Disneyland für Gläubige: Die Jesus-Auferstehung im Freizeitpark

Es müssen nicht immer nur Achterbahnen sein. Kuriose Themenwelten zeigen biblische Geschichten. Von der Schöpfung bis zur Kreuzigung.

Dieser Freizeitpark für religiös Interessierte ist gelinde gesagt schon ein bisschen kurios. Die Terra Santa in Buenos Aires. Unweit des Flughafens Jorge Newbery steht ein Freizeitpark, der wirkt, wie aus einem Bilderbuch entsprungen. Bunte Häuser, Palmen, Kieswege - und eine ganze Menge sakraler Figuren. Die "Heilige Erde", wie das Gelände auf Deutsch heißt, verschreibt sich ganz den Religionen - hauptsächlich dem Christentum. Zu "Ostern herrscht hier Hochbetrieb, schließlich liegen Kreuzigung und Himmelfahrt nur wenige Schritte auseinander", schrieb die Süddeutsche einmal.

Auf sieben Hektar bekommen die Besucher allerhand biblische Geschichten von der Schöpfung weg, die als 15-minütige Lichtshow daherkommt, präsentiert. Am Rande des Parks erhebt sich ein künstlicher Berg, Golgatha, wo Jesus an Kreuz genagelt wurde. "Auf der anderen Seite des weißen Berges erhebt sich alle zwei Stunden eine 18-Meter große strahlend weiße Jesusfigur gen Himmel. Sie dreht sich ein paar Minuten und verschwindet dann wieder im Berg", schrieb die Süddeutsche. Einige Besucher würden sich hier bekreuzigen oder ihr Kreuz, das sie um den Hals tragen, küssen.

Tierra Santa

Die Tierra Santa in Buenos Aires

©Istock

Außerdem gibt es eine Szenerie über die "Verbrennung Judas". Unter Jubel wird hier eine Figur durch Feuerwerke in Brand gesetzt.

Im Park wird auch an Mutter Teresa erinnert, aber auch eine Nachbildung der Klagemauer in Jerusalem steht dort. Wie beim Original können die Besucher kleine Gebetszettel in deren Fugen stecken. Und auch Gandhi ist präsent. 

Viele Römer sind im Freizeitpark Tierra Santa in Buenos Aires unterwegs.

©Martin Parr / Magnum Photos / picturedesk.com

Noch ein Stück pompöser war der Park Holyland Experience in Florida. Dort kennt man sich ja bekanntlich mit Themenwelten aus, immerhin gibt es rund 100 davon. Aber nur einer widmete sich ausschließlich christlichen Themen. Hier konnte man sich regelmäßig das Letzte Abendmahl oder die Kreuzigung ansehen - auch in Form des Musicals "Behold the Lamb". Die leere Grabhöhle war ebenfalls zu bestaunen. Jene, denen die biblischen Grundlagen fehlten, fanden hier ein Infoschild: "Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden."

Die Holyland Experience in Florida mit bombastischem Gebäude.

©John Greim/Loop Images/Universal Images Group via Getty Images

Ein baptistischer Pastor jüdischer Herkunft hatte die Idee zu dem Park. Die Errichtungskosten betrugen 15 Millionen Dollar, die Tore machten 2001 auf. Doch der Erfolg wollte sich nicht so recht einstellen, das Publikum blieb aus.

Pleite

Die religiöse Rundfunkastalt Trinity Broadcasting Network kaufte das Gelände um 37 Millionen Dollar und hatte hochtrabende Pläne: Von einer Erweiterung war die Rede und von einem großen Filmstudio. Der Sender führte Messen, Bibelstudien, Live-Kochen und einen Kinderbereich ein. Zu den großen Projekten kam es nicht mehr, der Park war pleite. Im Sommer 2020 war Schluss. Auf dem Gelände entsteht nun ein Gesundheitszentrum.

 

Auch Musicals gab es über die Kreuzigung.

©David LEFRANC/Gamma-Rapho via Getty Images

Schon in den 1950ern machte in Waterbury, Connecticut, ein christlicher Erlebnispark auf. Der katholische Anwalt John Baptist Greco wollte die Bibel seinen Mitmenschen näherbringen. Er schuf im Holy Land USA "Bethlehem" und "Jerusalem", die eigentlich herzlich wenig mit dem Original zu tun hatten.

Auf der beachtlichen Größe von sieben Hektar gab es einen Garten Eden oder die Daniels Löwengrube oder einen Turm zu Babel im Miniaturformat. Auch wenn das alles durchaus ambitioniert war, so bombastisch wie die späteren Nachfolge-Parks war es in New England nicht. Bemerkenswert war das Herzstück des Parks. Auf einem Hügel stand wie in Hollywood ein beleuchteter Schriftzug: Holy Land USA, darüber prangte ein großes Kreuz und eine aufgeschlagene Bibel.

Holy Land USA

©REUTERS/BRIAN SNYDER

Der Besitzer wollte den Park in den 80er-Jahren groß ausbauen, starb aber zuvor. Dann verfiel das Areal fast 20 Jahre lang, Vandalen machten sich außerdem an den kleinen weißen Häusern zu schaffen. 

Nachdem aber immer mehr Menschen Ausflüge im brach liegenden Gelände machten, entschlossen sich der Bürgermeister und ein Autohändler, die Fläche von den nunmehrigen Besitzerinnen, Klosterschwestern, abzukaufen und den zum Kult gewordenen Themenpark wieder zu reaktivieren. Seit 2014 dürfen sich geneigte Besucher wieder ansehen, wie man sich in den 1950ern in den USA das Heilige Land vorgestellt hat.

Der kleine Turm zu Bable im Holy Land USA

©REUTERS/BRIAN SNYDER

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