Wer ist eigentlich der langweiligste Mensch der Welt?

Studie über unsere Vorurteile: Man kennt ihn natürlich nicht persönlich, und doch haben viele ein Bild von ihm im Kopf.

Ein Forscherteam der südenglischen University of Essex hat einen einsilbigen Datenbearbeiter, der in einer Kleinstadt wohnt, dort ein religiöses Leben führt und in seiner Freizeit gerne fernsieht als den langweiligsten Menschen der Welt identifiziert.

Das nimmt schon mal viel Druck von all jenen, die nun befürchten, dass dieser zweifelhafte Weltmeistertitel auch gut und gerne ihnen zustünde.

Doch Obacht, so einfach ist es im Leben dann doch nicht: Die Briten stützen sich bei ihrer Analyse auf umfassende Studien über die subjektive Wahrnehmung von als langweilig angesehenen Menschen, ihren Berufen, Hobbys und auch Eigenschaften. Also auf gut Deutsch: auf Vorurteile.

Für die Untersuchung der Psychologen rund um Wijnand Van Tilburg wurden mehr als 500 Menschen intensiv befragt. Aus den Antworten erstellten sie ein Ranking der vermeintlichen Langweiligkeit einer Person.

Als besonders uninteressant nannten die Befragten Berufe in Steuer- oder Versicherungswesen, Datenanalyse, Buchhaltung sowie Bankwesen und Reinigung.

Bei der Frage nach der langweiligsten Freizeitbeschäftigung nannten die Teilnehmer dieser Studie am häufigsten: Schlafen, religiös sein, fernschauen, Tiere beobachten sowie Mathematik.

Als besonders interessant eingestuft wurden übrigens Personen, die mit Wissenschaft, mit Journalismus, Medizin, darstellender Kunst und auch Wissensvermittlung zu tun haben.

Merkmale, die mit langweiligen Menschen assoziiert werden, sind laut Umfrage: Interessens-, Humor- und Meinungslosigkeit und auch ständiges Nörgeln. Also vielleicht doch eine/r wie der Autor dieser Zeilen – aus Wien?

Reine Spekulation. Faktum ist laut Studie nur, dass Langweiler im Alltag weniger beliebt sind. (Was für eine langweilige Erkenntnis!) Aufgrund der allgemeinen Ablehnung haben jene ein deutlich höheres Risiko für psychische Erkrankungen.

Interessant wäre zu wissen, wie so eine Umfrage in Österreich ausgehen würde. Eine Vorlage hat uns die Fernsehserie MA 2412 geliefert. Beamte schlechtreden ist bekanntlich eine Art Volkssport in diesem Land. Und Menschen in Wien vorurteilen eventuell etwas anders als Menschen in Tirol.

Uwe Mauch

Über Uwe Mauch

Uwe Mauch, geboren 1966 in Wien, seit 1995 Redakteur beim KURIER, Autor lebensnaher Porträts und Reportagen sowie zahlreicher Bücher, unter anderem: "Unsere Nachbarn" (2002), "Wien und der Fußball" (2007), "Lokalmatadore" (2008), "In 80 Arbeitstagen um die Welt" (2011), "Federführend. Über die Magie der Handschrift" (2013), "Stiege 8/Tür 7. Homestorys aus dem Wiener Gemeindebau" (2014), "Die Armen von Wien" (2016) sowie eines "Wien"- und eines "Zagreb"-Stadtführers.

Kommentare