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Interview mit Jeff Bridges: Zwischen Greis und Killer

Der Oscarpreisträger, berühmt als „The Big Lebowski“, spielt in der Thrillerserie „The Old Man“ einen ehemaligen CIA-Agenten auf der Flucht

Vielleicht ist es nicht gerade schmeichelhaft, die Titelrolle in einer Serie namens „The Old Man“ zu spielen; noch dazu, wenn man gleich zu Beginn dabei gezeigt wird, wie man Probleme beim Pinkeln hat und nur mit Mühe in die eigenen Socken hinein findet.

Aber Jeff Bridges bleibt entspannt, auch beim Thema Alter: „Tja, ich bin 72 Jahre. Ich nehme an, das qualifiziert mich als ,old man‘“, grinst er im KURIER-Gespräch: „Und all die Alterswehwehchen, die man in der ersten Szene sieht, kann ich ziemlich gut nachvollziehen.“

Gerade aber, wenn man meint, der alte Herr könne kein Wässerchen mehr trüben, bringt er mit überraschender Muskelkraft einen Auftragsmörder um – als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes getan: „Das ist wie Radfahren: Das verlernt man nie, auch wenn man fünfzig Jahre nicht mehr gefahren ist“, führt Jeff Bridges gut gelaunt aus: „Der Körper erinnert sich daran. Und so ergeht es auch meiner Figur Dan Chase.“

Dan Chase verwandelt sich nicht zufällig vom gebrechlichen Opa in eine geölte Killer-Maschine. Er ist ein ehemaliger CIA-Agent, der vor dreißig Jahren untergetaucht ist und nun von seiner Vergangenheit blutig eingeholt wird.

Die US-Thrillerserie „The Old Man“ (abrufbar ab Mittwoch auf Disney+) basiert auf dem Bestseller von Thomas Perry und gibt Jeff Bridges Gelegenheit für eine vortreffliche ... äh ... Altersrolle: „Eigentlich versuche ich ja, mich von jedem Projekt fernzuhalten, denn ich weiß, was das bedeutet: Es nimmt mir Zeit weg, die ich sonst mit meiner Familie verbringen könnte“, beteuert der Oscarpreisträger und dreifache Vater, seit 1977 mit der Schauspielerin Susan Geston verheiratet. Zudem hatte er eigentlich keine große Lust auf eine Fernsehproduktion, denn: „Mein Vater Lloyd Bridges war ebenfalls Schauspieler und trat in vielen Fernsehshows auf. Ich habe miterlebt, wie sehr es ihn frustrierte, dass die Zeit nie ausreichte und die Produktionen dementsprechend oft nicht sonderlich gut wurden.“

Tatsächlich trat der kleine Bridges schon als Kind an der Seite seines Vaters in der Abenteuerserie „Sea Hunt“ auf – „das ist allerdings schon über fünfzig Jahre her. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, Fernsehen ganz neu zu erleben. Und ich muss sagen: Die richtig guten Sachen, die ich in letzter Zeit gesehen habe, spielen sich alle im Fernsehen ab. Insofern bekam ich Lust, es auch auszuprobieren.“

John Lithgow in "The Old Man"

©photo: Prashant Gupta / FX Netwo/FX Networks/Disney+

Der Produktionsweg von „The Old Man“ erwies sich allerdings als lang und steinig.

Die Dreharbeiten hatten gerade begonnen, als die Pandemie alles lahmlegte. Gerade, als man die Arbeit wieder aufnehmen wollte, wurde Bridges mit Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Als er während der Chemotherapie auch noch an COVID erkrankte, kam er eigenen Aussagen zufolge „dem Tod ziemlich nahe“.

Bizarrer Traum

„Ich gehe meine Arbeit und mein Leben stoisch an. Ich versuche, an den Herausforderungen zu wachsen“, erläutert Bridges seine Lebenseinstellung. Einer großen Fangemeinde unvergesslich in seiner Paraderolle als „Dude“ in „The Big Lebowski“, kämpfte er sich ins Leben und zu „The Old Man“ zurück: „Ich wusste anfänglich gar nicht, ob ich es wieder ans Set schaffen würde. Aber als ich nach zwei Jahren zurückkehrte, war es, als wären wir alle nur ein verlängertes Wochenende weggewesen. Meinen Freunden dort habe ich erzählt: Ich hatte diesen bizarren Traum. Es war nicht einmal ein Albtraum, denn zwischendurch habe ich auch wundervolle Momente erlebt. Wir haben einfach dort weiter gemacht, wo wir aufgehört haben.“

Und es wurde sogar noch sehr lustig: „Ich versuche, möglichst viel Freude und Spaß mit in die Arbeit zu nehmen. Zum Glück sahen das meine Kollegen John Lithgow und Amy Brenneman sehr ähnlich. Wir hatten alle eine wundervolle Zeit.“

Jeff Bridges als Ex-CIA-Agent in "The Old Man"

©FX Networks/Disney+

Die Chance, eine Figur innerhalb einer Serie zu spielen, erwies sich als spannend: „Ich habe zwei Filme gemacht, die eine Fortsetzung bekamen: ,Die letzte Vorstellung‘ (sein Durchbruchsfilm, Anm.) bekam mit ,Texasville‘ 20 Jahre später eine Fortsetzung von demselben Regisseur, dem wunderbaren Peter Bogdanovich, und denselben Schauspielern. Ebenso der Sci-Fi-Film ,Tron‘ und ,Tron: Legacy‘. Auch hier haben wir einfach dort weitergemacht, wo wir aufgehört hatten. Mit ,Old Man‘ konnte ich dann meine Figur erstmals länger entwickeln. Das war alles neu für mich und das habe ich sehr geschätzt.“

Fakten

Jeff Bridges
Der Schauspieler, geboren  1949 in Los Angeles, ist der  jüngere Bruder von Beau Bridges und stand schon als Kind mit seinem Vater Lloyd Bridges vor der Kamera. Seinen Durchbruch hatte er in „Die letzte Vorstellung“ (1971)  

Karriere
Jeff Bridges spielte in über 50  Produktionen mit, darunter Klassikern wie „Die Letzten beißen die Hunde“, „Die fabelhaften Baker Boys“ oder „The Big Lebowski“. Für seine Rolle als Country-Sänger in „Crazy Heart“ erhielt er einen Oscar

The Old Man
In „The Old Man“, einer Thrillerserie auf Disney+, wird  Jeff Bridges als Ex-CIA-Agent blutig mit seiner Vergangenheit konfrontiert

Alexandra Seibel

Über Alexandra Seibel

Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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