Backstage-Glamour: So hat man Berühmtheiten noch nicht gesehen

Roxanne Lowit ist eine der besten Fotografinnen der Welt und Teil der für viele unerreichbaren Welt der Schönen und Reichen. Der "freizeit" zeigt sie ihre besten Bilder und erzählt deren Geschichten.

Eines Abends im Grand Hotel de Bains im zauberhaften Venedig: Schauspieler Sylvester Stallone feiert auf einer Party, sein Pressesprecher bremst die Fotografen. „Keine Bilder, denkt nicht einmal daran!“, herrscht er sie an, erzählt Stylist Ildo Damiano, der mit Roxanne Lowit zusammenarbeitete. Dann aber dreht Stallone sich plötzlich um, wendet sich empört an Lowit: „Du fotografierst alle, nur mich nicht. Warum?“ – und wirft sich sogleich in Pose. Genau das ist die Macht von Roxanne, sagen jene, die sie gut kennen.

Hinter den Kulissen fängt sie Momente Prominenter ein, die authentisch, persönlich, sogar intim sind. Dafür lässt sie ihnen Zeit, drängt nicht, wartet ab. „Backstage ist organisiertes Chaos“, sagt Lowit. Das ist der Grund, warum sie dieses Areal so fasziniert. Sie rückt Menschen mit all ihren Emotionen in den Vordergrund, vor ihrer Linse tummelten sich im Laufe der Jahre unzählige Berühmtheiten: So zum Beispiel Karl Lagerfeld, Helmut Newton, Elton John, Ray Charles, Lenny Kravitz, David Bowie, Robert De Niro, Grace Jones, Johnny Depp, Kate Moss, Claudia Schiffer, Keith Haring, Gisele Bündchen, James Brown, Madonna, Sophia Loren, Giorgio Armani, die Spice Girls, Tom Hanks, Roy Lichtenstein, Andy Warhol und noch viele mehr. Roxanne Lowit hatte sie alle und erzählt uns ihre Geschichten.

Roxanne Lowit fotografierte Elton John 1980 im Central Park, New York

©Elton John in Central Park 1980 ©Roxanne Lowit at preissfinearts.com

Schriftsteller Glenn O’Brien sagte über sie einmal: „Auf Roxannes Bilder sieht man, was jemand denkt, was jemand vorhat, ob Leute gut oder schlecht sind.“ Sie schafft damit nicht nur Fotos, sondern erzählt durch diese auch Geschichten. Sie bringt berühmte Menschen dazu, sich bizarr zu verhalten, erkennt dabei sofort die richtigen Kamerawinkel und Schokoladenseiten. Sie wird geliebt, weil sie aus jedem das Beste herausholt und dabei den Raum des Fotografierten niemals einengt.

„Auf Roxannes Fotos sieht man, was jemand denkt und was jemand vorhat, ob Leute gut oder schlecht sind.“

Glenn O'Brien Schriftsteller

Wirft sich auch selbst in Pose, aber nur selten: Fotografin Roxanne Lowit mit einer Statue

©daniel ebelli

Begonnen hat Lowits Karriere bei den Modeschauen in Paris. Dort wurde sie beauftragt, Fotos von den Kollektionen zu machen. Ihre erste Show war Saint Laurent. Danach landete sie bei der Backstage-Party am Eiffelturm und traf dort Modeschöpfer Yves Saint Laurent, Künstler Andy Warhol, Model Pat Cleveland und viele mehr. „Der Rest ist Geschichte“, sagt sie heute. Auch, dass sie nicht einmal mehr weiß, wann sie aufhörte Farben zu tragen. Schwarz ist ihr Lieblingston, sowohl in den Outfits als auch bei ihren Bildern. Lowit: „Schwarz ist die Kombination aller Farben. Es ist mächtig. Es stärkt einen.“

Lowit machte diese Aufnahme des legendären Fotografen Helmut Newton, der dabei sowohl hinter als auch vor der Kamera zu sehen ist.

©Helmut Newton, Paris 1996 ©Roxanne Lowit at preissfinearts.com

Dass ihre Laufbahn in die Fotografie mündet, war aber nicht von Anfang an klar. „Ich malte auch Porträts von Freunden, und wenn sie nicht mehr Modell sitzen konnten, zeichnete ich sie von einem Foto ab, das ich von ihnen geschossen hatte“, erzählt Lowit der . „Bald realisierte ich aber, dass ich sie nicht zeichnen muss. Das Foto an sich war bereits ausdrucksstark genug. Ich war immer schon eine Künstlerin.“ Und so vertiefte sie sich in Fotografie, lernte das Entwickeln in Dunkelkammern.

Top-Model Claudia Schiffer  (2004, Berlin) 

©Claudia Schiffer "The Movies in a Can", Berlin 2004 ©Roxanne Lowit at preissfinearts.com

Die toxische Welt der FilterDas ist auch der wesentliche Unterschied zu heute: Die Technologie beeinflusste die Branche und damit auch Lowits Welt. Filter auf sozialen Plattformen erlauben es, Bilder zu bearbeiten. „Aber das verändert die Fotografierten“, sagt Lowit. „Ich denke, Menschen sollten so sein, wie sie sind. Es ist vor allem für junge Mädchen toxisch, wenn sie denken, einen Filter zu brauchen, um hübsch zu sein oder ihr Bild posten zu können.“

Ein richtig gutes Foto sei jenes, bei dem nicht nur die Situation, sondern die Seele des Menschen eingefangen wird. So bahnte sich Roxanne Lowit den Weg in die geheimnisvolle und für viele unerreichbare Welt der Schönen, Reichen und Glamourösen.

Auch Karl Lagerfeld warf sich zu seinen Lebzeiten für  Roxanne Lowit  in Pose

©Three Faces of Karl, NYC 1983 ©Roxanne Lowit at preissfinearts.com

Sah sie etwa Jack Nicholson an einem Tisch im Backstagebereich, ging sie zu ihm und sagte: „Hi, Jack!“ Er begrüßte sie ebenso und fragte, wer sie sei. So kamen sie ins Gespräch, und so machte Lowit das zu Beginn bei allen. Ihre Natürlichkeit und Normalität machten sie beliebt, Wegbegleiter meinen, deshalb hätte sie in der Branche so gut Fuß fassen können, deshalb ließen Designer sie hinter die Bühne, wo sonst niemand hindurfte. Mitten in diesem Durcheinander, wenn Modeschöpfer die letzte Hand an die Outfits legen, Models sich konzentrieren, weil sie gleich auf den Catwalk stolzieren, der Nervenkitzel steigt und Aufregung herrscht, sind Roxanne Lowits Bilder entstanden – von Szenen, wie man sie noch nicht gesehen hat. Giorgio Armani kann sich gut erinnern und bringt es in einem Satz auf den Punkt: „Sie kann Menschen lesen.“

Info: Eine Auswahl von Roxanne Lowits besten Werken kann man derzeit auch in der Kunstgalerie Preiss Fine Arts am Bauernmarkt 14 in der Wiener City sehen. preissfinearts.com

Zur Person

Über Roxanne Lowit

Sie ist laut Wegbegleitern „genauso berühmt geworden, wie die, die sie fotografiert hat.“ Sie konzentrierte sich auf Backstage-Fotografie. Ihre Arbeit wurde in vielen Magazinen veröffentlicht, etwa in der französischen Elle oder der italienischen Vogue. Sie arbeitete auch an Kampagnen für Dior oder Vivienne Westwood. Heute lebt sie in New York. Die  Doku „Roxanne Lowit Magic Moments“ zeigt ihr Leben – sie ist auf Netflix zu sehen.

Marlene Auer

Über Marlene Auer

Chefredakteurin KURIER-freizeit. War zuvor Chefredakteurin bei Falstaff und Horizont Österreich, werkte auch als Journalistin im Bereich Chronik und Innenpolitik bei Tages- und Wochenzeitungen. Studierte Qualitätsjournalismus. Liebt Medien, Nachrichten und die schönen Dinge des Lebens.

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