Hundewasser: Wo Wiens Vierbeiner schwimmen lernen

Im 21. Bezirk befindet sich Wiens einzige Hunde-Schwimmschule. Yvonne Mannsberger bringt Vierbeinern die richtige Technik bei.

Inola, das sieht man gleich, ist mit ihren sechs Monaten schon ein kleiner Profi. Anstandslos lässt sich die junge Flat-Coated Retriever-Dame die Schwimmweste überziehen, übermütig stürmt sie die Rampe hinunter in den Pool, routiniert zieht sie dann mit ihrem Spielzeug im Maul ihre Kreise im kühlen Wasser.

Yvonne Mannsberger lässt die Augen dennoch nicht von ihr. Das muss auch so sein, immerhin ist die Hundemasseurin und Hundebewegungstrainerin heute Inolas Schwimmlehrerin.

Am Rande der Stadt

In der Wiener Leopoldau, wo die Stadt zum Speckgürtel wird, wo sich Felder mit Schrebergärten und Industrieanlagen abwechseln und die Öffi-Anbindung denkbar schlecht ist, betreibt sie – eingebettet in das „Hundekompetenzzentrum“ ihrer Mutter Elisabeth – Wiens einzige Schwimmschule für Hunde.

Pfote aufs Herz: Auf den ersten Blick erscheint der Gedanke an Schwimmkurse und Schwimmwesten für Hunde doch etwas dekadent. Noch dazu in einem Land, in dem rund 130.000 Kinder unter neun Jahren nicht schwimmen können. Auf den zweiten Blick ergibt es aber, wie so oft in solchen Fällen, Sinn.

Und auch, wenn Österreich hier im Vergleich zu Vorreiterländern wie Großbritannien noch Aufholbedarf hat, nimmt die Nachfrage auch hierzulande stetig zu, berichtet Mannsberger. Seit 2018 bietet sie die Schwimmkurse an, schnell war sie gut ausgelastet. Zehn bis 15 Hunde begleitet sie im Schnitt wöchentlich in den Pool, die halbe Stunde Einzeltraining kostet 30 Euro. Für Hundeliebhaber gut investiertes Geld.

Überlebenshilfe

Der wichtigste Grund: Nicht alle Hunde können schwimmen. Und selbst, wenn das Tier in ruhigem Wasser den Kopf über selbigem halten kann, bedeutet das nicht, dass ihm das auch gelingt, sobald Strömungen oder Strudel ins Spiel kommen. Das Ergebnis: Jedes Jahr ertrinken Hunde in Flüssen und Seen.

Das liegt auch daran, dass selbst viele Tiere, die oberflächlich betrachtet schwimmen können, es nicht richtig tun. „Viele bewegen die Hinterbeine nicht“, erklärt Mannsberger. „Schaufeln“ nennt sie den Stil, in dem sie sich nur mit den Vorderbeinen über Wasser halten und den sie ihren Klientinnen und Klienten abzugewöhnen versucht.

©Kurier/Gerhard Deutsch

Dazu dient auch die Schwimmweste. Neben deren offensichtlichem Hauptzweck kann die Trainerin Inola damit im Wasser etwas zurückhalten, um den Widerstand zu erhöhen – wodurch diese alle Viere zur Fortbewegung einsetzen muss. Doch auch, wenn ein Hund bereits richtig schwimmt, empfiehlt Mannsberger eine Weste. Im Notfall kann diese nämlich auch als Griff verwendet werden, um das Tier leichter herausziehen zu können.

Fit ins Alter

Doch zurück zur richtigen Technik. Ist diese einmal erlernt, ist der Hund nicht nur sicherer, sondern auch gelenkschonender unterwegs. Wie beim Menschen kann Schwimmen dann auch beim Hund dazu dienen, bis ins hohe Alter fit zu bleiben.

Darum ist auch Inolas Freundin Eileen mit dabei. Die kann mit ihren acht Jahren gut schwimmen, „aber fürs Alter schadet es nicht, sich gezielt zu bewegen“, sagt Besitzerin Sabrina. Die 39-Jährige ist als Züchterin erfahren im Umgang mit Hunden und weiß, wovon sie spricht. „Ich habe schon Hunde untergehen sehen. Das ist ein einschneidendes Erlebnis“, erzählt sie. Und darum lernen alle ihre Retriever bei Mannsberger die richtige Technik.

Eileen braucht keine Weste mehr

©Kurier/Gerhard Deutsch

Wenn es um die Fitness geht, kommt aber noch ein weiterer Faktor zunehmend zu tragen: die Klimakrise und die dadurch rapide ansteigenden Temperaturen. „Nach einer halben Stunde Balliwerfen in der prallen Sonne können die Hunde einfach umkippen“, sagt Elisabeth Mannsberger. Schwimmen ist hingegen optimal geeignet, die Tiere auch bei Hitze gut auszulasten.

Was Züchterin Sabrina bestätigt: „Nach 30 Minuten im Wasser sind beide Hunde streichfähig.“

Andreas Puschautz

Über Andreas Puschautz

Haupt-Betätigungsfelder: Politik, Klima, Umwelt.

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