Neue Serie: "Sisi" geht ins Bordell

Nina Oberbucher

von Nina Oberbucher

Die sechsteilige „Sisi“-Serie feiert heute (Dienstag, 20.15 Uhr) TV-Premiere – mit weniger Nostalgie und Romantik, dafür viel nackter Haut.

Sie unterhält sich mit ihrer Schwester beim Mittagstisch übers Masturbieren, holt sich in einem Bordell Tipps für die Hochzeitsnacht und verpasst ihrem Ehemann schon mal eine Ohrfeige.

So hat man Kaiserin Elisabeth in den alten „Sissi“-Filmen von Ernst Marischka (geschrieben mit zwei statt einem „s“) definitiv nicht gesehen. In der neuen „Sisi“-Serie, die heute in ORF1 und RTL TV-Premiere feiert, soll ein moderneres Bild der Kaiserin gezeichnet werden.

Es ist eine von mehreren neuen Sisi-Verfilmungen: Bei Netflix startet im Frühjahr die Serie „The Empress“ mit Devrim Lingnau und Philip Froissant, im Kino erwarten uns außerdem Marie Kreutzers „Corsage“ mit Vicky Krieps und Florian Teichtmeister sowie Frauke Finsterwalders „Sisi und ich“ mit Susanne Wolff und Sandra Hüller.

In der heute startenden „Sisi“-Serie schlüpfen der gebürtige Hamburger Jannik Schümann und die schweizerisch-amerikanische Schauspielerin Dominique Devenport in die Rollen des österreichischen Kaiserpaares.

Nebelmaschinen

Die Handlung beginnt wie bei den Filmen aus den 50ern kurz vor der Verlobung von Kaiser Franz Joseph I. mit Sisi in Bad Ischl. Gemeinsam reiten sie durch Landschaften, die mit einem Bob-Ross-Kitsch-Filter unterlegt scheinen, die Macher dürften auch großen Gefallen an Nebelmaschinen gefunden haben. Franz darf Sisi vor einer Horde böser, unfrisierter Ungarn retten und landet gleich tiefer in ihrem Dekolleté, als es die höfische Etikette wohl vorgesehen hatte. Zu Beginn grüßt die Seifenoper.

Die Serie ist opulent, aber weniger nostalgisch-romantisch als der beliebte Weihnachtsklassiker. Ausführlich wird das Liebesleben von Kaiser und Kaiserin (und Kaiser ohne Kaiserin) dokumentiert. Parallelen zu „Bridgerton“ werden von den Serienschöpfern (Regie: Sven Bohse) nicht geleugnet. Dass Sisi eine Prostituierte aufsucht, um sich aufklären zu lassen, soll ihre Selbstbestimmtheit unterstreichen. Schlachten sind blut- und explosionsreich inszeniert.

©ORF/ORF/Beta Film/RTL/Story House Pictures/Louis-Zeno Kuhn

Großes Kind

Sisi wirkt anfangs naiv, wird aber im Laufe der Serie immer abgeklärter. Marischkas Kaiserin durfte zwar immer wieder sagen, wie unglücklich sie die Zwänge am Hof machten, strahlte aber spätestens beim nächsten „Oh Sissi – Ach, Franz“ wieder bis über beide Ohren. Dieser Sisi sieht man das Leid an, ihre Rolle zu erfüllen und Schwiegermutter Sophie (Désirée Nosbusch) zufriedenzustellen.

Franz ist ein wahrer Unsympathler – ein großes Kind, das immer bekommt, was es will, und sein Temperament nicht unter Kontrolle hat.

Man muss schon manchmal ungläubig schmunzelnd den Kopf schütteln, etwa als die Kaiserin von der Menge wie ein Rockstar getragen wird und just in dem Moment die Wehen einsetzen. „Sisi“ weiß mit der Mischung aus Liebesgeschichte und Historiendrama aber solide zu unterhalten. Eine Fortsetzung ist fixiert.

©ORF/ORF/Beta Film/RTL/Story House Pictures/Lukas Salna

"Si(s)i" im TV: Sendetermine + Streaminginfos

Die Serie
ORF1 und RTL  zeigen die sechsteilige Serie „Sisi“ an drei Abenden, jeweils in Doppelfolgen: heute, Dienstag (20.15); morgen, Mittwoch (20.15), und übermorgen, Donnerstag (bei RTL ab 20.15, in ORF1 ab 22.05). Alle Folgen sind auch beim Streamingdienst RTL+ verfügbar.

Die Filme
Die „Sissi“-Trilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm kann man bei Netflix und RTL+ streamen. ORFIII zeigt die drei Filme  am Sonntag (2. 1.), Montag (3. 1.) und  Dienstag (4. 1), jeweils ab 21.05 Uhr. Davor (4. 1., 20.15) liefert die Doku „Kaiserin der Leinwand – Die Geschichte der Sissi-Trilogie“ einen Blick hinter die Kulissen.

Nina Oberbucher

Über Nina Oberbucher

Kommentare