Nackt schlafen: Das sind die Vor- und Nachteile

Wenn es nachts heiß ist, möchte man so wenig Stoff wie möglich um sich haben. Ein Schlafexperte rät vom Nacktschlafen jedoch ab.

Im Sommer nachts die Hüllen fallen lassen ist nichts Ungewöhnliches - zumindest nicht in Österreich. Laut einer  internationalen Vergleichsstudie des Möbelkonzerns IKEA sind 55% der Österreicher der Meinung, nackt besser zu schlafen. Nicht nur, dass es sich angenehm anfühlt, es ist doch auch für den Körper gesünder ohne Kleidung zu schlafen - oder? Falsch gedacht! Experten sprechen sich eigentlich für das Schlafen mit Gewand aus.

Betthygiene leidet

Die Gründe dafür sind hauptsächlich hygienischer Natur. Es ist völlig normal, während der Nacht mindestens einen halben Liter Schweiß abzusondern. Auch die Haut regeneriert sich im Schlaf, weswegen ebenso Hautzellen in den Betttextilien landen. Schläft man nun nackt, wird alles in die Matratze abgegeben, in der sich Hausstaubmilben tummeln, für die Hautschuppen ein gefundenes Fressen sind. Durch den Kot dieser kleinen Ungeziefer können allergische Reaktionen auftreten. Schläft man mit einem Pyjama, wird ein Großteil der Hautzellen von der Stoffschicht aufgefangen. Der Neurologe und Schlafexperte Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl rät aber generell dazu, Matratzen regelmäßig zu wenden und durchzulüften.

Ein weiterer Nachteil des nackten Schlafens ist die Gefahr einer Unterkühlung. Für einen tiefen Schlaf ist zwar eine Temperatur von unter 21°C genau richtig, allerdings sollte das Schlafzimmer nie unter 18°C gekühlt werden. Schläft man ganz ohne Decke und Gewand, steigt jedoch auch bei diesen Temperaturen die Wahrscheinlichkeit, dass man sich im Schlaf verkühlt.

Walzl empfiehlt, zumindest mit einer dünnen Decke aus Naturfasern zu schlafen. Mit Stoffen wie Baumwolle wird in der Nacht weniger geschwitzt und der abgesonderte Schweiß kann von den Materialien gut aufgenommen werden.

Nackt schlafen: herrlich!

Sieht man von den negativen hygienischen Faktoren ab, hat das nackte Schlafen aber durchaus seinen Reiz. Ganz im Adams- oder Evaskostüm zur Nachtruhe begeben, bewirkt, dass man ein besseres Körpergefühl bekommt und das Selbstbewusstsein wächst.

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Legt man sich nackt mit dem Partner zur Ruhe, kann das auch beziehungsfördernd wirken. Denn Paare, die nackt schlafen, haben häufiger Geschlechtsverkehr. Dass sich dadurch eventuell ein Schlafmangel ergibt, ist ein für Verliebte vermutlich weniger schwerwiegendes Gegenargument.

Ebenfalls interessant für die Zweisamkeit ist, dass das nackte Schlafen die Fruchtbarkeit des Mannes erhöht. Ohne einzwängende Boxershorts und  in einer etwas kühleren Umgebung fühlen sich die Spermien wohler. Andernfalls können sogar bis zu ein paar Millionen Samenzellen durch Hitze abgetötet werden.

Kühl trotz Kleidung

Die Nacht ohne Gewand verbringen hat also durchaus auch seine Vorteile. Um aber nicht zweimal die Woche die Bettlaken wechseln zu müssen - wie es beim nackten Schlafen empfohlen wird - eignet sich ein Kompromiss am besten. Unter einer dünnen Decke in  einem  Pyjama aus Naturfasern hält man es auch im Sommer aus. Für alle, denen trotzdem zu heiß ist, hat Experte Walzl einen Tipp: Vor dem Schlafengehen eine 1,5 Liter Wasserflasche mit kühlem Wasser füllen,  ein dünnes Stofftuch  zum Umwickeln verwenden und in der Nacht zu den Fußsohlen legen. Die perfekte Abkühlung!

Außerdem sei es wichtig, abends etwa eine Viertelstunde lang stoß- bzw. durchzulüften. Sich bei kühler, frischer Luft ins Bett zu legen ist angenehm und schlaffördernd.

Das hüllenlose Schlafen mag bei den Österreichern zwar beliebt sein, allerdings raten mehrere Experten - so auch Walzl - konkret davon ab. Hygiene und Schlafqualität leiden darunter.

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