Ausgezeichnetes Design: Im „Vina“ in Graz greift das Büro „Innocad“ mit der Farbgestaltung, Mustern und Pflanzen  Vietnam auf

Das schönste Restaurant der Welt ist in Graz

Das Lokal "Vina" in Graz wurde international ausgezeichnet. Architekt Martin Lesjak erklärt, welche Trends gerade vorherrschen

Durchscheinend grüne Vorhänge, in denen sich das unterschiedlich akzentuierte Licht bricht. Goldfarbene Akzente in der Einrichtung und dazu eine zur Gänze üppig bewachsene Pflanzenwand: Das sind Design-Elemente, die das schönste Restaurant der Welt auszeichnen. Und dieses befindet sich nicht irgendwo in New York oder London – sondern in Graz

Das vietnamesische Szene-Restaurant "Vina" wurde bei den "International Property Awards 2025" unter 45 internationalen Teilnehmern für das beste "Leisure Interieur" ausgezeichnet.

Seit 2023 bewirten Robert Nguyen und seine Familie ihre Gäste in diesem Ambiente, die Chance hatte sich durch eine Vergrößerung des ursprünglichen Restaurants ergeben. Und sein Anspruch war ein hoher. "Ich wollte das schönste Restaurant haben", erinnert er sich im KURIER freizeit-Gespräch und lacht.

Vietnam widergespiegelt

Was aber ebenso wichtig war: "Unsere Wurzeln in Vietnam sollen sich in der Architektur widerspiegeln – die reiche Natur, die Reisfelder. Man soll sich beim Reinkommen wohlfühlen, für eine genussvolle Reise nach Vietnam."

Die Gestaltung ist ein wichtiger Faktor für ein schönes Esserlebnis geworden. Das wissen Martin Lesjak und Peter Schwaiger vom Grazer Architekturbüro "Innocad". "Die Zeit der klassischen Gastronomieausstatter ist lange vorbei. Heute werden individuell Designer engagiert, die Kombination von Licht und Design mit den Speisen hat eine höhere Wertigkeit." 

Der Anspruch beim "Vina": Kein Hipsterlokal zu gestalten, sondern wie das ursprüngliche, kleine Lokal niederschwellig und für alle Altersschichten ansprechend zu sein. Das Team setzte stark auf Muster, die sich im gesamten Lokal in unterschiedlicher Weise wiederholen und ein stimmiges Ganzes ergeben. "Boden, goldenes Deckenmuster und Bar hängen zusammen", erläutert Martin Lesjak. "Das Entscheidende, das alles zusammenbringt, ist die Farbgestaltung aus Mint- und Olivgrün. Das war ein Goldgriff."

Zeitloser Klassiker: Die "American Bar" von Adolf Loos in Wien

©christandl jürg

Farbe und Raffinesse

Die Farbpsychologie untersucht in Studien schon lange die unterschiedliche Wirkung von Farben aufs Essen: Warme Farben wie Rot und Orange sollen etwa appetitanregend wirken. Geschickte Gestaltung kann viel bewirken. Ein Paradebeispiel: Die "American Bar", die Adolf Loos 1907/08 in Wien gestaltete. Durch den schachbrettartigen Boden und integrierte Wandspiegel wirkt der winzige Raum fast unendlich.

Doch auch im Design gibt es Trends. Das Corporate Design geht jetzt in Richtung Wellbeing, eine allzu glatte Atmosphäre sei nicht mehr angesagt, sagt der Architekt. Auch die Integration von individuell gestalteter Kunst, etwa in Form eines Auftragsgemäldes für die Wand wie im "Vina", sei modern. Wesentlich für ein gelungenes Ambiente: das Licht.

Individuelle Gestaltung: Hotelbar von "Innocad" (Radisson Red)

©INNOCAD

"In der Gastronomie ist akzentuiertes Licht das Schlüsselelement", betont Lesjak. Derzeit im Trend: Gezielt punktuelles Licht. "Es muss am Tisch sein, nicht drumherum." Im "Vina" habe man viel Zeit ins Lichtkonzept investiert, um Tag-, Abend- und Barstimmung erzeugen zu können. Helles, dimmbares Licht ist "in". 

"Farblicht wie Blau, Rot oder Grün sind ein totales No-Go geworden." Ebenso verpönt ist eine schlechte Akustik. "Früher hat man da weniger drauf geachtet, es wurde schnell mal zu laut im Raum." Wie Licht vermittle eine gute Raumakustik Intimität. "Wenn sich die Gäste wohlfühlen, beeinflusst das auch die Verweildauer."

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

Kommentare