Filmkritik zu "Sundown": Die Abreise aus Acapulco auf ewig verschieben

Tim Roth spielt einen mysteriösen Mann, der seinen Abflug aus Acapulco verpasst, sich an den Strand setzt und zur Flasche greift

Ein perfektes Urlaubsidyll der Superreichen, mit traumhafter Villa in Acapulco, Swimmingpool mit Blick aufs Meer und leisen Hausangestellten. Zwischen Rückenmassage und Cocktailstunde können sich ein Mann, eine Frau und zwei Teenager bestens erholen.

Doch irgendetwas stört das makellose Idyll. Vielleicht ist die Sonne zu grell oder das Meer zu blau. Die gefangenen Fische schnappen vergeblich nach Luft. Sie wissen, dass es nicht mehr lange weitergeht.

Ein plötzlicher Anruf, und die Familie muss aufbrechen. Erst am Flughafen bemerkt der Mann, dass er seinen Reisepass vergessen hat. Kein Problem, beruhigt er die Frau: „Ich komm morgen nach.“ Doch er kommt nicht. Weder morgen, noch übermorgen. Er bleibt einfach, wo er ist.

Der Mexikaner Michel Franco, ein Regisseur subtiler Spannung, aber mit Hang zum Holzhammer, hat schon in seinem Brutal-Drama „New Order – Die neue Weltordnung“ soziale Konflikte mit krassen Gewaltorgien bestraft. In „Sundown“ hält er sich mit grausamen Schaueffekten meist zurück.

Tatsächlich ist sein flirrendes Drama von gekonnt nervöser Unruhe durchdrungen, solange unklar bleibt: Wer ist der Mann? Warum bleibt er in Acapulco und säuft? Irgendwann hält Franco die Spannung selbst nicht mehr aus, löst alle Rätsel und lässt sein Mysterium in die Banalität abgleiten. 

INFO: F/MEX/SWE 2021. 82 Min. Von Michel Franco. Mit Tim Roth, Charlotte Gainsbourg.

Charlotte Gainsbourg (re.) und Tim Roth (hinten links) auf Urlaub in Mexiko: "Sundown"

©Filmladen
Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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