Unbekanntes Wien: Mit der 60er-Bim nach Südamerika

Alpaka-Wandern in den Anden? Muss nicht sein. In einer Ecke in Wien-Mauer schaut's aus wie in Chile, Peru oder Bolivien.

Die Entfernung Austria - Anden beträgt in etwa 12.000 Kilometer. In einem Nachmittag wird sich der Trip nach Südamerika eher nicht ausgehen. Aber vielleicht das: eine Fahrt mit der Wiener Straßenbahnlinie 60 und anschließendem Spaziergang.

Dann nämlich landet man in einer Gegend, die Reisephilosoph Michael Schottenberg zur folgender originellen Bemerkung animierten: "Chile, Perus, Bolivien liegen in Spuckweite vom Maurer Berg - im wahrsten Sinn des Wortes."

Wie das? "Schotti" hat auf einer Wiese in die Augen von Benny, Cosmo und Henry geblickt und sich gleich um Kontinente versetzt gefühlt.  

 

Die Kunst des lustvollen Reisens

Vom Tourist zum Reisenden: In zehn spannenden und amüsanten Lessons erzählt Bestseller-Autor Michael Schottenberg hier in seiner freizeit.academy über richtiges Packen, kommunikative Missverständnisse und lustvolle Gaumenkitzel. 

Hallo Alpakas

Benny, Cosmo und Henry sind drei Alpakas. Flauschige Wesen aus Übersee, die Michael Schottenberg zum Kapitel "Die Vermessung des Glücks" in seinem jüngsten Reisebuch "Wien für Entdecker" (Almathea Verlag) verleiteten.

Die Langhalsschafe mit den Kulleraugen sind gern gesehen. Und noch lieber gestreichelt. Oder bei einer Wanderung begleitet. Schottenberg hat diese am letzten Frühwintertag absolviert. Der Bericht darüber ist einer der Höhepunkte des Buchs und macht Appetit auf ein Stück Wien, das vielen als unbekannt gelten dürfte, sofern sie nicht in der Nähe wohnen.

"Fährt man hinaus nach Rodaun, dort, wo auf den Wiesen Adonisröschen blühen, der Habichtskauz seine Heimat wiederfand und die Reben im Herbst mit kugelrunden Bällchen übersät sind, wo die Welt ruhig und überschaubar und nahe am Glück gebaut ist, dort kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Ist es ein Zufall, dass ein Stück Grünland just oberhalb des Friedhofs den Namen ,Himmelswiese' trägt", fragt sich der Autor.

Um sich gleich selbst die Antwort darauf zu geben: "Wohl nicht. Wer dem Alltagstrott eine Zeit lang entfliehen mag, der sollte dort, wo man sich dem Paradies nahe fühlt und doch keinen Steinwurf von der Metropole entfernt ist, ein Näschen voll Muße gönnen."

Und das mit oder ohne Kuscheleinheiten mit Benny, Comso und Henry. Juli und August ist das Trio bereits vergeben, aber die "Himmelwiese" ist sicher ebenso einen Ausflug wert.

Alpaka-Wandern Wien

Familie Kazda freut sich über Tierfreunde, die mit Benny, Cosmo und Henry zwei oder drei Stunden lang wandern wollen.

Der Bedarf nach diesen exotischen Kuscheleinheiten ist offenbar groß, die Juli- und August-Termine sind schon vergeben.

Termine September: 2 Stunden: Mo-Do ganztags, Fr vormittags; für 1 bis 6 Personen, Pauschale 150 Euro.

Freitag nachmittags, Sa, So und Feiertag; Pauschale 180 Euro.

3 Stunden: Pauschale 200 bzw. 220 Euro.

Adresse: 1230 Wien, Rodaun, Ecke Zemlinskygasse/Willergasse

Anfahrt, z.B. mit Straßenbahnlinie 60 von der Kennedybrücke bis zur Station Breitenfurterstraße; von dort sind es ca. 600 Meter zu Fuß zur Weide gegenüber dem Kalksburger Friedhof.

alpaka-wandern-wien.at

"Wien für Entdecker" (225 Seiten, 25 Euro) offenbart die besondere Beziehung des Weltenbummlers zu seiner Heimatstadt. Neben Orten der Erinnerung wie den Stephansplatz oder den Kärntner Durchgang mit der Loos American Bar macht "Schotti" auch dort Station, wo Austria ein bisschen an die Anden erinnert: beim Alpaka-Wandern in Wien-Mauer.  

©Amalthea
Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. 1978 erster Manager der Linzer Punk-Legende Willi Warma. 1979 Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1986 Institut für Höhere Studien, Wien. 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, 1994 Statist in Richard Linklaters "Before Sunrise", seit 1995 in der FREIZEIT. 2013 "Das kleine ABC des Geldes. Ein Lesebuch für Arm und Reich" (Czernin Verlag). Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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