenn ich nur wieder in Murnau sein könnte!“

Top 3

Museum
Im Schlossmuseum (schlossmuseum-murnau.de) und im Münterhaus (muenter-stiftung.de) erkundet man das Leben von Ödön von Horváth und Gabriele Münter

Schifffahrt
Mehrmals täglich gibt es auf dem Staffelsee Rundfahrten, mehrere Anlegestellen mit Möglichkeit zur Fahrtunterbrechung. staffelsee.org

Essen
Hauseigene Brauerei mit warmem Buffet und kalten Speisen. griesbraeu.de

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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