Lust auf köstlich: Wie Wiener Gerichte zu ihrem Namen kommen

Fledermaus, Forellen und Fiaker – warum man Wiener Traditionsgerichten nicht voreilig trauen sollte.

Als nicht so wagemutiger, aber mit Fantasie ausgestatteter Feinschmecker kann einem im Wiener Wirtshaus schon mal das Gruseln kommen. Steht da doch auf der Speisekarte zwischen Zwiebelrostbraten und Altwiener Backfleisch: Gebackene Fledermaus. Geht es um den Namen von Speisen, tut man gut daran, nicht jedes Wort ernst zu nehmen. So kamen etwa –       lange vor dem Hotdog – Einbrennte Hund auf den Tisch. Für das Gericht wurde aber kein Haustier geopfert.

Vielmehr handelt es sich um ein billiges, aber sättigendes "Arme-Leute-Gericht" aus Erdäpfeln und Essiggurkerln, eingebrannt in Mehl und Fett. Warum der Wiener Jargon aus den speckigen Erdäpfeln einen Hund machte, ist heute nicht mehr so nachvollziehbar. Steht wiederum ein Kalbsvögerl auf der Karte, ist kein mythisches Zwitterwesen gemeint. Man bekommt ein Stück ausgelöste Kalbsstelze, das so klein ist, dass es wie ein Spatz in eine Hand passt.

Bei Topfenstrudel oder Buchteln bewiesen die Wiener ebenfalls einen Vogel: Die Speisen wurden gerne mit Kanarienmilch serviert – einer Vanillesauce, die durch das verwendete Eigelb die Farbe eines Kanarienvogels annahm. Kreatives Denken auch bei der Beamtenforelle: Zunächst war damit ein Salzstangerl gemeint, später dann eine Knackwurst. In beiden Fällen wollte man mit dem Begriff auf das bescheidene Einkommen der Beamten verweisen. Kam hier nie eine  (teure) Forelle zu Schaden, mussten beim wärmenden Fiakergulasch ebenfalls weder Pferd noch Mensch leiden.

Der Name ist eine Hommage an den Kutscher, der Wind und Wetter trotzen musste. Und was hat es mit der Gebackenen Fledermaus auf sich? Dahinter verbirgt sich ein zartes Fleischstück von der Innenseite des Schweineschlögels. Aufgeschnitten erinnert es an die ausgebreiteten Flügel einer Fledermaus. Ein Erdäpfel-Vogerlsalat mit Kernöl passt ganz vorzüglich dazu! 

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