Curaçao: Beachparty mit grünem Mehrwert

Auf der Karibikinsel kann man Strandurlaub mit Engagement verbinden: Beim Müllsammeln auf einsamen Stränden sind Helfer willkommen.

Knapp ein Dutzend junge  Männer und Frauen gehen mit großen Plastiksäcken vorsichtig   über scharfkantigen Muschelkalk. Sie sammeln Müll, von dem an diesem sonst menschenleeren Steinstrand an der Nordküste von Curaçao jede Menge herumliegt. Es sind Helfer der Stiftung Green Phenix, die ein Müllsammel- und Recycling-Projekt aufgezogen hat und damit arbeitslosen Inselbewohnern die Möglichkeit gibt, ein paar Euro zu verdienen.

Martin Bernert in Curaçao

„Wir sammeln nicht die Hinterlassenschaften der Touristen, dafür haben die bewirtschafteten Strände eigenes Personal. Es geht um den Müll, der von Handelsschiffen verloren und dann von den Meeresströmungen hier angeschwemmt wird“, erklärt Sabine Berendse, Gründerin von Green Phenix. Die Holländerin lebt seit siebzehn Jahren auf Curaçao, sie kämpft mit Engagement und Beharrlichkeit für die Idee einer nachhaltigen „Zero-Waste“-Insel.

Anfangs lagerte sie das gesammelte Altplastik im eigenen Hinterhof, mittlerweile betreibt sie ein eigenes Recycling-Center. Unterstützt wird die Initiative von der TUI Care Foundation, die im Auftrag des weltgrößten Tourismus-Konzerns TUI Nachhaltigkeits- und Umweltprojekte an Urlaubsdestinationen berät und (teil-)finanziert.

Helfer des Sozialprojekts Green Phenix sammeln angeschwemmten Müll

©Bernert Martin

Es gibt aber auch lokale Mitstreiter: Kim Russel etwa hat ihren Job als Lehrerin auf vier Tage pro Woche reduziert; am fünften Tag ist sie als Freiwillige für verschiedene Sozial- und Umweltprojekte aktiv, darunter auch für Green Phenix. Kim hat Wurzeln in Holland und Curaçao; sie ist in den Niederlanden aufgewachsen und lebt seit zweiundzwanzig Jahren hier. „Ich möchte mithelfen, unsere Insel grüner und nachhaltiger zu machen“, sagt sie.

Nur ein Bruchteil des auf Curaçaos Stränden gesammelten Mülls kann verwertet werden: Der überwiegende Teil wandert auf die Deponie; lediglich fünf Prozent sind verwertbares Plastik.

Dieses wird im Recyclingcenter der Stiftung sortiert und geschreddert und dann als Plastikgranulat exportiert oder durch Spritzguss oder Laserdruck zu Vasen, Kerzenständern, Untersetzern und anderen Gegenständen verarbeitet, die wiederum im Souvenir-Shop der Stiftung erhältlich sind. Interessierte Urlaubsgäste können das Recyclingcenter besuchen oder an Beach-Clean-ups teilnehmen.

Natürlich fliegt niemand wegen des Müllsammelns in die Karibik, und natürlich hat Curaçao wesentlich mehr zu bieten. Eine kleine Inseltour gefällig?

Kaktuswälder

Die erste Überraschung bietet sich bereits beim Anflug: Am Boden sind im Gegensatz zu vielen anderen Inseln der Region keine Palmen zu sehen, dafür aber ausgedehnte Kaktuswälder. Das Klima auf Curaçao ist für tropische Verhältnisse trocken, Palmen wachsen nur dort, wo sie von Menschen gepflanzt und bewässert werden.

Untypisch für die Karibik: auf Curaçao wachsen meterhohe Kaktuswälder

©Bernert Martin

Jede Menge Palmen gibt es am Mambo Beach, nahe der Hauptstadt Willemstad, an der Südküste der Insel. Hier wurde vor einem Cluster  großer Hotels und Resorts ein makelloser Sandstrand angelegt und mit Wellenbrechern geschützt, damit die ganze Herrlichkeit nicht ins Meer gespült wird.

Der Mambo Beach bietet allen Komfort, den sich europäische und amerikanische Touristen von einem Strand erwarten – dazu gehören  zahlreiche Restaurants und Bars, von denen sich einige an jeweils anderen Wochentagen abends in Open-Air-Discos verwandeln. Und wer sich mit Mode, Souvenirs oder Strand-Accessoires eindecken will, wird in der landseitig angeschlossenen Shopping Mall fündig.

Karibik-Ballermann

Für viele junge Gäste ist die Ballermann-Atmosphäre am Mambo Beach der Hauptgrund für einen Urlaub auf Curaçao. Wer es ruhiger mag, kann die Insel mit einem Mietwagen erkunden oder einen der von Touristen nur wenig genutzten Busse nehmen, um an schöne und weit weniger überlaufene Strände zu gelangen.

Auch am Abend gibt es entspannte Alternativen zum Partyreigen am Mambo Beach. In Willemstads historischem Zentrum Punda wartet eine Restaurantmeile, Straßenbands spielen karibische Musik und die  zahlreichen Bars der Altstadt werden von Einheimischen ebenso frequentiert wie von Touristen.

Das historische Zentrum der Inselhauptstadt Punda leuchtet in bunten Farben

©Bernert Martin

Besonders schön ist Punda, wenn man vom gegenüberliegenden Stadtteil Otrabanda (auf Deutsch: „Andere Seite“) kommt und über die Königin-Emma-Pontonbrücke die Hafeneinfahrt quert. Die in leuchtenden Farben gestrichenen Handelskontore am Kai wirken wie ein kunterbunt eingefärbtes Stück Amsterdam, das in die Karibik verpflanzt wurde. Läuft ein Schiff ein oder aus, wird die schwimmende Brücke ans Ufer gedreht und der rege (Fußgänger-)Verkehr steht für eine Viertelstunde still. Eilige können aber auch mit einer kostenlosen Fähre queren.

Holländisches Welterbe

Die rot-weiß-blaue Fahne der Niederlande ist neben der Landesflagge von Curaçao bis heute omnipräsent. Seit dem 17. Jahrhundert haben die Holländer hier das Sagen; 2012 wurde die Insel nach mehreren Volksabstimmungen schließlich zu einem unabhängigen Land innerhalb des Königreichs Niederlande. Und obwohl Curaçao nicht Teil der EU ist, sind die Bewohner als Staatsbürger der Niederlande  auch EU-Bürger.

Naturerlebnisse erster Klasse bieten sich jenen, die einen Tagesausflug  im geländegängigen Pick-up unternehmen.  Durch savannenartige, aber mit meterhohen Kakteen bewachsene Landschaft geht es in rasant-holpriger Fahrt zu Tropfsteinhöhlen mit riesigen Fledermaus-Kolonien und zu engen Felsbuchten, wo die Wellen durch schmale Felsdurchlässe schießen und so gewaltige Wasserfontänen erzeugen.

Am Rückweg folgt nach dem Besuch einer kolonialen Plantage, die Ende des 18. Jahrhunderts Schauplatz eines Sklavenaufstands auf der Karibikinsel war, ein Abstecher zu einer kleinen Bucht. Weißer Sandstrand, glasklares Wasser,  eine improvisierte Kantine – ganz ohne den Trubel am Mambo Beach.

Die Echse am Hotelpool zeigte sich von ihrem menschlichen Nachbarn unbeeindruckt

©Bernert Martin

Fauna

Wer exotische Tiere in freier Wildbahn erleben will, ist auf Curaçao bestens aufgehoben. Hier kann man etwa mit Riesenschildkröten auf Tuchfühlung schwimmen – die Tiere holen sich Abfälle lokaler Fischer und zeigen keine Scheu vor Menschen. Pelikane sind ebenso zu sehen wie Flamingos. Die Begegnung mit der Echse im Bild fand am Hotelpool statt. Das Tier hatte eine Sonnenliege okkupiert und blieb seelenruhig liegen, als sich der Autor auf der  Liege nebenan niederließ.

©Grafik

Reiseinfos

Anreise z. B. mit KLM via Amsterdam im November ab 1.142 €, klm.at. CO2-Kompensation via climateaustria.at: 73 €

Unterkunft Van der Valk Kontiki Beach Resort am Mambo Beach (Willemstad) im Nov. ab 257 € DZ/N, kontikibeachresort.nl/de

Währung 1 € = 1,76 Antillen-Gulden

Green Phenix Foundation Kontakt für Strandreiniger: Tel. +599/9682/9673 greenphenix.com

Martin Bernert

Über Martin Bernert

Journalist seit gut einem Vierteljahrhundert, beim KURIER seit 1997. Zum Schreiben kam ich nach der Lektüre von Egon Erwin Kisch und Kuno Knöbl; heute zählen Michel Houellebecq, Philip Roth, T.C. Boyle, Douglas Adams (don't panic!!!), Hunter S. Thompson und Daniel Kehlmann zu meinen Lieblingsautoren. Generell ist Lesen für mich so wichtig und selbstverständlich wie Atmen, Trinken und Schlafen. Leidenschaft entwickle ich außerdem für gutes Essen und schöne Weine (vorzugsweise vom Wagram), ferne Länder (wenn ich sie mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden darf) sowie die Fußballklubs Rapid Wien (ja, ich bin leidensfähig!) und FC Barcelona.

Kommentare