Im Namen des Falken: Der Zwergstaat Malta ist hoch im Kurs

Ob Humphrey Bogart oder „Game of Thrones“: Mit Geschichte punktet der Zwergstaat ganz groß. Dabei leben seine Bewohner im Hier und Heute.

Überblick

Beste Reisezeit

Mai bis Oktober

Währung

Euro

Einwohner

525.000

Hauptstadt

Valletta

Anreise

Mit der AUA direkt ca. 2 Std. 10 min

Auskunft

visitmalta.com

Wer im Dezember nach Malta kommt, kann sich auf etwas gefasst machen. Am 13. des Monats feiert die Bevölkerung die Geburtsstunde der Republik. Seit 1974 wird daran erinnert: mit Festen, Feuerwerken und lauter Blechblasmusik.

Falls es sich bei Ihnen doch nicht so rasch ausgehen sollte: Auch wenn Sie im März nach Malta kommen, können Sie sich auf etwas gefasst machen. Am 31. des Monats feiern die Malteserinnen und Malteser, dass 1979 die letzten britischen Soldaten die Insel verlassen haben.

Damit nicht genug, gibt es auf diesem nur 316 Quadratkilometer kleinen Eiland noch drei weitere Nationalfeiertage. Sie alle beweisen zweierlei; erstens: Das Inselvolk nimmt gerne jede Gelegenheit wahr, einen drauf zu machen und zweitens: Malta wurde in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt und fast durchgehend von Fremden beherrscht. Umso leidenschaftlicher fallen diese Feste aus. Und zwar jedes einzelne von ihnen.  

Ziffernblätter zu Hauf': "Damit der Teufel nicht weiß, wann der Gottesdienst wirklich stattfindet."

©privat

Mitfeiern ist erwünscht, muss aber nicht sein. Malteser sind stolz genug, sich nicht anzubiedern. Und sie wissen aus Erfahrung, dass Neuankömmlinge einige Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen, wie die Uhren hier ticken.

Sprichwörtlich sogar: Die Kirchtürme von Maltas insgesamt 365 Gotteshäusern weisen zumeist zwei Ziffernblätter auf. Warum denn das? „Damit der Teufel nicht weiß, wann nun der Gottesdienst wirklich stattfindet“, klärt die so gut unterrichtete wie unterhaltsame Stimme im Hop-On-Hop-Off-Bus auf.

Bunt ist Trumpf: Der Hafen von Marsaxlokk mit den fotogenen Fischerbooten

©Getty Images/iStockphoto/eli_asenova/istockphoto

Na, dann wäre schon einmal ein Rätsel gelöst. Und man ahnt: Fad  wird einem hier sicher nicht, denn Besonderheiten begleiten einen in Malta auf Schritt und Tritt. Vom Malteserorden über Malteserbonbons bis zum Detektivkrimi „Der Malteser Falke“ ist man ja bisher bereits mehrmals über einen Bezug zu dem Inselarchipel im äußersten Süden des Mittelmeers gestolpert.

Aber es ist doch etwas ganz anderes, einmal selbst auf den wuchtigen Mauern der Festungsanlagen von Valletta herumzuturnen. Allein der Anblick, der sich von hier aus auf den gigantischen Naturhafen bietet, ist eine Reise wert. 

Superlative in Serie

Mit nicht einmal 6.000 Einwohnern darf sich Valletta heute als kleinste Hauptstadt der EU bezeichnen. Nicht der einzige Superlativ in der Inselchronik. Im Mittelalter galt die strategisch raffiniert zwischen Europa und Afrika gelegene Ansiedelung als am besten gesicherter Ort des Abendlandes. Das zeitigte auch seine Nachteile: Im Zweiten Weltkrieg erlitt Valletta eine Schlagseite als am stärksten bombardierter Ankerplatz der Welt.

Prince Philipp, der Anfang April verstorbene Gemahl von Queen Elizabeth II., war als Marineoffizier auf Malta stationiert.  Die zwei Jahre von 1949 bis 1951 verbrachte er mit Elizabeth in der Villa von Admiral Louis Mountbatten südwestlich von Valletta.

Älter als Stonehenge: Megalithkultur auf Malta

©Getty Images/iStockphoto/JackF/istockphoto

Lang ist’s her, aber Adel verpflichtet – und siehe da, auch Herzogin Meghan war schon da. Auf Maltas Schwesterinsel Gozo posierte sie für ein Erinnerungsfoto vor genau jenem Steintor, das als  „Azure Window“ und einer Szene aus der Serie „Game of Thrones“ zu weltweiter Bekanntheit gelangen sollte.

Vor vier Jahren ist das "Azure Window" kollabiert: Das Postkartenmotiv soll aus einer Konstruktion aus Stahl und Glas wieder aufgebaut werden.

©Stefan Stafrace/Fremdenverkehrsamt Malta

Dieses Rätsels Lösung: Meghans Ur-Ur-Ur-Großmutter Mary Bird hatte Mitte letzten Jahrhunderts einige Jahre auf Malta gelebt. Andere Rätsel bleiben bestehen. Etwa jenes um die vielen Steintempel, von denen manche älter als die Pyramiden oder Stonehenge  sind. Kamen die Ureinwohner tatsächlich über eine Landbrücke aus Sizilien hierher? Und was hat es mit den metertiefen Rillen im Boden in ihrem Umfeld auf sich? 

Man merkt, Malta muss man mehrmals besuchen, um aus diesem herrlichen Flecken Erde inmitten des Mittelmeeres  schlau zu werden. Aber schnell, denn vor drei Wochen startete Komiker Kerkeling seine TV-Serie „Hape und die 7 Zwergstaaten“ unter anderem mit einem Besuch in einer  Bäckerei auf Gozo. Alleine der herzhafte Biss von Bäckerin Julia in das Fladenbrot Ftira machte Appetit auf mehr. Es wäre also kein Wunder, wimmelte es hier bald vor lauter deutschsprachigen Touristen.

©Privat

Odysseus war auch hier

Die am Bug mit den Augen des Osiris verzierten Boote im Hafen des Fischerdorfes Marsaxlokk werden d’rauf schauen. Denn in der Regel will einem gut die Hälfte der etwa 530.000 Insulaner alle Sehenswürdigkeiten zeigen. Im Winter sogar jene Bucht, wo die Göttin Calypso Odysseus liebte. Aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.

Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. 1978 erster Manager der Linzer Punk-Legende Willi Warma. 1979 Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1986 Institut für Höhere Studien, Wien. 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, 1994 Statist in Richard Linklaters "Before Sunrise", seit 1995 in der FREIZEIT. 2013 "Das kleine ABC des Geldes. Ein Lesebuch für Arm und Reich" (Czernin Verlag). Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

Kommentare