"Komm, wir schreiben einen Pool!" Was Lennon & McCartney antrieb

Film und Buch - die Beatles sind gerade omnipräsent. Und Paul McCartney erinnert sich, warum sie WIRKLICH Musik machten.

Dank Peter Jacksons "Get Back"-Film sind die Beatles wieder da. Also nicht, dass sie je komplett weg gewesen wären, obladioblada. Aber massiv im Gespräch halt. Auch Paul McCartneys im November erschienenes Buch "The Lyrics", mit seinen sämtlichen Songtexten seit 1956, wird wohl einige Male unterm Weihnachtsbaum liegen.

Im Rahmen der vielen Interviews, die "Macca" aus oben genannten Gründen gab, fällt vor allem eine Aussage auf, vielleicht, weil sie so verblüffend ehrlich ist: "In unseren frühen Jahren ging es uns ausschließlich ums Geld." Kunst? Etwas für die Ewigkeit schaffen? Das kam erst später, als Paul & Co. zu ihrer eigenen Überraschung noch immer gemeinsam Musik machten und vor allem merkten, dass diese Songs den Menschen auch tatsächlich etwas bedeuten.

Aber während der frühen Jahre, der großen "Beatlemania", dachten sie gar nicht, als Band über längere Zeit von Bedeutung zu sein, wie McCartney erklärt. Überall wurden Bands gegründet, hatten ein paar Hits, lösten sich wieder auf, formierten sich neu. Die Musikwelt war in einem rasanten Wandel. Und Lennon/McCartney? "John und ich hatten da diesen Spruch", erinnert sich Sir Paul: "Komm, lass und einen Pool schreiben. Oder: Du brauchst einen Anbau an dein Haus? Los, schreiben wir einen!"

Sie hätten nicht im Traum daran gedacht, dass das, was sie machten, Kunst sei. Das wurde ihnen erst viel später bewusst. "Aber ist das, was du tust, deshalb nobler?", stellt McCartney schließlich eine rhetorische Frage. "Was wir ursprünglich wollten, war eine Gitarre, ein Auto und ein Haus. Das waren unsere höchsten Ambitionen."

Sie waren jung und brauchten das Geld. So war das also. Aber wenn daraus Songs wie "I Want To Hold Your Hand", "I Saw Her Standing There", "I Wanna Be Your Man", "I Should Have Known Better" oder "You've Got To Hide Your Love Away" entstehen, ist das etwas, worüber man sich wirklich freuen kann.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

Kommentare