Superlativ: Diese drei Zutaten machen Sex zu etwas Besonderem

Was außergewöhnlichen Sex auszeichnet, wurde nun in einer neuen Studie erhoben – dabei zeigte sich: Nix ist fix. Und: Es ist kompliziert.

"Make Sex great again" – ungefähr übersetzt: So wird Sex wieder großartig. Tipps, Bücher, Kurse und Workshops, die in Sachen "Horizontale" Wunder versprechen, gibt es zahlreiche. Logisch – das Thema verursacht mitunter Kopfzerbrechen. Manche Menschen sind in puncto Erotik sowieso ein ganzes Leben lang auf der Suche. Außerdem schlittert das Gros der Langzeitpaare irgendwann in die Sex-Baisse.

Während sich frisch Verliebte am liebsten zweimal täglich ineinander verkeilen würden, verspüren Menschen, die seit Jahrzehnten Bett, Bad und Brotkorb teilen, mitunter nur mehr einmal monatlich Lust aufeinander. Wenn überhaupt. "Den" Grund dafür gibt es nicht, es handelt sich vielmehr um einen Mix aus – zum Beispiel – Leistungsdruck, Alltagsmüdigkeit, zu wenig qualitativer Zeit miteinander und schlechter Kommunikation.

Dazu drei gute Nachrichten: Erstens – das ist alles normal. Man ist nicht Hauptdarsteller einer Freakshow, wenn’s mal nicht so flutscht. Lust-Pausen sind okay, solange sich der Ruhepuls nicht als Dauer-Normalzustand manifestiert. Zweitens – alles ist veränderbar, auch das, vorausgesetzt, man tut was. Drittens: Nur weil zwei ununterbrochen im Bett herumkugeln, bedeutet es noch lange nicht, dass sie Wow-Sex haben. Er kann völlig unterdurchschnittlich sein, wird aber aufgrund des hormonellen Frischekicks als das Nonplusultra empfunden – also will man mehr davon.

Da stellt sich die Frage, welche Zutaten es braucht, damit Sex als besonderes, tiefgreifendes oder gar unvergessliches Erlebnis empfunden wird. Das, womöglich, immer wieder von Neuem. Dazu wurden vor Kurzem neue Forschungsergebnisse in "Sexuality & Culture" veröffentlicht. Und dabei jene Faktoren entschlüsselt, die – angeblich – zu außergewöhnlichem Sex beitragen. Doch Achtung: Wer sich jetzt ein Pauschalrezept erwartet oder eine Art "To-do-Liste" zum Abarbeiten, wird ein bisserl enttäuscht sein.

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Weil es leider keine "One-fits-all"-Lösung gibt. Genau, erraten: Was als toll empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, wie sich in dieser kleinen Studie zeigte. Sie wurde übrigens mit Hilfe anonymer E-Mail-Interviews durchgeführt. Drei zentrale Elemente in Sachen Höchstnote und "sehr befriedigend" zeigten dennoch, was wichtig ist: der Orgasmus, die emotionale Verbindung zueinander sowie die "Chemie".

Während sich frisch Verliebte am liebsten zweimal täglich ineinander verkeilen würden, verspüren Menschen, die seit Jahrzehnten Bett, Bad und Brotkorb teilen, mitunter nur mehr einmal monatlich Lust aufeinander. Wenn überhaupt.

Orgasmus als "Outcome"

Zunächst zum sexuellen Höhepunkt: Er scheint für einen höheren Prozentsatz als "Outcome" tatsächlich einen bedeutenden Stellenwert zu haben – womit manche den eigenen meinen, andere wiederum jenen des Partners. Feiner Unterschied. Nicht minder bedeutend ist offenbar ein gewisses Ausmaß an emotionaler Verbindung, allerdings nicht zwingend in Form romantischer Liebe.

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Es kann sich auch nur um schlichte Zuneigung handeln – man mag und schätzt einander und schnackselt frohgemut miteinander. Schließlich wäre da noch die "Magie der Chemie" als etwas Schicksalhaftes und Unbeeinflussbares. Sie muss trotzdem passen, nur so kann man sich fallenlassen, sagten die Befragten. Am Ende zeigte sich dennoch deutlich: Nix ist fix. Das Spektrum der Präferenzen ist vielfältig und breit. Das, was für den einen gut ist, kann für den anderen schlecht sein – und vice versa.

Einmal mehr ein Grund, erneut zu rufen: Redet miteinander – über sexuelle Bedürfnisse, Träume, Visionen! Dafür ist es nie zu spät – und: Das alles ist nicht in Stein gemeißelt. Das Schöne an der Lust ist ja vor allem, dass sie sich im Laufe des Lebens in immer neuen Facetten und Farben zeigen kann.

Reinschauen!

Die Netflix-Serie „Heartstopper“ist für ihre Coming-out-Szenen bekannt. Seit Kurzem ist die zweite Staffel der Produktion angelaufen – mit acht halbstündigen Folgen.  Alles dreht sich um eine queere Teenager-Clique,  die  Gefühle junger Menschen, samt den typischen Problemen von Pubertären und Heranwachsenden. Auch schwierige Eltern-Jugendliche-Kommunikation und Essstörungen sind ein Thema.

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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