Die Pyramide des Kukulcán in Chichén Itzá

Yucatán: Mayas, Mais und Mythos im Süden Mexikos

Cancún ist der Ausgangspunkt für eine Reise durch ein Land, das stolz auf sein Maya-Vermächtnis ist. Das geht durch den Magen und über den Glauben an Horoskope.

Überblick

Anreise

Flug ab Wien über Frankfurt mit Condor ca. 12 Stunden, condor.com. CO2-Kompensation: 125 € via atmosfair.de

Wenn Yos ihr Wissen über die Geschichte der Mayas teilt, leuchten ihre Augen. Ihre Stimme hebt sich, wenn sie von dem Erfindergeist der Mayas spricht, und senkt sich, wenn sie vom historischen Erbe ihrer Vorfahren erzählt. Jede Anekdote beendet die 35-Jährige mit den Worten "mis amigos". Meine Freunde. Für den distanzierten Westeuropäer klingt das einigermaßen befremdlich.

Yos heißt eigentlich Yosendy, wie sie während der rund dreistündigen Autofahrt von Cancún zu den Maya-Ruinen in Chichén Itzá erklärt. Über die oft notdürftig asphaltierten und mit Schlaglöchern versehenen Straßen geht es in Richtung des Bundesstaates Yucatán in der Zeit eine Stunde zurück (Mexiko hat vier Zeitzonen). Yos hält eine Zeichnung in die Höhe, darauf zu sehen: Ein Mensch, der aus einem Maiskolben schlüpft. 

"Born from corn", sagt die Frau mit den freundlichen Nasenlöchern. Den Mayas war ihr Mais heilig. Der Mythologie zufolge ist ihr Volk aus Mais entstanden. Noch heute ist Mais in Mexiko das wichtigste Nahrungsmittel – in der traditionellen mexikanischen Küche kommt man an den zahlreichen Zubereitungsarten der gelben, schwarzen, roten, violetten und weißen Körnern nicht herum: Mais in Getränken, Mais in der Vorspeise, Hauptspeise und als süßes Dessert. Nach spätestens einer Woche in Mexiko hat man Mais in allen Formen und Farben zu sich genommen.

Willkommen im Maya-Land

Einmal in Chichén Itzá angekommen, ist man nicht nur eine Stunde zurückgereist, sondern mehr als ein Jahrtausend. Bis auf einige wenige Infoschilder und unscheinbare Absperrungen rund um die grauen Ruinen (früher durften Besucher diese noch über ihre Stufen erklimmen) wirkt die archäologische Stätte wie ein wilder Dschungel, dessen Geheimnisse erst entdeckt werden wollen. Hier hat sich niemand die Mühe gemacht, für Touristen alles auf Hochglanz zu polieren. Umso besser kann man sich vorstellen, wie hier tatsächlich einmal eine Maya-Stadt organisiert war.

Das Schicksal der Dezember-Kinder

"Organisiertes Chaos", wie ein Einheimischer die Kultur Mexikos beschreibt, war die Gesellschaft der Mayas wohl nicht. Die Mayas verteilten die Aufgaben in ihren Völkern anhand eines schlichten, aber effektiven Systems. Jedem Monat war eine bestimmte Aufgabe zugeschrieben, die der Mensch, der in diesem Monat auf die Welt gekommen ist, zu erfüllen hatte. Yos nennt es "eine Art Horoskop" und vergleicht es mit der Gegenwart: "Heute entscheidet über deinen Lebensweg oft, in welche Familie du geboren wirst." Sie kommt aus einer Lehrerfamilie. Erst hat sie denselben Berufsweg eingeschlagen, bevor sie sich mit fünfundzwanzig Jahren entschied, Englisch zu lernen und die Geschichte der Mayas zu studieren.
Diese Wahlmöglichkeit hatten viele in der Maya-Kultur nicht – die Aufgaben waren vor allem für die hierarchisch schwächer gestellten Gruppen relevant, die etwa außerhalb der Stadtmauern rund um Chichén Itzá gelebt haben. Im Dezember Geborene hätten so beispielsweise zu Kämpfern werden müssen. Durch diese Selektion stellten die Mayas ihr Militär zusammen, um sich gegen andere Völker zu verteidigen.

Tourguide Yosendy

Yosendy kam wie so viele aus einem anderen Teil Mexikos nach Cancún, um im Tourismus zu arbeiten

©Lisa Stepanek

Mexiko ohne Maya-Kultur?

Was heute undenkbar ist, wurde lange unterdrückt. Deutlich wird das an der Sprachenvielfalt. Mit der Kolonialisierung wurde Spanisch zur alleinigen Amtssprache – dabei gehört Mexiko zu den Ländern mit der größten Anzahl indigener Sprachen weltweit. Erst seit 2003 werden zweiundsechzig davon gesetzlich als Nationalsprachen anerkannt, darunter Nahuatl und Mayathan. Yos’ Eltern haben aufgrund eigener Diskriminierungserfahrung die Nahuatl-Sprache (Yos nennt es einen Dialekt) nicht mit ihrer Tochter gesprochen. Mittlerweile gibt es mehr Bewusstsein für das indigene Erbe und laut Yos sogar einige Schulen, die etwa Mayathan neben Spanisch unterrichten. 

"Hier in Yucatán ist es etwas Gutes, vielleicht, weil es eine Tourismusregion ist. Deshalb bringen sie der neuen Generation die Sprache bei, denn wenn wir nicht weitermachen, wird sie aussterben." Dennoch werden Menschen, die indigene Sprachen sprechen, auch heute noch in vielen Teilen Mexikos diskriminiert, sagt Yos. "Aber zumindest im Kindergarten sprechen Kinder die Maya-Sprache, weil sie sich damit wohler fühlen. Manchmal machen sich Kinder über andere Kinder lustig, wenn sie komisch reden. Aber es sind Kinder, also vielleicht wollen sie nicht gemein sein – sie wissen es nicht besser."

Entlang breiter Kieselstein-Wege drapiert ein Händler Souvenirs auf seinem Verkaufsstand in Chichén Itzá

Entlang breiter Kieselstein-Wege drapiert ein Händler Souvenirs auf seinem Verkaufsstand in Chichén Itzá

©Lisa Stepanek

Auf der Suche nach Antworten

Nicht nur das linguistische Erbe der Mayas hat seinen Weg ins Mexiko des 21. Jahrhunderts gefunden. Auch Astrologie und Horoskope spielen heute noch in vielen mexikanischen Familien eine Rolle, glaubt Yos. "Wenn sie sehen, dass heute ein guter Tag ist, um etwas Bestimmtes auszuprobieren, werden sie es tun."

In ihrem persönlichen Maya-Kalender macht sie eine Beobachtung: Die Richtung des Universums zeigt nach Süden. Ursprünglich kommt Yos aus Puebla, einer Stadt, die weiter nördlich liegt. "Cancún liegt im Süden Mexikos. Seit sechs Jahren lebe ich hier. Für mich funktioniert es also", sagt Yos mit einem zufriedenen Lächeln. "Manchmal kann man denken, dass es nur Zufall ist. Wer weiß, mis amigos." Dass das, was man nicht weiß, so viel größer ist, als das, was man gesichert weiß, betont Yos immer wieder.

Auf zahlreiche Fragen zum Leben der Mayas weiß sie selbst, wie auch Historiker und Archäologen, (noch) keine Antwort. Aber da ist es wieder, das Leuchten in ihren Augen, wenn sie selbst Fragen stellt und sich Fakt und Fiktion ganz schnell vermischen. Wieso die Mayas ausgerechnet auf diesem riesigen Platz ihr Ballspiel ausgeübt haben? Das laute Echo, das man quer über das Feld hört, wenn es Touristen vereinzelt mit Gesängen und Klatschen austesten – diente es der Kommunikation über weite Strecken? Wenn ja, welche Botschaften wurden gesendet? Und ob es wohl stimmt, dass die Mayas aus Mais geboren wurden? Zum Abschied sagt Yos "(Tak) sáamal". Das bedeutet in der Maya-Sprache so viel wie: "Wir sehen uns morgen". Aber sieht man sich auf Reisen zweimal? Wer weiß das schon, mis amigos? Was sich anfangs noch ungewohnt anhörte, klingt bei der Verabschiedung ganz vertraut – fast wie eine herzliche Umarmung.

Das Planet Hollywood Cancún liegt an der Costa Mujeres in der Karibik und ist der ideale Ausgangspunkt für Aktivitäten auf der Yucatán-Halbinsel

©Marriott International

Info

Unterkunft
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Planet Hollywood Cancún, An Autograph Collection All-Inclusive Resort ist Teil des Treue-Programms von Marriott Bonvoy. Mitglieder sammeln Punkte für Hotelaufenthalte und können diese für kostenlose Übernachtungen oder exklusive Erlebnisse einlösen. Das Programm bietet zahlreiche Vorteile wie Zimmerupgrades und Late Check-out.

 

Auskunft zu Touren
https://www.cancun-adventure.com/en/tour/chichen-itza-express/

Über Lisa Stepanek

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