Selbstversuch: In zwölf Wochen fit für den Marathon – kann das klappen?

KURIER-Redakteure wagen sich mit Trainingsplan an 42,195 Kilometer. Wie das läuft? – Spoiler: Das Vorhaben ist ambitioniert.

Von Harald Ottawa und Elisabeth Holzer-Ottawa

Da geht immer noch ein Zigaretterl, ein Kuchen zum Fernsehen passt sowieso immer. Doch der Körper ist gnadenlos, hat kein Erbarmen mit den kleinen Sünden des Alltags (zu viel Kuchen, zu viele Kilos).

Schluss damit. Wenn der Geist nicht willig ist, muss eben der Körper betätigt werden – allgemeine Gesundheit freilich vorausgesetzt. Also Marathon. Doch der 23. April braust im Eiltempo auf uns zu, mit kleinen Schritten wollen wir uns den 42,195 Kilometern annähern. Und damit es am Ende nicht nur 1,195 sein werden, sondern auch die restlichen 41 Kilometer (glücklich lächelnd) bewältigt werden, nehmen wir ab sofort die Beine in die Hand, damit am Marathon-Sonntag in Wien auch wirklich alles Hand und Fuß hat.

Wie bereiten wir uns auf unseren jeweils zweiten Marathon vor (der erste ist längst gelaufen, ging 2015 über die Bühne)?

Zum Marathon in 12 Wochen?

Es ist definitiv nicht so, dass wir - Ehepaar und Arbeitskollegen um die 50 Jahre in Personalunion -  völlige Anfänger in Laufschuhen wären. Zwischendurch gab es bereits im Herbst nach der Entscheidung, wieder über die Volldistanz zu gehen, längere Läufe -  die sich schnaufend über rund 15 bis 17 Kilometer in die Länge zogen.

Der Plan

Doch von einem Marathon mit Zieleinlauf sind wir damit weit weg.

Also muss Hilfe her, die kommt auf drei Wegen. Erstens -  ein Trainingsplan einer Läuferplattform klingt vielversprechend: Knapp zehn Euro kostet die Anleitung für Personen, die bereits "mehr oder weniger regelmäßig laufen" und schon bei kürzeren Distanzen am Start waren. Dieser Plan verspricht uns, dass wir mit nur zwölf Wochen Training fit genug wären, 42,195 Kilometer in fünf Stunden zu packen – das ist ambitioniert. Ob das aussichtslos ist oder tatsächlich laufen kann, wollen wir in den kommenden Wochen in loser Folge dokumentieren.

Die Überlistung des Schweinehundes

Zweitens braucht es eine Überlistung des inneren Schweinehundes in Form von ein bisschen Druck von außen. Den machen wir uns mit der Offenlegung hier als Selbstversuch. Drittens - wir gehen das Projekt Marathon nicht alleine an: Einige KURIER-Kolleginnen und -kollegen sind mit an Bord, einige über die gesamte Distanz wie wir, andere laufen Halbmarathon, die meisten wiederum in einer Staffel.

Ehepaar, Arbeitskollegen und nun auch Trainingspartner: Elisabeth Holzer-Ottawa und Harald Ottawa

©Elisabeth Holzer-Ottawa

Unsere erste Trainingswoche klingt noch recht gemütlich, jedenfalls für uns: Vier Mal pro Woche steht Lauftraining im Kalender, und zwar nicht nach Distanzen, sondern nach Zeit. Das macht es auch leicht für jene, die (noch nicht) über eine Sportuhr verfügen, die Distanzen misst. Knappe vier Stunden sollen wir in der ersten Trainingswoche absolvieren, die für uns offiziell am 30. Jänner beginnt.

Wetter? Wurscht!

Freilich, wir sind Streber. Wir bleiben auch zuvor schon in Bewegung, wenn auch nicht ganz so durchgeplant. Wir haben bereits Anfang Jänner (Neujahrsvorsatz lässt grüßen! ) wieder mit kleinen Schritten begonnen – gemütlichere Laufeinheiten um die sechs bis acht Kilometer.

Wir wollen uns also in den kommenden Monaten viel im Freien bewegen (Wetter? Wurscht! Regenjacken sind schon erfunden.) Der Rest passiert zusätzlich im Fitnessstudio (oder mit Work Outs im Wohnzimmer). Denn nicht nur die Ausdauer ist bei Langstreckenläufen wichtig, sondern auch die Muskulatur generell. Bauch- und Rumpfübungen stehen fast an der Tagesordnung. Beintraining ebenso, aber nur im geringen Maße, da wir die Beine ohnehin beim Laufen trainieren.

Warum wir das alles machen? Da wird aus dem „Wir“ ein „Ich“ – wir trainieren zwar oftmals gemeinsam, doch die Motivation dahinter könnte unterschiedlicher nicht sein.

Warum er läuft....

Harald, geboren 1971, Sportredakteur: "Mit zunehmendem Alter spürt man bei etwas höher dosierter Anstrengung jede Zigarette. Vorrangig will ich meine Fitness verbessern und habe mir diesbezüglich auch etwas von Thomas Muster abgeschaut, der belächelt wurde, als er mit 42 Jahren 2010 ein Comeback gab und sich rechtfertigte: 'Mir ging es nicht mehr um große Siege, sondern darum, gesünder zu leben. Ich habe nichts geraucht, nichts getrunken und mich gut ernährt. Was gibt es Besseres?'  Also her mit den Laufschuhen, weg mit den Kippen."

... und sie...

Elisabeth, geboren 1974, Chronikredakteurin: "Banal – abspecken. Ist mir durch Laufen schon einmal gut gelungen."

...und dann wieder wir

Dass wir früher im Ziel sein wollen als der jeweils andere, versteht sich trotz Trainingspartnerschaft und Ehe sowieso von selbst.

Anmerkung: Dies sind ausschließlich persönliche Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse der Autorin und des Autors und keine sportwissenschaftlichen oder medizinischen Erkenntnisse.

Elisabeth Holzer-Ottawa

Über Elisabeth Holzer-Ottawa

Seit 1992 als Journalistin in der Steiermark-Redaktion tätig. Angesiedelt im Chronik-Ressort, aber durch dessen Vielfalt auch vielfältig im Einsatz - von der (Landes-)Politik über Gericht und Reportagen bis hin zu aktuellen Vorfällen. Und sonst noch? Promovierte Historikerin (Geschichte- und Doktoratsstudium an der Uni Graz), dadurch interessiert an zeitgeschichtlicher Forschung. 2007 das erste Buch veröffentlicht ("Schleichhändler vor Gericht"); es folgten zusammen mit weiteren AutorInnen einige mehr, etwa "McScience" (2015) oder 2017 "Die Geschichte der Frauen in der Steiermark". Ausgezeichnet mit dem Inge-Morath-Preis des Landes Steiermark für Wissenschaftspublizistik.

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