Ein Palast für Diamanten: Das größte Bürogebäude der Welt eröffnet

Der indische Ort Surat gilt als Edelsteinhauptstadt. Nun verfügt die Stadt im Bundesstaat Gujarat über ein mehr als 35 Hektar großes Bürogebäude – größer als das Pentagon.

In Europa gilt die belgische Stadt Antwerpen als das Diamantenhandelszentrum schlechthin. Doch 250 Kilometer nördlich von Mumbai befindet sich Surat, die Stadt, in der rund 90 Prozent aller Diamanten der Welt geschliffen werden. Dort wurde nun ein rekordverdächtiges Gebäude erbaut. Die sogenannte Surat Diamond Bourse.

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Die Surat Diamond Bourse gilt als "One-Stop-Destination“ und hat Platz für 65.000 Diamantenfachleute wie Schleifer, Polierer und Händler. Der weitläufige 15-stöckige Komplex besteht aus einer Reihe von neun rechteckigen Gebäuden, die durch ein längliches Hauptgebäude, ähnlich eines Rückgrats, miteinander verbunden sind. Die gesamte Fläche umfasst mehr als 35 Hektar. Nach Angaben der Architekten verfügt es über eine Grundfläche von über 7,1 Millionen Quadratmetern und übertrifft damit das Pentagon, das zuvor als größtes Bürogebäude der Welt galt.

 

Auf Instagram werden Einblicke in das riesige Gebäude gewährt, mit seinen Marmorböden und den lichtdurchfluteten Atrien, die über 4.700 Büroräume miteinander verbinden. Gekostet hat das Projekt 32 Milliarden Rupien, was in etwa 350 Millionen Euro ausmacht. Außerdem beherbergt das Gebäude 131 Aufzüge sowie Restaurants, Einzelhandels-, Wellness- sowie Konferenzeinrichtungen für Arbeiter. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von 1,5 Hektar großen Innenhöfen, die mit Sitzgelegenheiten und Wasserspielen ausgestattet sind. Der CEO des Projekts, Mahesh Gadhavi, erklärte, die Surat Diamond Bourse werde Tausenden Menschen die teilweise tägliche Zugfahrt nach Mumbai ersparen, wo sie sonst Geschäfte machten.

Die Atrien des Gebäudes wurden so gestaltet, dass sie die natürliche Belüftung des Gebäudes fördern

©Edmund Sumner

Entworfen wurde die Surat Diamond Bourse vom indischen Architekturbüro Morphogenesis im Rahmen eines internationalen Designwettbewerbs. Dabei sei es nicht das Ziel gewesen, das Pentagon zu übertreffen, sagte Gadhavi gegenüber dem Nachrichtenportal CNN. Vielmehr sei die Größe des Projekts durch die Nachfrage bestimmt worden. Die Architekten sagten, das Layout schaffe "gleiche Wettbewerbsbedingungen“ für kleine und große Unternehmen. Mit den Büros, die durch einen langen zentralen Korridor verbunden sind, haben die Bewohner einen ähnlichen bequemen Zugang zu Annehmlichkeiten und Einrichtungen, so Mitbegründer Sonali Rastogi, der den Entwurf außerdem als "demokratisch“ bezeichnete. Morphogenesis gibt auch an, dass der Entwurf bis zu 50 Prozent weniger Energie verbraucht als das Maximum, das für die Auszeichnung mit "Platin“ vom Indian Building Council zulässig ist. Die ausgestellte Form des zentralen Rückgrats sei so entworfen, dass die vorherrschenden Winde durch die Struktur geleitet wurden, während gekühltes Wasser unter den Böden zirkuliere, um die Innentemperatur zu senken. Das Design wurde darüber hinaus auch von Morphogenesis‘ Forschungen über die Funktionsweise des indischen Diamantenhandels beeinflusst.

Die Planung scheint allerdings noch nicht abgeschlossen zu sein. Luftbilder der Surat Diamond Bourse zeigen, dass die Umgebung des gigantischen Gebäudes recht niedrig ist. Dies könnte sich jedoch ändern, wenn die Pläne für eine umfassende Sanierung der 7-Millionen-Einwohner-Stadt, die auch als "Traumstadt“ bezeichnet wird, Wirklichkeit werden. Der Premierminister Modi zielt nämlich auf den Bau einer "intelligenten“ Stadt auf fast 700 Hektar im Süden von Surat ab.

Über Janet Teplik

Digital Producer bei freizeit.at. Nach dem Studium der Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte zog die gebürtige Deutsche nach Wien und studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Zuletzt war sie stellvertretende Chefredakteurin bei der MG Mediengruppe.

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