Von Licht und Schatten: Wie es durch Beleuchtung gemütlich wird

Die ideale Beleuchtung für jeden Raum zu finden, ist nicht immer leicht. Doch neue Technologien und Trends machen ein perfektes Lichtkonzept möglich.

Obwohl die Tage inzwischen wieder etwas länger werden, ist es gefühlt dauernd finster. Auch tagsüber wird im Büro das Licht aufgedreht, zum Frühstück sitzt man ohnehin am beleuchteten Esstisch. Wer mit seiner Lichtsituation zu Hause unzufrieden ist, hat es dieser Tage besonders schwer. „Licht, genauer gesagt gesundes Licht und die Farbtemperatur in jedem Raum, beeinflusst maßgeblich unser Raum- und Wohlgefühl“, erklärt Innenarchitektin Theresa Bienenstein.

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Deshalb sollte man sich dem Lichtkonzept genauso viel Aufmerksamkeit widmen, wie der Einrichtung. „Wer neu baut, plant bereits Steckdosen und Leitungen am richtigen Platz. Schwieriger wird es natürlich, sich mit den Gegebenheiten in einer bestehenden Wohnung zurechtzufinden“, weiß die Expertin. Doch für fast alles gibt es Lösungen: Die aktuellen Leuchtentrends gehen auf die Bedürfnisse der Kunden ein.

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Glas, Textil und Stein: Nie war Beleuchtung so energieeffizient und variabel, nie wurden Handwerk und Hightech so innovativ verbunden wie heute. Licht-Experte Markus Lugert von Franke Leuchten kennt die Produktpalette und erzählt: „Durch den Einsatz von LED-Leuchten wurde die gesamte Gestaltung revolutioniert. Heute ist vieles möglich, was noch vor einigen Jahren undenkbar war. Flexible neue Leuchtsysteme ermöglichen auch einfachere und gezielte Ausleuchtung ohne große Umbauarbeiten.“

Flexibles Lichtsystem für jeden Raum: Plusminus von Vibia

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Das Plusminus-System von Vibia ist so ein Produkt, das diverse Einsatzmöglichkeiten bietet: Da die Verbindung der Leuchten über Textbänder funktioniert, sind auch organische Gestaltungen möglich und die jeweilige Leuchte am gewünschten Platz einsetzbar. In Sachen Materialtrends sind gerade Glaskugeln besonders gefragt. „Mundgeblasene Glas-Leuchten liegen aktuell wieder sehr im Trend.“ so der Experte.

Diese dürfen auch gerne bunt sein und als Eyecatcher von der Decke hänge oder als strahlendes Objekt auf dem Sideboard stehen. Allerdings: „Aufgrund der Materialknappheit kann es gerade bei den Glasleuchten zu langen Wartezeiten – bis zu sechs Monate – kommen.“ Besonders gefragt sind außerdem Leuchten aus Marmor und anderen Natursteinen.

Erinnern an Seifenblasen: Die Glasleuchten von Bomma

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Wie im Möbelbereich erhalten auch Lampen-Klassiker moderne Reeditionen. Der Flowerpot von Verner Panton erhielt durch aufladbaren LED-Akku ein modernes und portables Update. Tragbare Lichtquellen entwickeln sich generell zum Trend der Stunde. „Gerade wenn die notwendige Stromquelle nicht vorhanden ist, werden sie zur stylischen Lösung“, so Lugert. In Sachen Design sind die Möglichkeiten schier grenzenlos. Von der effizienten LED-Lampe über den luxuriösen Luster stehen für die Lichtplanung zahlreiche Leuchtmittel zur Verfügung: Ein Deckenstrahler schafft eine andere Stimmung als eine Leseleuchte. Eine ideale Lichtatmosphäre zu schaffen, ist gar nicht schwer.

Modernes Update von den Flowerpot von Verner Panton 

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Doch die Lampe allein ist nicht entscheidend, wenn es um das richtige Licht geht. Das passende Leuchtmittel sorgt letztlich für die Atmosphäre. Innenarchitektin Bienenstein rät deshalb: „Unbedingt auf Qualität setzen bei LED-Leuchtmitteln. Denn die Unterschiede sind enorm. Da die LEDs sehr langlebig sind, zahlt sich das in jedem Fall aus.“ Ist das Licht nämlich zu blaustichig, wird es kühl und ungemütlich. Da hilft dann auch kein Dimmer: „Beim dimmen von LED-Platinen wird nur die Intensität des Lichts verändert, nicht die Farbe. Kaltes Licht bleibt kalt.“

Lichtgestalten: Die "O" von Artemide

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Und viele unterschiedliche Lichtquellen sind ausschlaggebend für ein behagliches Gefühl im Raum. Innenraum-Expertin Bienenstein erklärt: „Um echte Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, ist die Beleuchtung essenziell. Dabei kommt es vor allem auf das Farbspektrum an: Blaustichiges Licht wirkt eher kühl, wo hingegen gelbstichiges Licht eine Gemütlichkeit schafft. Nur auf ein zentrales Licht von der Decke zu setzen ist auch nicht ideal. Lieber indirekte Beleuchtung und mehrere Licht-Zonen bilden. So lässt sich jeder Raum unterschiedlich wahrnehmen.“

Raumkonzept von Theresa Bienenstein 

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Beim Lichtkonzept ist es wichtig, den Licht- und Leuchtenbedarf zu erfassen: Grundbeleuchtung, Beleuchtung für besondere Nutzungen sowie Akzentbeleuchtung zur Raumgestaltung. Denn: „Licht gliedert, unterstreicht oder kaschiert Architektur. Zu stark ausgeleuchtete Räume wirken ermüdend und verhindern die Konzentrationsfähigkeit. Wo Licht ist, braucht es auch Schatten.  Gezielte Zusatzbeleuchtungen, unabhängig voneinander zu schalten, grenzen Inseln ein für spezielle Bedürfnisse.“

Bienenstein rät deshalb: „Zur Grundbeleuchtung Akzente setzen  durch Steh- ,Wand- oder Tischleuchten. Da kann man dann zu Eyecatchern greifen. Skulpturale Formen sind gerade sehr im Trend aber auch Vintage-Leuchten sorgen für tolle Stimmung. Eine Leselampe wird so zum Deko-Element. Auch in Küche oder Bad kann man mit (portablen) Tischleuchten zusätzliche Atmosphäre schaffen.“ 

Begehrtes Multitalent: Die Mito von Occhio

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Auch die Wahrnehmung eines Raumes lässt sich durch Licht beeinflussen: „Viele Lichtpunkte an der Decke erzeugen optisch mehr Höhe in einem niedrigen Raum. Im Zweifel lieber auf ein zentrales Deckenlicht verzichten.“ Lässt sich das Licht bewegen, verändern, dimmen, kann die Raumstimmung individuell angepasst werden durch schwenk- und drehbare Leuchten, Klemmspots und Hängezugleuchten.  

Warmes Licht wirkt behaglich, kaltes Licht belebend. Deshalb eignet sich kälteres Licht (um 4000 Kelvin) für Arbeitsplätze, während warmes Licht (um 2700 Kelvin) Wohn- und Schlafräume gemütlich macht.

Nicole Zametter

Über Nicole Zametter

Die Lifestylejournalistin ist - nach Stationen beim Styria und beim News Verlag - seit Jänner 2021 beim Kurier und schreibt über Architektur, Immobilien, Wohnen & Design. Mit Trendgespür und einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik ist die Tirolerin auch im Alltag immer auf der Suche nach Geschichten und Themen. Darüber berichtet Sie auch regelmäßig in ihrer Kolumne "Mein Wohnen".

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