Werner Herzog, Gina Lollobrigida, Klaus Kinski

King of Kino: 10 Gründe, warum wir Werner Herzog lieben

Wenn es sein soll, isst er Schuhe, geht Hunderte Kilometer zu Fuß oder spielt Tom Cruise an die Wand. Am Montag wurde der Klaus-Kinski-Dompteur 80 Jahre alt. Gratuliere!

1. Filmemacher haben oft nur eines im Kopf: ihr Projekt. Er nicht. Als sein Freund Errol Morris über Probleme beim Dreh von ,Gates of Heaven' klagte, schwor Herzog, dass er seine Schuhe isst, wenn dieser Film doch einmal in die Kinos käme. Die Aktion wurde 1980 selbst zum Film: „Werner Herzog Eats His Shoes“ von Les Blank.

2. Wenn schon, denn schon. Als Werner Herzog sich 1999 in San Francisco in die Fotografin Lena verliebte, beschloss er, von vorne anzufangen. Bei der neuerlichen Einreise in die USA führte er nur eine Zahnbürste mit. Das trug ihm ein strenges Verhör ein.

3. Dieser Mann ist härter im Nehmen als ein Stuntman. Bei einer Rolle als Prediger im Science-Fiction-Film "Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein" (1989) von Peter Fleischmann langte ein anderer Akteur so zu, dass Herzog danach zum Zahnarzt musste. Sein Filmpartner war Mittelgewichtsmeister im Boxen.

4. Wenn er spielt, dann so überzeugend, dass es zum Fürchten ist. Nach der Rolle als Bösewicht neben Tom Cruise in „Jack Reacher“ meldete sich bei seiner Frau eine Freundin: „Du weißt, du bist nur eine Flugstunde von uns entfernt. Wir haben ein Gästezimmer, wir können dir Schutz anbieten.“

5. Der Mann ist ein Stehaufmanderl. In seinem Erinnerungsbuch „Jeder für sich und Gott gegen alle“ schreibt er: „Los Angeles hat auch seine dunkleren Seiten. Einmal wurde ich während eines Interviews mit der BBC vor laufender Kamera angeschossen und dabei leicht verletzt. Ich empfand das eher als Teil der lokalen Folklore.“

6. Er selbst kann sogar Leben retten. Nur Tage nach dem BBC-Interview crashte vor ihm Joaquin Phoenix mit auf dem Dach liegenden Auto. Benzin rann aus, im Schock wollte sich der benebelte Schauspieler dennoch eine Zigarette anzünden. Zum Glück nahm Herzog das Feuerzeug an sich.

7. Um der im Winter 1974 schwer erkrankten Filmikone Lotte Eisner beizustehen, machte er sich überhastet zu Fuß von München nach Paris auf. „Als ich ankam, war sie wie durch ein Wunder fast gesund“, erinnert sich Herzog in seinem Buch.

8. Die Amerikaner lieben seinen Akzent und seine Stimme noch mehr als jene von Schwarzenegger. Vor 20 Jahren streckte „Simpsons“-Schöpfer Matt Groening seine Fühler nach Herzog aus. Seither sprach er drei Gastrollen für die Kultserie, in diesem Ausschnitt etwa den Anzugträger Walter Hottenhoffer.

9. Ob Krautrock oder Barock, wo Herzog ist, spielt die Musik. Die Münchener Band Popol Vuh schrieb Soundtracks zu „Aguirre, der Zorn Gottes“ und vier weitere Filme. Er selbst schrieb eine Oper über Fürst und Komponist Carlo Gesualdo (1566–1613).

10. Wien ist er seit langem verbunden. 1991 war Herzog neben Reinhard Pyrker Direktor der Viennale. Am 28. Oktober widmen ihm Viennale und das Volkstheater einen Abend zu seinen inneren und äußeren Landschaften: „Halluzinationen“.

P.S. Und hier noch der Original-Trailer zu "Fitzcarraldo" (1982), laut Gina Lollobrigida, ihr "größtes Abenteuer".

Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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