Faktencheck: Wieviel Realität steckt in der neuen Sisi-Serie?

„Die Kaiserin“ ist die aktuell meistgesehene internationale Netflix-Serie. Doch mit der historischen Persönlichkeit hat sie wenig zu tun.

Mit historischer Genauigkeit punktet die Netflix-Produktion jedenfalls nicht. Katrin Unterreiner ist Habsburger-Expertin, Autorin und war langjährige wissenschaftliche Leiterin beim Schloss Schönbrunn und Kuratorin des Sisi-Museums. Sie verrät uns die größten Mythen.

In der Serie wird Sisi als stark und selbstbewusst dargestellt. War sie schon mit 15 aufmüpfig?
„Die Kaiserin“ will von einer modernen Frau erzählen, die sich am rückständigen Hof durchsetzen muss. Doch abgesehen davon, dass adelige Mädchen dazu erzogen wurden, fügsame Gemahlinnen zu werden, war Elisabeth auch schüchtern und zurückhaltend. Politisch war sie zeit ihres Lebens nicht engagiert. Frauen hätten dort nichts zu suchen, war sie überzeugt. Zu Beliebtheit beim Volk schaffte sie es erst in den 1860ern, als sie nach langen Auslandsaufenthalten ihre berühmtesten Porträts (etwa jenes von Franz Xaver Winterhalter) malen ließ und für kurze Zeit öffentlich glamourös auftrat.
Wie stand es um Elisabeths Verhältnis zu ihrem Vater, Herzog Max?
Anders als in der Trilogie von Ernst Marischka spielte Erzherzog Max keine prägende Rolle in Elisabeths Leben. Er war viel auf Reisen und verbrachte seine Zeit mit anderen Frauen und unehelichen Kindern. Elisabeths Verhältnis zu ihrer Mutter und den Geschwistern war deutlich inniger.
Verstand sie sich mit ihren Schwiegereltern?
Entgegen der verbreiteten Meinung war Erzherzogin Sophie alles andere als die böse Intrigantin. Elisabeths Natürlichkeit und Unbekümmertheit imponierten der Kaiser-Mutter. Sie verteidigte die kranke Sisi am Hof und sprang für die Enkel als Ersatzmutter ein. Ihr Mann Franz Karl galt als gutmütiger, ein wenig trotteliger, aber niemals unangenehmer Mann. Abgeschottet von der Familie lebte er nicht. Er und seine Frau hatten wie damals üblich getrennte Appartements.

In der Serie heiratet die rebellische Elisabeth den Kaiser von Österreich vor viel Publikum .

©Netflix
Kam es am Tag der Hochzeit zu Ausschreitungen?
Die Wienerinnen und Wiener haben das Kaiserpaar am Tag ihrer Hochzeit gar nicht zu Gesicht bekommen. Die Eheschließung wurde nur in der Hofkirche innerhalb der Familie und des Hofstaates gefeiert. Die großen, öffentlichen Feierlichkeiten folgten später.
War Franz Joseph ein unehelicher Sohn des Prinzen von Wasa?
Sophie wurden schon zu Lebzeiten zahlreiche Affären nachgesagt. Die Erzherzogin war wahnsinnig ehrgeizig und politisch engagiert. Am Hof stand sie stets unter Beobachtung. Ihre mächtige Position für ein Techtelmechtel und das Getratsche der Hofdamen zu gefährden, passt nicht zu ihrer Beschreibung.

Romy Schneider und Karlheinz Böhm in der Sissi-Trilogie von Ernst Marischka (1955).

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Hatte Kaiser Franz Joseph eine voreheliche Beziehung?
Während Frauen vor der Ehe streng unter Verschluss gehalten wurden, sollten Männer bereits reichlich sexuelle Erfahrungen sammeln. Franz Joseph soll mit einigen – stets verheirateten – Frauen Verhältnisse gehabt haben. Das wurde auch nie groß verheimlicht.
Plante Ferdinand Maximilian, der Bruder von Franz Joseph, einen Komplott, weil er Kaiser sein wollte?
Weder er noch sonst irgendjemand hatte Pläne in diese Richtung. Maximilian litt jedoch schon sehr darunter, dass er von seinem Bruder als Zweitgeborener quasi zur Bedeutungslosigkeit verdammt wurde. Letztendlich wurde er zum Spielball Napoleons III. Als Kaiser von Mexiko wurde er im Jahr 1867 hingerichtet.
Elisabeth Kröpfl

Über Elisabeth Kröpfl

Seit 2021 beim KURIER, Ressort Lebensart

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