Waldeck: Mit Kompromisslosigkeit und Glück in der Musikszene überlebt

Der Musiker Klaus Waldeck feiert mit zwei Konzerten das 20-Jahre-Jubiläum seines Labels „Dope Noir“

„Genervtes Label und enttäuschter Künstler“ stand als humorvolle Begründung im Auflösungsvertrag, als sich Klaus Waldeck Anfang der 00er-Jahre von einem Major-Label trennte. „Es war mein Selbstbestimmungswille, der sie genervt hat“, erinnert sich der Wiener Elektronik-Musiker, der als Weggefährte von Kruder & Dorfmeister begann, im Interview mit dem KURIER.

Um seine künstlerischen Ansprüche nie mehr korrumpieren zu müssen, gründete Waldeck damals sein Label Dope Noir, auf dem er bis heute fast ausschließlich eigene Projekte veröffentlicht: 2004 die Platten des von Chansons beeinflussten Duos Saint Privat, das er mit Valerie Sajdik gegründet hatte. 2007 dann das weltweit erfolgreiche, von Trip-Hop und Jazz geprägte Waldeck-Album „Ballroom Stories“. Später lernte er Klavier spielen, und es kamen Jazz und Soul-Projekte dazu.

Gerne erinnert sich der Musiker in seiner Rolle als Labelboss an diese Zeit zurück, als physische Tonträger noch wichtig waren. „Da hat man 5000 Platten gepresst und die waren innerhalb weniger Wochen weg. Heute produziert man 2000 und ist froh, wenn nicht die Hälfte wieder zurückkommt.“

Waldeck baute sich damals mithilfe von Soul-Seduction für Dope Noir ein internationales Vertriebsnetzwerk für seine Platten auf – eine Art der Verbreitung von Musik, die er für viel effektiver hält, als die heutige, nicht-physische über das Internet.

„Man redet zwar von der Grenzenlosigkeit von Streamingplattformen. Da stößt man aber ständig an algorithmische Grenzen. Damals hatte man zwar für jedes Land einen eigenen Vertrieb, hat dadurch aber die wichtigsten Verkaufsstellen erreicht. Und diese Vertriebspartner hatten eine wichtige Filterfunktion, weil sie nur das in die Läden gestellt haben, wovon sie überzeugt waren.“

Dadurch, sagt der 57-Jährige, sei damals nur durch den Vertrieb eine Bewerbung der Platten für geeignete Zielgruppen vorhanden gewesen. „Heute muss man für jeden Markt für eigene Werbekampagnen zahlen. Der Preis von CDs hat sich aber seit damals nicht geändert, während die Produktionskosten gestiegen sind. Das macht Labelarbeit wirtschaftlich schwierig.“

Waldeck tut sich auch mit der heute so wichtigen Vermarktung über Soziale Medien schwer: „Selbst wenn man Social-Media-Kampagnen an geeignete Firmen auslagert, muss man ständig Content liefern und irgendetwas Neues über sich aus dem Hut zaubern. Aber diese Selbstinszenierung liegt mir nicht. Und dieses Schreien um Aufmerksamkeit im Internet wird immer lauter und unübersichtlicher, weil so viel produziert wird. Ich glaube, heute erscheinen auf Spotify 50.000 neue Songs pro Tag!“

Cover der zum Jubiläum veröffentlichten CD mit vielen neuen Songs von allen von Waldecks Musik-Projekten.

©Dope Noir

Waldeck konnte Dope Noir nur deshalb während des Strukturwandels der Plattenbranche weiter erhalten, weil immer wieder Einnahmen aus der Nutzung seiner Songs in Werbung oder TV-Serien und Filmen dazukamen: „Da habe ich immer Glück gehabt!“

Das und den 20. Geburtstag von Dope Noir feiert er am 3. und 4. Juni mit zwei „Label Nights“ im Porgy & Bess in Wien. Dabei tritt er mit seinen Projekten „Belle & Pop“ und Saint Privat (3. 5.) und dem Waldeck Sextet und Soul Goodman (4. 5.) auf.

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